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14.10.2011

08:03 Uhr

Wirtschaftsbuchpreis-Sieger 2011

Beitz-Biografie setzt einen Kontrapunkt zur Krise

VonRegina Krieger

Joachim Käppner ist der Gewinner des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises 2011. Ausgezeichnet wird er für die Biografie über Berthold Beitz: Der Unternehmer ist eine Wirtschaftslegende der Nachkriegszeit - und Vorbild in Krisenzeiten.

FrankfurtJe dramatischer die Schlagzeilen über Bankenrettung und Schuldenmisere werden und je mehr sich die Finanzkrise der Realwirtschaft nähert, desto lauter werden die Rufe nach moralischen Kategorien, nach Orientierung und einem Kompass in der komplexen Krisenwelt.

Der ehrbare Kaufmann, wie ihn Thomas Mann 1901 in den „Buddenbrooks“ beschrieben hat, ist im Jahr drei nach der Lehman-Pleite gefragter denn je; Managerzirkel diskutieren ihn wieder als prägendes Leitbild. „Mein Sohn, sey mit Lust bey den Geschäften am Tage, aber mache nur solche, dass wir bey Nacht ruhig schlafen können“, gibt der alte Buddenbrook seinem Sohn mit.

Die gesellschaftspolitische Rolle des Unternehmers rückt gerade in Krisenzeiten in den Fokus - und damit die Suche nach Vorbildern. Die Jury des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises 2011 war sich einig: Es gibt ein Vorbild in der deutschen Nachkriegsgeschichte, eine Jahrhundertfigur, einen Mann, der lebend zur Legende geworden ist: Berthold Beitz, Jahrgang 1913, Vorsitzender der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung und lange Jahre Krupp-Generalbevollmächtigter.

Und es gibt ein Buch über ihn, das das Leben des Mannes brillant schildert. Die Jury hat Joachim Käppners Biografie, von Beitz autorisiert, zum besten Wirtschaftsbuch des Jahres gewählt. Gestern Abend wurde der Deutsche Wirtschaftsbuchpreis, mit 10.000 Euro dotiert, in Frankfurt bei einer festlichen Soiree im Rahmen der Buchmesse überreicht und gefeiert.

Der ehemalige Wirtschaftsweise Bert Rürup stimmte die Gäste mit unterhaltsamen wie nachdenklichen Worten ein. Der frühere Wirtschaftsweise monierte die „german angst“, die typisch deutsche Neigung zum Schwarzsehen, die sich in vielen Wirtschaftsbüchern widerspiegele. Viele suggerierten schlimme Zeiten und Zustände.

Nicht so das Siegerbuch. „Der Autor weiß, wie man Geschichte erzählt; nicht nur mit Anekdoten, Fakten, Zitaten, die sich wie die Perlen einer Perlenkette abwechseln. Sondern mit einem Ton, dem Ton des Zurückgenommenen, nicht des Jublers, dem Ton der Würde, dem Ton des Biografen eben“, sagte Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart, Vorsitzender der Jury, in seiner Laudatio. „Das Buch ist über das Normalmaß hinaus exzellent recherchiert und geschrieben“, urteilt er über das 621-Seiten-Werk des promovierten Historikers und Journalisten Käppner, Redakteur bei der „Süddeutschen Zeitung“.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

13.10.2011, 22:35 Uhr

Endlich einmal hat der Preisträger den Preis verdient. Für mich stellt die Zeit von Beitz während des 2. Weltkriegs im besetzten Osteuropa einen seltenen Lichtblick für unser Volk dar, welches in jener Zeit hauptsächlich von Mitläufern, Opportunisten und Verbrechern geprägt gewesen ist. Allein durch sein Empfinden für Gerechtigkeit, sein Selbstbewußtsein und sein entschlossenes Handel hat er Vielen das Leben gerettet. Seine Spätphase ist mir zu sozialromantisch, aber für einen Menschen mit seinen Erfahrungen verständlich. Ein großartiges Buch, ich kann es jedem nur empfehlen.

lowabras

13.10.2011, 23:42 Uhr

Das klassische Unternehmertum ist in den letzten 50 Jahren systematisch ausgerottet worden und dreimal darf man raten von wem? Ein kleiner und mittelständischer Unternehmer musste sein Kredite ausschließlich bei den Banken beziehen, mit Zinsen die ein konkurrieren mit den Roboter gesteuerten Konzernen unmöglich machten, sie zunächst in ihre Abhängigkeit trieb um sie dann ausgeblutet, billig übernehmen zu können.
Die Konzerne aber werden gesteuert von Robotern, die sich an ihre Incentive - Pläne und an die Vorgaben für ihre Quartalsberichterstattung halten. Das was unter ihnen vorgeht, interessiert sie nur insofern, als dass damit ausschließlich die Parameter für die Erlangung ihrer Incentives erreichen.
Ich selbst war mehr als 25 Jahre in solchen Positionen, bis ich das System durchschaute und ein eigenes Unternehmen aufbaute, das nach herkömmlichem Unternehmertum geführt wird. Mit dem Ergebnis, dass wir praktisch keine Fluktuation haben, eine extreme Arbeitseffizienz und einen hervorragenden Profit, der mit den Mitarbeitern geteilt wird. Das ganze wird gekrönt durch ein familiäres Klima in allen Unternehmensbereichen!

kaanmutver

27.10.2011, 18:55 Uhr

Die erwähnte Grundidee der sozialen Marktwirtschaft, nämlich die Konsensabhängigkeit, kann nur in der Theorie klappen und deshalb hat sich auch Deutschland in eine turbokapitalistische Gesellschaft verwandelt. In der Praxis gib es keinen Konsens, da es einen harten Kampf zwischen Arbeitnehmerinteresen und Arbeitgeberinteressen gibt, wobei jedoch die Arbeitgeber mehr Macht haben, die Arbeitnehmerinteressen unterdrücken und somit die soziale Marktwirtschaft zum Turbokapitalismus verformen.

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