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22.02.2012

09:00 Uhr

Zeitgenössische Kunst

Die Großen graben den Kleinen das Wasser ab

Die Konkurrenz zu den Auktionsriesen ist härter geworden. Das zeigen Angebot und Ergebnis der Londoner Contemporary-Auktionen bei Phillips und Bonhams. Eine gute Figur haben die Skulpturen gemacht.

Cindy Sherman: #410. (Ausschnitt) Sherman, Phillips de Pury

Cindy Sherman: #410. (Ausschnitt)

London„Kauft heute die Bluechips von Morgen“, tweetete der unermüdliche Simon de Pury, Chef des Auktionshauses Phillips de Pury & Co und brachte die Londoner Auktionswoche mit einem Gesamtergebnis von 9,1 Millionen Pfund schwungvoll zum Abschluss. Davon fielen 5,1 Millionen Pfund auf die superschlanke Abendauktion. Die niedrige Quote unverkaufter Lose – nur 8 Prozent – bezeugt den starken Zustand des Contemporary-Marktes in dieser Woche, mehr aber noch Phillips gute Einschätzung des Marktes: „Wir wissen was der Markt in diesem bescheidenen Preisniveau absorbieren kann“, so  Phillips-Spezialist Michael McGinnis zu dem, wie er meinte, „abgespeckten Verkauf von Klassikern“.

Die sehr schmale Abendauktion – nur 25 Lose kamen zum Aufruf – und erst recht Bonhams noch schlankere Offerte von nur 20 Losen, mit denen die Auktionswoche begann, zeigen aber auch, wie sehr die Auktionsmaschinen der Marktführer Sotheby’s und Christie’s das Geschehen nun beherrschen. Für die „Boutique-Auktionatoren“, wie sie sich nennen, wird das Leben immer schwerer.

In zwei Wochen 444 Millionen Pfund ausgegeben 

Denn die Tagauktionen bei Sotheby’s (15,4 Millionen Pfund Gesamteinnahme) und Christie’s (15,3 Millionen Pfund) schwangen sich zu neuen Höhen auf und vergrößerten, im Vergleich zu den Vorjahren, den Abstand zum Gesamtergebnis von Phillips. Insgesamt wurde in London letzte Woche zeitgenössische Kunst für 172 Millionen Pfund versteigert. Nimmt man noch die Kunst der Moderne-Woche im Gesamtwert von 256 Millionen Pfund hinzu, bei denen die kleinen Häuser Phillips und Bonhams gar nicht mitspielen - wurden insgesamt in zwei Wochen in London 444 Millionen Pfund für Kunst ausgegeben, mehr als je seit dem Vorkrisen-Rekordjahr 2008.

Phillips’ Toplos war Lucio Fontanas eierschalenfarbiges „Concetto spaziale“ mit symmetrisch angeordneten Schlitzen, das mit 1 Million Pfund  gerade die untere Schätzung einspielte. Zu seinen Besonderheiten gehörte, dass es einmal Andy Warhol gehörte. Warhol signalisierte mit dem Erwerb des Bildes, dass Fontana zu seinen Lehrmeistern gehörte. Warhols eigener kleinformatiger „Mao“ ging gegen eine Saalbieterin für 457.250 Pfund ans Telefon (Schätzung 300.000 bis 500.000 Pfund). Rudolf Stingels goldgelbes „Wallpaper Painting“ von 2004 spielte mit 505.250 Pfund die mittlere Schätzung ein.

Cindy Sherman als Clown 

Zu den wenigen Werken, bei denen die Schätzung klar übertroffen wurde, gehörte das für den Katalogumschlag gewählte Cindy Sherman Werk „#410“. Die Künstlerin tritt darauf als Clown nach Art der alten Zirkusplakate auf. 433.250 Pfund wurden bei einer Schätzung von 200.000  bis 300.000 Pfund bezahlt. Die Arbeit gehörte zu einer Gruppe von drei vom Auktionshaus mit Preisgarantie angeworbenen Werken. Ein weiteres war Mark Quinns „The Golden Column“, zwei seiner Kate Moss-Skulpturen in Yoga Position aufeinandergestülpt. Die Skulptur, die 289.250 Pfund erzielte, schaffte aber die Schätzung von 300.000 bis 500.000 Pfund nicht ganz.

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