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27.12.2012

11:13 Uhr

Yue Minjun

Gefrorenes Lachen

VonOlga Grimm-Weissert

Mit Bildern von krampfhaft lachenden Männern ist der chinesische Maler Yue Minjun berühmt geworden. Nun läuft in Paris seine erste große Ausstellung in Europa. Auf dem Auktionsmarkt wurden für seine Gemälde vor fünf Jahren noch fast 7 Millionen Dollar bezahlt. Inzwischen liegen die Preise zwischen 1 und 2 Millionen Dollar.

Yue Minjun: "I am Dragon-3", 2008, Sammlung des Künstlers. (Ausschnitt) Yue Minjun

Yue Minjun: "I am Dragon-3", 2008, Sammlung des Künstlers. (Ausschnitt)

ParisIm Gegensatz zu den krampfhaft lachenden Männern seiner Gemälde ist der chinesische Malerstar Yue Minjun (geboren 1962) ein zurückhaltender Mann. Sein Gesichtsausdruck lässt auf konstante Konzentration und asiatische Selbstdisziplin schließen. Anlässlich der Eröffnung seiner Ausstellung in der „Fondation Cartier pour l'art contemporain“ in Paris ist er elegant in diskretem Grau-Schwarz gekleidet. Aufmerksam beobachtet er seine Umgebung.

Bekannt wurde der chinesische Maler und Bildhauer Yue Minjun mit seinen Grinse-Männern, deren festgefahrenes Zähne-Fletschen zur Maske wird. Seit Anfang der 1990er-Jahre malte Yue Minjun systematisch und manisch sein Autoporträt mit dem krampfhaften Lachen, welches an die gebleckten Zähne eines Nussknackers erinnert. Im Westen betrachtete man die Bilder mit dem zum Markenzeichen gewordenen Grinsen mit gewisser Skepsis.

Das zweite markante Charakteristikum der Bilder von Minjun ist ihr Preis, der sich seit der Jahrtausendwende rasch vervielfachte und 2008 bei 6,9 Millionen Euro seinen Höhepunkt hatte. Beide Faktoren, die Grinse-Männer und die astronomisch hohen Preise, verhinderten eine echte Auseinandersetzung mit seinem Werk durch die westliche Kunstkritik.

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Die groß aufgezogene, hervorragend bestückte und gehängte Schau in Paris führt zu einer 180 Grad-Kehrtwendung. Denn die Auswahl ist stupend. Sie ist das „Beste vom Besten“. Dabei beeindrucken Minjuns Gemälde auch durch ihre Megaformate, denen selbst die besten Abbildungen nicht gerecht werden können. Wer die Ausstellung durchwandert, realisiert wie der Maler im politisch-sozial eng gesteckten Umfeld seine Themen entwickelte.

Nicht zuletzt erlauben die Hinweise auf die Leihgeber der Pariser Schau, das Vorgehen der Organisatoren zu durchschauen. Es sind die Stars unter den Sammlern wie der Schweizer Uli Sigg, Hermann Iskandar aus Jakarta, die Athener Familie Capelouzos oder die dänisch-chinesische Faurschou-Stiftung. Auch Pekinger Künstler-Kollegen stellten ihre Gemälde zur Verfügung, die meist zu Auktionsrekordpreisen erstanden wurden. Die Hauskuratorin von Cartier, Grazia Quaroni, musste eng mit Christie’s China-Verantwortlichen Aurélia Chabrillat und mit Spezialisten von Sotheby's zusammenarbeiten, um die Käufer in Hongkong, Singapur, New York, der Schweiz, England oder Frankreich aufzufinden, wie Quaroni erzählt. „Die Mayonnaise ist mir gelungen“, kommentiert sie humorvoll und erleichtert wegen der positiven Reaktionen auf die Schau.

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