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10.07.2012

08:15 Uhr

Zeitgenössische Kunst

"Ich erzähle keine Geschichten"

VonSusanne Schreiber

Christoph Bucher ist ein Pendler zwischen Minimal Art und konstruktiver Kunst. Im Xantener DreiGiebelHaus lenkt er den Blick auf die Feinheit der Malerei. Betrachter müssen genau hinschauen. Der Schweizer Künstler ist ein Meister der Augentäuschung.

Christoph Bucher: "Ohne Titel", 2012 (Ausschnitt) Christoph Bucher

Christoph Bucher: "Ohne Titel", 2012 (Ausschnitt)

XantenDie Documenta 13 von Carolyn Christov-Bakargiev  hat es so schön klar gemacht: die Kunst ist vielstimmiger als der Kunstmarkt. Letzterer bildet nur ein kleines Tortenstück einiger hundert Künstlerinnen und Künstler ab, die aktuell im Fokus professioneller „Vermarkter“ stehen. Spannende Kunst  gibt es indes auch außerhalb von Auktionshäusern und Galerien zu entdecken. Wo? In Kunstvereinen und in Off-Spaces kann der Kunstfreund, der seinem eigenen Urteil mehr traut als dem Branchengossip, wahre Entdeckungen machen. Zum Beispiel in der städtischen Galerie im DreiGiebelHaus im Zentrum von Xanten, gleich neben dem Dom.

Die kleine Stadt am Niederrhein zeigt Christoph Bucher, einen Künstler, der auf die derzeit gängige Kraftmeierei in der Malerei verzichtet. Mit nur einer Farbe, meist schwarz, jüngst auch weiß, gelingen ihm Bilder, die es in sich haben, die sich entfalten, je länger der Betrachter hinschaut. Bucher malt auf Holz. So wie einst die Alten Meister ihre Tafelbilder - doch kühl, modern und rational.

Der Schweizer, der seit seiner Zeit an der Kunstakademie in Düsseldorf lebt und arbeitet, verzichtet auf weitschweifende  Motivsuche:  „Ich erzähle keine Geschichten. Ich male, was da ist. In meinem Atelier liegen haufenweise unfertige und unbemalte Bildkörper rum, die mir als Gegenstand meiner Kunst dienen.“ Diese klein- und mittelformatigen Bildkörper schneidet der Künstler aus Holz selbst zu. So bildet sich viel Abfall, aber auch ein ganzer Motivkreis.

Gelungene Augentäuschung

In Xanten stößt der Besucher also auf gemalte Bildrückseiten, auf gemalte Rahmen um eine ausgesparte Mitte. Bildträger und Rahmen scheinen sich durch Licht- und Schattengebung  plastisch vom Holz abzuheben. Doch bei dem Meisterschüler von Alfonso Hüppi spielt sich alles in der Fläche ab. Bucher kommt es auf die Feinheiten der Malerei an. In das wie im Barock in Trompe l’oeil-Technik gemalte vermeintlich leere Bild projiziert der Betrachter, je nach Temperament, das was ihm durch den Kopf geht  oder meditiert den Minimalismus.

Illusion und Projektion sind die beiden Impulse, die den Betrachter unweigerlich vor den Bildern des Malers Christoph Bucher festhalten. Die 30, durchweg unbetitelten „Bilder“ in Xanten stammen alle aus dem Jahr 2012. Ihre Komposition wird immer komplizierter: Auf einen eindeutig erkennbaren Bildkörper folgen angeschnittene, geschichtete, auf diese labyrinthartig gestaffelte.

Bucher malt seine „Bilder“ – Titel und Motiv der Xantener Ausstellung - nicht etwa mit Öl- oder Acrylfarbe auf Sperrholztafeln, sondern mit stark verdünnter  Wasserfarbe. Nur durch den Auftrag in vielen Schichten kann die Aquarellfarbe da decken. Die Aquarellmalerei  ist eine heute nur selten gepflegte Technik, die übrigens keinerlei Korrekturen erlaubt.

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