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26.05.2015

17:45 Uhr

Zeitgenössische Kunst

Entblößte Barbesitzerin kommt zu Ruhm

VonBarbara Kutscher

Nimmermüde Sammler zeitgenössischer Kunst bescheren Phillips sehr ordentliche Einnahmen. Vor allem Bieter aus Asien und Südamerika sind im Einsatz. Erfolg hat das amerikanisch-britische Auktionshaus auch mit unterbewerteten Künstlern.

Ed Ruschas Acrylgemälde "Porch Crop" (2001). Zum ersten Mal spielt der Künstler mit der Überlagerung von Wort- und Bildbedeutung. Das Werk wurde taxgerecht für 2,16 Millionen Dollar versteigert. Quelle: Phillips

Wort und Bild in eins

Ed Ruschas Acrylgemälde "Porch Crop" (2001). Zum ersten Mal spielt der Künstler mit der Überlagerung von Wort- und Bildbedeutung. Das Werk wurde taxgerecht für 2,16 Millionen Dollar versteigert. Quelle: Phillips

New YorkDie Woche der New Yorker Auktionen für zeitgenössische Kunst, die allein bei Christie’s und Sotheby’s an zwei Abenden über eine Milliarde Dollar umsetzte, rundete Phillips am 14. Mai 2015 mit gutem Erfolg ab. Mit etwa 400 Anwesenden war der Saal voll besetzt. Trotz befürchteter Auktionsmüdigkeit war Edward Dolman, Chairman und CEO, mit dem Ergebnis „extrem zufrieden. Es war eines der besten für uns in New York.” Die eingenommenen 97 Millionen Dollar inkl. Aufgeld lagen knapp unter den Erwartungen. Vor allem asiatische und südamerikanische Bieter waren im Einsatz.

Den Höhepunkt des Abends bestritt Francis Bacons Bild „Seated Woman“ (1961), das mit finanzieller Hilfe einer dritten Partei zugeschlagen werden konnte. Das Bild war zuletzt im Jahr 2007 für 13,7 Millionen Euro (umgerechnet 20,14 Millionen Dollar) in Paris in eine europäische Sammlung gewechselt. Nun kaufte es ihr ein Telefonbieter zu immerhin 28,2 Millonen Dollar ab. Bacon hielt in der verbrezelten Nackten Muriel Belcher fest, die flamboyante Besitzerin der privaten Londoner Künstler-Bar Colony Room.

Sammlung eines texanischen Finanziers

Im Frühjahr war es Phillips unter dem neuen CEO Dolman zum ersten Mal gelungen, mit finanzieller Unterstützung Dritter, eine ganze Sammlung zeitgenössischer Kunst im Gesamtwert von etwa 35 Millionen Dollar anzukaufen. In mehreren Auktionen in London und New York sollen die über 100 Gemälde, Skulpturen und Fotos versteigert werden. Verkäufer sind der prominente texanische Finanzier Laurence Lebowitz und seine Frau Naomi Aberly aus Dallas. Die Sammlung war in ihrer spektakulären, vom Architekten Philip Johnson 1964 für den Baulöwen Henry C. Beck gebauten Villa ausgestellt gewesen.

Am Abend des 14. Mai kamen die ersten 17 Lose zum Aufruf und wurden gut zu insgesamt 20,4 Millionen Dollar weitergeben. Spitzenreiter war Brice Mardens von asiatischer Kalligraphie angeregtes Gemälde „Elements (Hydra)“ (1999-2000/2001). Die farbigen Wirbel auf grau-grünem Grund wurden zu 9,2 Millionen Dollar brutto an einen Herrn im Saal vergeben. Der Schätzpreis lag bei 8 bis 10 Millionen Dollar.

Skulptur aus 22 Fäden

Allein vier Gemälde von Ed Ruscha wurden angeboten. „Porch Crop“ (2001) erzielte erwartungsgemäß bei 2,2 Millionen Dollar den höchsten Preis (Taxe: (1,8 bis 2,5 Millionen Dollar). Fred Sandbacks minimalistische Skulpturen aus bunten Acrylfäden kommen nur selten auf den Markt. Das wichtige, aus 22 Fäden bestehende Werk „Broadway Boogie Woogie“ (1991/2006) war der New Yorker Kunstberaterin Amy Cappellazzo 545.000 Dollar und einen neuen Rekord wert. Aus einer anderen Sammlung wurde einer der umworbensten und frischesten Beiträge des Abends eingeliefert: das riesige blaue fotorealistische Bergmassiv „Hedge“ (2011) des 66-jährigen Mark Tansey. Ein amerikanischer Händler schnappte es für 5,6 Millionen Dollar weg (Taxe: 3,5 bis 4,5 Millionen Dollar).

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