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19.01.2012

09:37 Uhr

„Zeit des Zorns“

Don Winslow bringt den coolsten Thriller des Jahres

VonThorsten Giersch

Mit „Tage der Toten“ hat Don Winslow einen der besten Thriller des Jahres 2011 geschrieben. Sein neues Buch, „Zeit des Zorns“, ist nicht so monumental, aber noch cooler und für Hartgesottene der Lesegenuss des Winters.

Der amerikanische Schriftsteller Don Winslow hat sein neues Buch „Zeit des Zorns“ veröffentlicht. dpa/picture alliance

Der amerikanische Schriftsteller Don Winslow hat sein neues Buch „Zeit des Zorns“ veröffentlicht.

DüsseldorfKalifornien. Sonnenstaat der USA. Das Geld liegt hier auf der Straße, aber nur, wenn man sich im Drogengeschäft auskennt. Und sich mit den mexikanischen Dealern arrangiert.

Dies ist die Welt von Don Winslow. Früher Privatdetektiv und Geldschmuggler, kennt sich der Bestsellerautor im Drogenmilieu bestens aus.

Mit „Tage der Toten“ ist Winslow 2010 in den USA und 2011 in Europa ein Geniestreich gelungen. Das neue Werk „Zeit des Zorns“ handelt zwar von demselben Thema, ist aber gänzlich anders.

Zum einen ist „Zeit des Zorns“ nicht ansatzweise so brutal und wirkt auch deshalb nicht ganz so hundertprozentig realistisch wie Winslows Vorgängerbuch. Zudem ist es erheblich kürzer, die Handlung bei weitem nicht so verstrickt, die Personenzahl ungleich kleiner.

Aber dafür ist „Zeit des Zorns“ noch cooler. Die Sprache dieses durchweg spannenden Thrillers passt sich der Coolness der Protagonisten an: Ben, Chon und Ophelia sind ein perfektes Team. Ben, ein genialer Aussteiger mit wenig Lust auf ein normales Leben, und Chon, früherer Navy-Seal, betreiben ein sehr gut laufendes Geschäft mit hochwertigem Marihuana.

Zitate aus „Zeit des Zorns“

Der Navy-Seal

Dann schickten sie Chon nach Afghanistan, wo es Sand gab, aber keine Spur von einem Ozean. Taliban surfen nicht. Chon fand es einfach nur komisch, dass die Navy es sich sechsstellige Beiträge kosten ließ, ihn zum Ackermann auszubilden und anschließend an einen Ort zu verfrachten, wo es kein Wasser gibt.

Dope

Dope ist angeblich schlecht. Aber in einer schlechten Welt ist es gut. Chon spricht von Drogen als einer rationalen Reaktion auf den Wahnsinn.

Mexikaner

Hier wohnen die netten Mexikaner. Die respektvollen, anständigen, hart arbeitenden Mexikaner. Wenn sie nicht gerade ihren Jobs nachgehen.

Waterboarding

Ein Fernsehbericht über die Folter im Irak bringt ihn zum Lachen. Waterboarding wurde in Mexiko schon praktiziert, bevor er überhaupt zu denken anfing. Nur dass kein Wasser sondern Coca-Cola verwendet wurde. Die Kohlensäure verlieh dem Verfahren einen gewissen Pfiff.

Gut und Böse

Meinst du, die haben es verdient? Immer schön einfach Kollektivhaftung. Die Welt ist kein moralischer Supermarkt!  Bitte eine Putzkraft in die Fleisch-Abteilung.

Autos

Nicht mal in Südkalifornien, nicht mal mitten in der Wüste kann man sechs Tote Mexikaner zwischen drei schwelenden Autowracks liegen lassen, ohne damit ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit zu erregen. In Südkalifornien nimmt man Autos sehr ernst. Mexikaner hingegen sterben ständig in der Wüste.

Ophelia, stets lediglich „O“ genannt, ist ein wunderschönes Mädchen voller Stolz und mit wenig Respekt vor der Welt. Sie liebt beide Männer, und beide Männer lieben sie. Und jeder weiß das. Und dennoch funktioniert das Zusammenleben bestens.

Das Leben der Drei ist perfekt in ihrem Millionen-Dollar-Strandhaus, bis sie plötzlich ein Video erhalten. Das mexikanische Baja-Drogenkartell warnt sie, wie man es brutaler kaum könnte: Mit sieben enthaupteten Männern. So ergeht es denen, die sich gegen uns stellen, lautet die Botschaft.

Die mexikanischen Drogenbosse brauchen neue Erlösquellen, weil andere Märkte wie Kokain nicht mehr so lukrativ sind wie bisher. Also blicken sie nun auch auf den Marihuana-Markt in Kalifornien. Und das oberste Segment beherrschen nun mal Ben und Chon.

Die beiden zeigen sich mutig und lassen sich auf keinen Deal ein, bis die Mexikaner Ophelia entführen. Nun beginnt eine mörderische Hetzjagd mit Gewalt, Lügen und Verrat. Ben und Chon geht es nur noch darum,. Ophelia zu befreien, das Geschäft an den Nagel zu hängen und sich aus dem Staub zu machen.

Für Don-Winslow-Verhältnisse überleben am Ende überraschend viele Protagonisten. Dennoch bietet die Geschichte nicht die Überraschungsmomente wie „Tage der Toten“. Ein großartiger Lesespaß ist „Zeit des Zorns“ dennoch.

Bibliografie:

Don Winslow

Zeit des Zorns

Suhrkamp Verlag, Berlin 2011

338 Seiten

Kommentare (1)

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ihmsen

19.01.2012, 10:13 Uhr

Habe das Buch im Urlaub gelesen, fand es zwar kurzweilig, aber durch die Stummelsätze auch sehr schwierig zu lesen.

Die angesprochene Coolness soll durch exzessiven Gebrauch von Vulgärsprache und häufigen Sexszenen unterstrichen werden.

Tage der Toten hat mich begeistert, dieses Buch ließ nur ein schales Gefühl des Bewusstseins der vergebenen Möglichkeiten zurück.

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