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09.01.2013

17:48 Uhr

Zehn Jahre DSDS

„… nur für Geld höre ich mir das noch länger an!“

VonChristian Bartels

... urteilte Dieter Bohlen als Juror bei „Deutschland sucht den Superstar“ einst. Das zehnte Jahr der Serie bestätigt ihn: Sender wie RTL pressen alte Formate aus. Neue Erfolgsmodelle zu finden, fällt ihnen schwer.

Plakativ und austauschbar: Dieter Bohlen wirbt für DSDS dpa

Plakativ und austauschbar: Dieter Bohlen wirbt für DSDS

KölnAm vergangenen Samstag ging „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) auf RTL in die zehnte Staffel. Wieder einmal hatte die Show mit 3,21 Millionen die meisten „werberelevanten“, also 14- bis 49-jährigen, Zuschauer des Fernsehabends. Und wieder ist der Vergleichswert auffallend schlecht: Im Vorjahr wollten sich noch fast eine Million Unter-50-Jährige mehr den DSDS-Start ansehen.

Die DSDS-Vergangenheit mag zahlenmäßig beeindrucken. Zur Einstimmung renommierte RTL mit insgesamt 12,18 Millionen verkauftem Tonträgern, 23 Gold- und zehn Platinauszeichnungen, 23 Nr. 1-Chart-Platzierungen und 270.000 Bewerbern. Mit tatsächlichen Superstars kann die Show trotz ihres Titels weniger beeindrucken. Noch immer ist der allererste DSDS-Sieger Alexander Klaws, der inzwischen im Hamburger Musical den „Tarzan“ gibt, der bekannteste. Die übrigen Gewinner gehören eher in die Liga, aus der sich Ex-Promi-Verwertungs-Formate wie „Promi Dinner“ bei Vox oder das RTL-„Dschungelcamp“ bedienen.

Andererseits: Angesichts von bereits zehn bei „Popstars“, der im Jahr 2000 als erste deutsche, damals bei RTL 2 gestartete Castingshow, entstandenen Siegerbands, zwei „Star Search“-Stars von Sat.1, bisher drei „X Factor“-Siegern auf Vox, bislang zwei „Voice of Germany“-Siegern auf Sat.1 sowie natürlich sechs unter der Ägide der DSDS-Gallionsfigur Dieter Bohlen ermittelten RTL-„Supertalenten“ ist die Entwertung des Star-Begriffs kein Wunder. Am Konkurrenzumfeld gemessen, ist eher erstaunlich, wie sehr sich DSDS zum Inbegriff der Castingshow und zum Muster, an dem sich alle Mitbewerber abarbeiten, entwickeln konnte.

Dieser Erfolg hat einen Grund, der sich zugleich zum immer größeren Problem entwickelt: RTL, der ewige Marktführer im deutschen Privatfernsehen, bleibt seinen bewährten Rezepten so treu, dass für wirklich neue Ideen schon seit Jahren nicht mehr der geringste Raum bleibt. Inzwischen ist RTL derart auf alte Muster fixiert, dass es kurz vor Weihnachten gar noch die anno 2000 eingestellte (2008 sogar im ZDF gescheiterte) „Traumhochzeit“ reanimierte .

Die Fakten zu DSDS

Staffel 1

Platz 1: Alexander Klaws Platz 2: Juliette Schoppmann Platz 3: Daniel Küblböck

Juroren: Dieter Bohlen, Shona Fraser, Thomas Bug, Thomas M. Stein

Fernsehzuschauer (Finalshow): 12,8 Millionen

Staffel 2

Platz 1: Elli Erl Platz 2: Denise Tillmanns Platz 3: Philippe Bühler

Juroren: Dieter Bohlen, Shona Fraser, Thomas Bug, Thomas M. Stein

Fernsehzuschauer (Finalshow): 5,33 Millionen

Staffel 3

Platz 1: Tobias Regner Platz 2: Mike Leon Grosch Platz 3: Vanessa Jean Dedmon

Juroren: Dieter Bohlen, Sylvia Kollek, Heinz Henn

Fernsehzuschauer (Finalshow): 7,04 Millionen

Staffel 4

Platz 1: Mark Medlock Platz 2: Martin Stosch Platz 3: Lisa Bund

Juroren: Dieter Bohlen, Anja Lukaseder, Heinz Henn

Fernsehzuschauer (Finalshow): 5,99 Millionen

Staffel 5

Platz 1: Thomas Godoj Platz 2: Fady Maalouf Platz 3: Linda Teodosiu

Juroren: Dieter Bohlen, Anja Lukaseder, Andreas Läsker

Fernsehzuschauer (Finalshow): 5,57 Millionen

Staffel 6

Platz 1: Daniel Schuhmacher Platz 2: Sarah Kreuz Platz 3: Annemarie Eilfeld

Juroren: Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Max von Thun (beide verließen nach Differenzen mit Dieter Bohlen die Sendung bereits nach der ersten Folge und wurden durch Sylvie van der Vaart und Volker Neumüller ersetzt)

Fernsehzuschauer (Finalshow): 6,1 Millionen

Staffel 7

Platz 1: Mehrzad Marashi Platz 2: Menowin Fröhlich Platz 3: Manuel Hoffmann

Juroren: Dieter Bohlen, Sylvie van der Vaart, Volker Neumüller

Fernsehzuschauer (Finalshow): 6,51 Millionen

Staffel 8

Platz 1: Pietro Lombardi Platz 2: Sarah Engels Platz 3: Ardian Bujupi

Juroren: Dieter Bohlen, Fernanda Brandao, Patrick Nuo

Fernsehzuschauer (Finalshow): 6,3 Millionen

Staffel 9

Platz 1: Luca Hänni Platz 2: Daniele Negroni Platz 3: Jesse Ritch

Juroren: Dieter Bohlen, Natalie Horler, Bruce Darnell

Fernsehzuschauer (Finalshow): 4,71 Millionen

Ansonsten sorgt der Kölner Sender derzeit mit der dritten Staffel des 2012 nach neun Jahren Unterbrechung wiederaufgenommenen US-Formats „Der Bachelor“ für Schlagzeilen. Seinem Landwirteveräppelungs-Format „Bauer sucht Frau“ ist er schon in der achten Staffel treu. Wer weiß, vielleicht werden sogar doppelt so viele daraus - wie fast schon bei „Wer wird Millionär?“, das nach ebenfalls britischem Vorbild in der 14. Staffel auf Sendung ist - und auch die Tatsache, dass Moderator Günther Jauch längst zum ARD-Gesicht geworden ist, locker wegsteckte.

Kommentare (7)

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norbert

09.01.2013, 19:22 Uhr

Toter, als tot geht nicht.
Dümmer, als dumm ebenfalls nicht.

Rolf_Nuernberg

09.01.2013, 19:36 Uhr

Das Mediengesetz trifft zu: Die Dummen werden durch den Medienkonsum (insb. Fernsehen) noch dümmer und die klugen Leuter klüger, weil die Dummen eben nur die dummen Medien konsumieren (z.B. RTL) und....

An sich ist die Sendung "Deutschland sucht den Superstar" schon eine Frechheit. Nicht Deutschland sucht den Superstar, sondern der dämliche Sender RTL.

Account gelöscht!

09.01.2013, 20:26 Uhr

Sender wie RTL? Sorry, aber da muss ich schon ein wenig schmunzeln. Ich denke da an das ZDF, dem seit gefühlten 100 Jahren nichts außer Wetten dass mit immer unsäglicheren Moderatoren einfällt und das ich für diesen Millionenschwachsinn auch noch bezahlen muss. Dagegen kommt mir das Programm von RTL und co. geradezu rasant wechselnd vor. Vor allem selbstfinanziert und da ist meine Schmerzgrenze deutlich höher als bei einem durch Quasisteuer finanzierten Dödel-TV mit politischer Beeinflussungsgarantie.

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