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11.12.2015

13:28 Uhr

Wort des Jahres 2015

„Flüchtlinge“ schlagen „Grexit“

Welcher Begriff hat das Leben im zu Ende gehenden Jahr besonders geprägt? Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat jetzt ihre Wahl getroffen. Die Experten verweisen dabei auf einige Besonderheiten.

Sie waren 2015 in aller Munde: Flüchtlinge. dpa

Merkel-Selfie

Sie waren 2015 in aller Munde: Flüchtlinge.

WiesbadenDas Wort des Jahres 2015 lautet „Flüchtlinge“. Der Begriff sei stark im deutschen Wortschatz verankert und bringe die zentrale gesellschaftliche Diskussion auf den Punkt, begründete die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden am Freitag die Entscheidung.

Auf Rang zwei landete „Je suis Charlie“, der weltweite Solidaritätsslogan nach dem Terroranschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ am 7. Januar in Paris. Auf Rang drei folgte „Grexit“, das Wortgebilde für die Diskussion um einen Austritt des krisengeschüttelten Griechenlands aus der Eurozone.

Wort des Jahres: Seit 2005

2005

Bundeskanzlerin

2006

Fanmeile

2007

Klimakatastrophe

2008

Finanzkrise

2009

Abwrackprämie

2010

Wutbürger

2011

Stresstest

2012

Rettungsroutine

2013

GroKo

2014

Lichtgrenze

2015

Flüchtlinge

2016

postfaktisch

Das Wort „Flüchtlinge“ sei auch sprachwissenschaftlich interessant, sagte der GfdS-Vorsitzende Prof. Peter Schlobinski. „Das „-ling“ hat ja einerseits eine passive Komponente, wie in dem Wort Findling, und auf der anderen Seite eine leicht negative wie bei Emporkömmling.“ In Kreisen, die besonders auf politische Korrektheit achteten, werde daher oft der Begriff „Geflüchtete“ bevorzugt. „Ich glaube, dass Flüchtling letztlich bleibt, dass Geflüchtete keine Chance hat“, sagte Schlobinski.

Die Jury hatte aus rund 2500 Vorschlägen einen Begriff gewählt, der das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben eines Jahres sprachlich besonders bestimmt hat. „Und wir wollten natürlich gesellschaftspolitisch ein Zeichen setzen“, erklärte Schlobinski.

Das zweitplatzierte „Je suis Charlie“ stehe für die weltweite Solidarität für die Pressefreiheit und gegen religiösen Fanatismus. Und der Satz spiele ebenfalls sprachwissenschaftlich eine Rolle. „Normalerweise entlehnen wir ja sehr viel aus dem Englischen, jetzt haben wir – sehr selten – etwas aus dem Französischen“, sagte der GfdS-Vorsitzende.

2014 war die Berliner „Lichtgrenze“ zum Mauerfall-Jubiläum das Wort des Jahres. Es ging um eine Kunstinstallation, bei der beleuchtete Ballons auf rund 15 Kilometern Länge den einstigen Verlauf der Berliner Mauer nachzeichneten. Den sprachlichen Nerv der Zeit hatten in den Jahren zuvor – nach dem Urteil der Jury – die Abkürzung GroKo (2013), die Rettungsroutine (2012) und der Stresstest (2011) getroffen.

Von

dpa

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