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14.07.2011

12:26 Uhr

Zahl um Zahl

Die Tage des Telefonbuchs sind noch lange nicht gezählt

Seit 130 Jahren ist das deutsche Telefonbuch gefragt - denn trotz alle Fortschritts nutzt die absolute Mehrheit immer noch die Druckversion. Auch in Zukunft soll es die erste Adresse bei der Nummernsuche bleiben.

Die Auflage des Telefonbuchs orientiert sich an der Nachfrage. Quelle: picture-alliance

Die Auflage des Telefonbuchs orientiert sich an der Nachfrage.

BonnAuch nach 130 Jahren sind die Tage des Telefonbuchs noch lange nicht gezählt. Knapp 80 Prozent der Deutschen nutzten laut einer aktuellen Studie trotz Internet und CD-ROM weiterhin das gedruckte Telefonbuch, sagte der Sprecher der Deutschen Telekom, Niels Hafenrichter, in Bonn. Auch bleibe die Auflage der Bücher sowie die Zahl der Einträge seit Jahren weitgehend stabil. Trotz einer steigenden Nutzung digitaler Medien plant das Unternehmen keine Einstellung der gedruckten Ausgabe.

Hafenrichter zufolge passt sich das Telefonbuch an die sich wandelnden Anforderungen an. So sei es als iPhone-App innerhalb weniger Monate mehr als eine Million Mal heruntergeladen worden, sagte er. Zudem könnten Privatpersonen seit wenigen Wochen ihre Einträge unkompliziert selbst im Internet bearbeiten. Diese Änderungen würden dann in die gedruckte Ausgabe übernommen.

Nach Angaben der Leiterin des Referats Nachrichtentechnik am Frankfurter Museum für Kommunikation, Lioba Nägele, lässt sich der Wandel des Telefons vom Privileg weniger Menschen zu einem Kommunikationsmittel der Massen gut an der Entwicklung der Telefonbücher ablesen. „1881 war ein Telefonanschluss ein Prestigeobjekt für Adlige und das Großbürgertum“, sagte Nägele. So sei etwa ein Drittel der Teilnehmer Banken gewesen, gefolgt von Adligen und Geschäftsleuten.

Das erste deutsche Telefonbuch

Am 14. Juli 1881 …

… erschien in Berlin das erste Telefonbuch einer deutschen Stadt. Es trug den Namen „Verzeichnis der bei der Fernsprecheinrichtung Betheiligten“.

187 Einträge …

… zählte das erste Telefonbuch. Sie waren nach Namen und nach Nummern sortiert.

Die Telefonnummer 1 …

… war für eine Telefonzelle in der Berliner Börse reserviert. Einträge unter den Buchstaben O, Q, U, X und Y existierten gar nicht.

Im Volksmund …

… wurde das Telefonbuch der Überlieferung nach zunächst als „Buch der 94 Narren“ verspottet, was vermutlich mit der offiziellen Inbetriebnahme des Berliner Netzes am 1. April 1881 zusammenhängt.

94 Anschlüsse …

… waren damals registriert, ein Telefonbuch erschien aber zunächst nicht oder blieb nicht erhalten.

Gedruckt …

… wurde das erste Telefonbuch in einer Auflage von 250 Stück von der Reichsdruckerei.

Zu den Pionieren …

… mit einem eigenen gelisteten Telefonanschluss zählten überwiegend Banken, Industriebetriebe und Handelsfirmen sowie einige Zeitungen. Erst später kamen auch Anschlüsse von Privatpersonen sowie Nummern öffentlicher Telefone hinzu.

50 Pfennige …

… kostete damals ein Gespräch an einem öffentlichen Telefon – mehr als der Stundenlohn eines Arbeiters.

„Privatleute waren in dem ersten Telefonbuch nicht verzeichnet, auch eine Frau sucht man vergebens“, sagte sie. Allerdings habe sich dies schnell geändert. „Die Geschäftsleute haben gemerkt, wie praktisch es ist, von zu Hause aus schnell im Büro anrufen zu können“. Die Zahl der Anschlüsse in Großstädten wie Berlin, Frankfurt und Hamburg sei rasant gewachsen, fast monatlich mussten neue Telefonbücher, damals noch Verzeichnisse genannt, gedruckt oder Ergänzungen herausgegeben werden.

Kommentare (2)

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beach-frank

14.07.2011, 13:29 Uhr

Die Auflagen können ja nicht geringer werden,da die Bücher teilweise einem ohne Aufforderung in den Briefkasten gelegt werden oder in der Bonner Innenstadt aufgedrungen werden.Meine Empfehlung,nicht mehr kostenlos sondern mit einer Gebühr von ca 2-3,--€ ausgeben.Dann würde die Auflage um 50 % bis 60 % geringer und die Umwelt geschützt.Warum beteilige ich mich als Telekomkunde indirekt an den Kosten,wenn ich kein Buch wünsche.Derjenige soll zahlen,der auch ein Buch wünscht.

inselhahn

14.07.2011, 13:38 Uhr

Warum soll derjenige den zahlen, wenn er ein Buch will. Wahrscheinlich lieber irgendwo anrufen und für die Auskunft bezahlen. Geistiger Dünnschiss

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