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26.12.2015

10:20 Uhr

Zeitgenössische Kunst

Frage nach den letzten Dingen

VonRegine Müller

Die große Düsseldorfer Ausstellung „The Problem of God“ sucht nach christlichen Motiven in der Kunst der Gegenwart. Gott ist aus der Kunst nie verschwunden, macht die Schau glauben. Doch mit ihrem Hang zum Enzyklopädischen verzettelt sie sich.

Der Eingang zur Ausstellung "The Problem of God": Kris Martins "Glocke" schwingt ohne Klöppel. Quelle: Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen K21, Düsseldorf, Foto: Achim Kukulies

Stündlich ein Luftzug

Der Eingang zur Ausstellung "The Problem of God": Kris Martins "Glocke" schwingt ohne Klöppel. Quelle: Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen K21, Düsseldorf, Foto: Achim Kukulies

DüsseldorfAm Eingang des Düsseldorfer Ständehauses geht es abwärts: Wer das Haus nicht kennt, könnte meinen, dass die steile Treppe hinunter in eine Krypta führt. Zumal eine riesige Bronze-Glocke zur Begrüßung in drohender Schwere über der Treppe hängt. Doch diese Glocke ist ihrer Funktion beraubt, sie ruft nicht zum Gebet, wenn sie sich einmal pro Stunde in Bewegung setzt. Denn der belgische Künstler Kris Martin hat ihr den Klöppel verweigert. Die Glocke bleibt stumm, nur ein spürbarer Luftzug entsteht, wenn Martins Objekt „For Whom“ lautlos schwingt.

Martins Glocke bildet den beziehungsreichen Einstieg der Ausstellung „The Problem of God“ in der Düsseldorfer Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen (K21). In dem weitläufigen Parcours gehen auf insgesamt 2000 qm und drei Etagen gut 120 Exponate der Frage nach, wie in der aktuellen Kunst religiöse Traditionen und die christliche Ikonografie reflektiert und verarbeitet werden.

Verzicht auf Festlegung

Gezeigt wird nicht christliche Kunst für den sakralen Bedarf, sondern zeitgenössische Werke hoch gehandelter Künstler, die mehr oder weniger offensichtlich um christliche Motive kreisen. Ob es sich dabei lediglich um ein Nachhallen der im kollektiven Bildgedächtnis gespeicherten Motive handelt, um ihr bloßes Zitieren in der Dynamik eines kurzlebigen Trends oder ob es tatsächlich eine Wiederkehr des Religiösen (auch) in der Kunst gibt, lässt die Düsseldorfer Schau bewusst offen.

Flut an Bildern

Das ambivalente, nach allen Seiten hin offene Fazit der groß angelegten Ausstellung ist schon ihrem Titel eingeschrieben: „The Problem of God“ lässt sich lesen als das Problem der Menschen – und der Kunst – mit Gott, oder aber als das Problem Gottes mit den Menschen. Übernommen haben die Macher den raunenden Titel von einer Arbeit des tschechischen Künstlers Pavel Büchler: „The Problem of God“ zeigt in einer Vitrine ein aufgeschlagenes Buch, das der Künstler vor Jahren gefunden haben will. Zwischen den Seiten ist eine Lupe eingeklemmt, die ein einzelnes Wort widerspiegelt: „invisible“ – unsichtbar ist dort spiegelverkehrt zu lesen.

Dieser vermeintlichen Antwort auf die Frage nach dem Gottesproblem, nämlich der Feststellung, dass das Göttliche unsichtbar bleibt, widerspricht die Schau allerdings vehement mit einer Flut an Bildern, Glasarbeiten, Skulpturen, Fotos, Installationen und Videos, die meist sehr ernsthaft und nur selten ironisch dem Göttlichen auf der Spur sind.

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