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01.03.2011

18:50 Uhr

Zeitgenössische Kunst

Claude Berris Sammlung wird verkauft

VonOlga Grimm-Weissert

Der Filmproduzent Claude Berri war ein leidenschaftlicher Kunstsammler. Seine Erben wollten wertvolle  Kunst dem französischen Staat überlassen. Doch nun sind Sammlungen in Katar und den USA dabei, mehr zu bieten.

Centre Georges Pompidou: Berris Werke sollten in das Museum der "Beaubourg" kommen. Quelle: dpa/picture alliance

Centre Georges Pompidou: Berris Werke sollten in das Museum der "Beaubourg" kommen.

Paris. Die zwei Söhne und Erben des erfolgreichen Filmregisseurs und Produzenten Claude Berri (1934-2009) annullieren die geplante „Kunstabgabe“ (Dation) von rund zehn abstrakten Gemälden (Robert Ryman, Ad Reinhard, Lucio Fontana) und kleineren Skulpturen von Richard Serra an den französischen Staat. Die Franzosen können dem Staat zur Begleichung der Erbschaftssteuer Kunstwerke  „in natura“ überlassen. Eine Museumskommission und das Finanzministerium akzeptierte das Prinzip der „Kunstabgabe“ für die auf mehr als 30 Mio. Euro geschätzten Werke. Der Experte Marc Blondeau, Kunstberater und Freund des Filmemachers, setzte den Wert der Gemälde fest. Die Werke sollten ins Museum des Centre Pompidou in Paris gehen, das sie ab Juni ausstellen wollte. Wie das Genfer Büro von Marc Blondeau mitteilt, will der Experte derzeit keinen Kommentar abgeben.

Die beiden Söhne von Claude Berri, der 38-jährige Thomas und der 25-jährige Darius Langmann, sind von der „Kunstabgabe“ zurückgetreten, nachdem ihnen der in New York lebende französische Privathändler Philippe Ségalot den Kontakt zu einem Privatkäufer vermittelte. Es soll sich entweder um einen Kunstverantwortlichen im Golfstaat Katar handeln oder um einen Privatsammler aus den USA. Erst 2009 wurde in Katars Hauptstadt Doha das Museum für Moderne und zeitgenössische Kunst „Mathaf“ eröffnet. Es hat den Berri-Erben angeblich um 50 Prozent mehr geboten als der französische Staat.

Erfolg mit Asterix-Filmen

Claude Berris Name als Produzent verbindet sich mit  Filmen wie „Asterix und Obelix“ , „Willkommen bei den Ch'tis“, und den Filmen von Jean-Jacques Annaud, „Der Bär“, „Der Liebhaber“, nach Marguerite Duras. Berri drehte Filme wie „Jean de Florette“ und „Manon von der Quelle“ nach Marcel Pagnol, mit Yves Montand, Emmanuel Béart und Daniel Auteuil, „Germinal“ nach Emile Zola und „Lucie Aubrac“, über das Leben der Widerstandskämpferin.

Claude Berri litt seit dem Tod seines ältesten Sohns Julien im Jahre 2003 an schweren Depressionen. Er lebte in den letzten Jahren mit der Schriftstellerin Nathalie Rheims, Schwester der Fotografin Bettina Rheims und Tochter des verstorbenen Top-Auktionators Maurice Rheims und sammelte seit den 1980er-Jahren leidenschaftlich Kunst. Sein Lieblingsmaler war Robert Ryman, von dem er z.B. das 1978 gemalte „Summit“ bei Christie's in New York ersteigerte, wie er in seiner 2003 veröffentlichten „Autobiographie“ berichtete. Die lyrischsten Passagen der Autobiografie sind den Werken von Ryman gewidmet. Auch zu Ad Reinhardts monochromen, d.h. einfarbigen Gemälden hatte Claude Berri eine intensive Beziehung.

Ein 140 x 140 cm großes schwarzes Quadrat, „Square“, das Berri bei der Witwe des Malers, Rita Reinhardt, für 200.000 Dollar kaufte und das laut Berri 2003 bereits mehr als 1 Mio. Dollar wert war, müsste sich ebenfalls in dem Gemälde-Konvolut befinden. Ebenso wie der einzige quer geschlitzte Lucio Fontana, „La Laguna“ aus der Venezia-Serie, den Berri bei dem Kölner Galeristen Karsten Greve erwarb. Berri und Marc Blondeau waren kurzfristig Partner von Greve, um dem Kölner Kunsthändler die Eröffnung der Pariser Galerie zu ermöglichen. Sie verkauften Greve jedoch rasch ihre Anteile, weil sie ihn zu „geheimnisvoll“ fanden.

In Berris Kern-Sammlung befanden sich auch mehrere Gemälde von Giorgio Morandi, Zeichnungen von Bruce Nauman, Neon-Skulpturen von Dan Flavin, sowie Skulpturen von Richard Serra, Alberto Giacometti und Alexander Calder. Berri sammelte auch systematisch Fotografie von Edward Steichen über Man Ray und Brassai zu Bill Brandt. Im Jahre 2005 trennte er sich von 90 Vintage-Abzügen (das sind zeitnah vom Künstler abgezogene Fotos), die Christie's Paris für 2,9 Mio. Euro versteigern konnte.

Von den jungen zeitgenössischen Künstlern, die er in seinem 2008 im Marais eröffneten „Espace Claude Berri“ ausstellte, kaufte er Installationen von Gilles Barbier an, ebenso von Tatiana Trouvé oder von der Inderin Rina Banerjee. Der Bogen von den monochromen, meditativen  Gemälden zu den zahlreichen bunten Bastelarbeiten der Ankäufe nach 2005 war weit gespannt. Laut Auskunft der Galerie Georges-Philippe und Nathalie Vallois haben Berris Söhne nicht die Absicht, sich von den Arbeiten von Gilles Barbier zu trennen. Thomas und Darius Langmann sind derzeit zu keiner Stellungnahme bereit.

 

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