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09.01.2016

08:00 Uhr

Zeitgenössische Kunst aus China

Die Ordnung der Dinge

VonKonstantin Alexiou

Der Pekinger Song Dong scheut sich nicht, die Kunst als Bewältigungsstrategie zu präsentieren. Sein biografisches Werk handelt vom Tod des Vaters und von individueller Entfaltung im autoritären China. Eine Überblicksausstellung in der Kunsthalle Düsseldorf berührt mit gefühlsbetonter Konzeptkunst.

Song Dong half seiner aus Trauer sammelwütig gewordenen Mutter aus ihrer tiefen Depression und machte Kunst daraus. Foto: Katja Illner Quelle: Kunsthalle Düsseldorf

Betätigt sich als Familientherapeut

Song Dong half seiner aus Trauer sammelwütig gewordenen Mutter aus ihrer tiefen Depression und machte Kunst daraus. Foto: Katja Illner Quelle: Kunsthalle Düsseldorf

DüsseldorfIn der Kunsthalle Düsseldorf herrscht großes Polizeiaufgebot. Versammelte Staatsgewalt. Diese Gesetzeshüter sehen hier alle gleich aus: Sie tragen das Gesicht des chinesischen Konzeptkünstlers Song Dong. Weil er sich einmal im Auto vor einem Polizisten fürchtete, der sich aber als Attrappe herausstellte, schuf Song Dong die Skulpturen und stellte sie an den Eingang der Halle. Als Sinnbild für innere Autonomie taugen die uniformierten Selbstporträts. Ihre Botschaft: Lass dich nicht einschüchtern, folge deinen eigenen Regeln!

Folgen der Tiananmen-Proteste

1966 in Peking geboren studierte Song Dong in den 1980er-Jahren Malerei, gab sie nach der brutalen Zerschlagung der Tiananmen-Proteste im Juni 1989 aber auf. Seitdem beschäftigen ihn Vergänglichkeit und Erinnerung, Leere und Fülle, und er bearbeitet seine Konflikte in einer autoritär geprägten chinesischen Kultur mit Performance, Video und Installation.

Einem größeren Publikum in Europa ist Song Dong in den letzten Jahren begegnet: 2011 nahm er an der Biennale von Venedig teil. Kuratorin Carolyn Christov-Bakargiev holte ihn 2012 auf die Documenta nach Kassel. International gehört er neben Ai Weiwei zu den bekanntesten chinesischen Konzeptkünstlern.

Blick auf die seit 2005 entstehende Installation "Waste Not - wu jin qi yong". Quelle: Song Dong und Tokyo Gallery + BTAP, Foto: Katja Illner

Neuordnung eines Haushalts

Blick auf die seit 2005 entstehende Installation "Waste Not - wu jin qi yong". Quelle: Song Dong und Tokyo Gallery + BTAP, Foto: Katja Illner

Trauerarbeit mit der Mutter

Song Dongs bekanntestes Werk füllt in Düsseldorf den ganzen Hauptraum. „Waste not“, „Verschwendet nicht“, heißt es und besteht aus über 10.000 Gebrauchsgegenständen aus dem Haus seiner Mutter. Aufgewachsen in einer verarmten Familie und in einer Generation, die aus Genügsamkeit nichts wegwerfen und geprägt durch die Kulturrevolution nichts verschwenden wollte, hortete die Mutter jahrzehntelang alles. Nach dem plötzlichen Tod seines Vaters im Jahr 2002 verfiel Song Dongs Mutter in tiefe Depression, in Sprachlosigkeit; sie ertrug die Stille nicht, steigerte sich in ihre Sammelwut.

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