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13.05.2011

10:21 Uhr

Zeitgenössische Kunst

"Gefragt ist Wiedererkennungswert"

VonBarbara Kutscher

Reichlich Geld fließt in zeitgenössische Kunst bei den Auktionen von Sotheby's und Christie's. Klarer Wochensieger ist Christie's mit 302 Millionen Dollar Umsatz vor Sotheby's mit 128 Millionen.

Urs Fischers Skluptur "Untitled (Lamp/Bear)" am Rockefeller Center. Quelle: Urs Fischer

Urs Fischers Skluptur "Untitled (Lamp/Bear)" am Rockefeller Center.

New YorkAndy Warhol ist Trumpf. Allein die Abendauktionen von Sotheby's, Christie's und Phillips de Pury warteten mit 14 Werken des wichtigsten Pop-Künstlers im Wert von insgesamt 148,7 Millionen Dollar auf. "Warhol spricht alle Sprachen", erklärt Brett Gorvy, Christie's Chef der Zeitgenossenabteilung. Sicher, die Nachfrage ist global. Aber am Warhol-Absatz dieser Woche lassen sich die Launen des Marktes wie im Brennglas ablesen.

Im Parkett bei Sotheby's saß am 10. Mai Peter Brant im Publikum. Brant ist Großsammler, ein altgedienter Warhol-Kenner. Er war bis September noch zweitgrößter Hersteller von Zeitungspapier in Nordamerika, doch seine bankrotte Firma White Birch Paper Co. wurde von Black Diamond Capital Management ersteigert. Jetzt wollte Brant Kunst versteigern lassen.

Sotheby's stellte ihm für Warhols "Sixteen Jackies" 20 bis 30 Millionen Dollar in Aussicht. Doch nur zwei Bieter interessierten sich für die verschiedenen Gesichter von Jacqueline Kennedy rund um den Präsidentenmord. Mehr als flaue 20,2 Millionen Dollar waren nicht drin.

Ganz anders dagegen der dramatische Bieterkampf um Christie's Toplos, Warhols erstes Selbstporträt aus den Jahren 1963/64. Die Kombination aus vier Posen in Trench und Sonnenbrille kletterte auf erstaunlich hohe 38,4 Millionen Dollar. Das coole Bild hatte sich seit 1964 im Besitz der wichtigen Detroiter Sammlerin Florence Barron befunden. Über lange 16 Minuten lieferten sich zwei Milliardäre am Telefon ein Katz-und-Maus-Spiel um das bekannte Bild, verhandelten zwischendurch die Bietschritte bis hinunter auf quälend langsame 100.000 Dollar - alles pures Theater. Den Zuschlag erhielt ein europäischer Sammler, sein Gegner ließ sich vom französischen Privathändler Philippe Ségalot am Handy vertreten.

Für das mit vielen Vorschusslorbeeren an den Start gegangene späte Selbstporträt mit gesträubtem Haar in Rot (1986) zahlte der Händler Jose Mugrabi, weltweit größter Warhol-Sammler, dagegen nur 27,5 Millionen Dollar. Die Schätzung hatte auf 40 Millionen gezielt. Bei Christie's summierten sich die acht Warhol-Lose dennoch auf fast 91 Millionen Dollar.

Sotheby's setzte sechs von sieben angebotenen Warhols zu fast 36 Millionen Dollar ab. Überraschend sprang sein grellroter "Shadow" aus der Serie von 1978 nach dem Ausruf bei 500.000 Dollar direkt auf zwei Millionen und wurde erst bei 4,8 Millionen Dollar zugewiesen. "Warhols Spätwerk war bislang unterbewertet und sieht nun starke Nachfrage", sagt Spezialist Anthony Grant. Er hatte die Taxe mit nur 900.000 Dollar bewusst attraktiv angesetzt.

Insgesamt kletterten vier Bilder bei Christie's über die 20-Millionen-Dollar-Marke, darunter auch Mark Rothkos bislang unbekannte späte Farbkomposition "#17" in munterem Rot und Pink auf gelbem Grund. Sie war seit 1961 in einer amerikanischen Sammlung verschwunden und trat nun mit einer bewusst niedrig gehaltenen Taxe (18 bis 22 Millionen Dollar) an. Vier Teilnehmer, darunter die Händler David Nahmad und Christoph van de Weghe, bewarben sich um das Bild. Beide wurden schließlich von einem Vertreter der Züricher Daros Collection bei 33,7 Millionen Dollar abgehängt.

Der 38-jährige Schweizer Urs Fischer überrascht bei Christie's mit einem neuen Rekordpreis. Seine so monumentale wie kitschige Skulptur "Untitled (Lamp/Bear" war einem Bieter erstaunlich hohe 6,8 Millionen Dollar wert. Der Riesenteddy mit Schreibtischlampe war publikumswirksam am Rockefeller Center positioniert worden. Hausse-Lieblinge kehren langsam wieder zurück in die Auktionssäle.

Francis Bacons "Three Studies for Self-Portrait" (1974) hatte bei Christie's eine unveröffentlichte Taxe von über 20 Millionen Dollar. Ihr Zuschlag: 25,3 Millionen Dollar. Bacons frühes Großformat "Crouching Nude on Rail" (1952) erzielte dagegen nur 9,6 Millionen Dollar. Unterbieter war Giancarlo Giammetti, Freund und ehemaliger Geschäftspartner des Modedesigners Valentino.

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