Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.01.2012

22:58 Uhr

Zeitgenössische Kunst

Aufsteiger lieben Kunst

VonMatthias Thibaut

Immer mehr Menschen investieren in zeitgenössische Künstler. Malerei, Installation und Videofilme sind globale Handelsware. Doch die Kluft zwischen dem weltweiten Spitzenmarkt und den Regionalmärkten wächst.

„Spot Paintings“ von Damien Hirst dpa

„Spot Paintings“ von Damien Hirst

LondonZeitgenössische Kunst ist gefragt wie nie. Im zurückliegenden Jahrzehnt hat sie die Klassische Moderne zurückgedrängt. Ihr wertmäßiger Marktanteil stieg von 11 auf 28 Prozent. Vor den anstehenden Contemporary-Auktionen in London sind die Erwartungen hoch, die Kataloge dick. „Das Barometer steht positiv. Die Herbstauktionen und die Messe Art Basel Miami Beach waren ein riesiger Erfolg“, so Sotheby’s Auktionsexperte Oliver Barker. Der „Vertrauensindex“ der Auktionsdatenbank Artprice steht auf plus 16 Prozent, und laut dem Londoner Marktanalysten ArtTactic stieg das Vertrauen nach der guten Herbstsaison von 33 auf 51 Punkte.

Aber ist wirklich alles so rosig? Der ArtTactic-Index stand im Juni 31 Punkte höher als jetzt. Nur noch ein Drittel der Befragten rechnet mit steigenden Preisen. Und sieht man an den Megastars wie Gerhard Richter oder Francis Bacon vorbei aufs Mittelfeld, sind die Schätzungen ungefähr da, wo sie 2010 waren. Künstler mit wackligerer Nachfrage werden jetzt durch sichere Werte ersetzt. Die Kluft zwischen den schlagzeilenträchtigen Topstücken und dem Rest wird größer.

Trend: Wenn Design zur Kunst wird

Trend

Wenn Design zur Kunst wird

Kunst und Design nähern sich heute deutlich an. Limitierte Auflagen versprechen Exklusivität. Dabei geht es nicht um Investitionen, sondern um Lebensstil. Wie die Avantgarde die Grenzen der Gattungen sprengt.

Galerien wie Londons „White Cube“ expandieren in den fernen Osten. In Europa haben dagegen seit dem Lehman-Crash viele junge Galerien zugemacht, zuletzt Ben Kaufmann in Berlin. Mega-Händler Larry Gagosian zeigt in seinen elf Galerien von New York bis Hongkong simultan 300 Spot-Paintings von Damien Hirst – Inbegriff einer über Grenzen und Kulturen ausgreifenden globalen Kunst-Handelsware – aber die Berliner Galeristin Giti Nourbakhsch, Stammgast bei Art Basel und Frieze London, schließt ihre Galerie im März. Marschieren der globale Spitzenmarkt und die regionalen Kunstmärkte in entgegengesetzte Richtungen?

Der „Mei Moses World All Art“-Index, der Auktions-Wiederholungsverkäufe als Messlatte nimmt, legte 2011 um 10,2 Prozent zu – während die Aktienmärkte stagnierten. Kunst schaffte in den letzten zehn Jahren ein jährliches Durchschnittswachstum von 7,8 Prozent, der S&P 500 Aktienindex nur 2,7 Prozent. Der Finanzberater Deloitte und ArtTactic sprechen von einer neuen „Kunst-Finanzindustrie“, die sich um die zehn Millionen superreiche „High Net Worth Individuals“ der Welt kümmern will, die ihre „emotionalen Investitionen“ bereits zu 22 Prozent mit Kunst abdecken. Die Hälfte der Kunstberater und Sammler nennt dem Bericht zufolge inzwischen „Investition“ und nicht Sammelfreude als ausschlaggebendes Motiv des Sammelns.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

EndoParasito

01.02.2012, 13:53 Uhr

Das lustige an Ben Kaufmann's Ausstieg aus der Galerieszene ist jedoch, dass er nicht zwangsläufig aus Not schließen musste. Er möchte sich jetzt einer Karriere als Fussballtrainer widmen!

gefundne hier: http://www.berlin-artparasites.com/people/interview-ben-kaufmann-gallery-316/

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×