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21.10.2012

19:50 Uhr

Zeitgenössische Kunst

Maßhaltende Bieter bewilligen ausgewählte Rekorde

Ein neuer Rekord für Gerhard Richter und für Martin Kippenberger sowie gute Umsätze ohne Exzesse, das beschreibt die Auktionen zeitgenössischer Kunst in London während der Frieze-Woche.

Gerhard Richters „Abstraktes Bild“ erzielte einen Pries von 23,4 Millionen Pfund. Reuters

Gerhard Richters „Abstraktes Bild“ erzielte einen Pries von 23,4 Millionen Pfund.

LondonNatürlich war der Gerhard Richter von Rockstar Eric Clapton der Hauptgesprächsstoff der Londoner Auktionen. „Ein sagenhafter Preis. Jetzt wäre es schön, eine solche große Abstraktion zu haben“, schwärmte der Paul Schönewald, langgedienter Akteur auf dem Richter Markt, an seinem Stand auf der Frieze Masters über den guten Griff des Rockers. Was war geschehen? Ein vermutlich russischer Supersammler, telefonisch bietend, wollte bei Sotheby’s unbedingt die Abstraktion haben und war bereit, zu zahlen, was es kostete. In Bietschritten von einer halben Million Pfund hängte er seinen vermutlich amerikanischen Telefongegner ab. Ergebnis: 23,4 Millionen Pfund, höchster Preis eines lebenden Künstlers. Aber war das vernünftig oder rational? Und was bedeutet es für den Richter–Markt?

Am Abend zuvor bei Christie’s hätte man nie geahnt, dass Richters Spitzenpreis am nächsten Tag um ein Drittel steigen würde. Hier ging es bei den Richters ganz normal zu. „5 Türen II“ von 1967 war das Spitzenangebot. Die Parallelversion, auf der sich die lebensgroß gemalten Türen langsam öffnen und einen zeitliche Folge bilden, ist interessanter, aber im Museum Ludwig und unverkäuflich. Die Schätzung von 1,5 bis 2 Millionen für diese frühe Version des Richterschen Realismus schien angemessen, auch wenn der Zustand der fünf doublierten Tafeln nicht optimal ist. Mit 2,2 Millionen Pfund blieb der Preis in Reichweite der Schätzung.

Teuer wurde in Christies Abendauktion noch eine 62 x 62 cm große Abstraktion mit 937.250 Pfund, aber das größere Rakelbild „U.L.“, genau in den Primärfarben, die Claptons Rekordbild so attraktiv machten, brachte nur 612.450 Pfund – bei einer Taxe bis 900.000 Pfund. In der Tagauktion sorgte eine der „Miniaturen“ von 1996 für Überraschung – ein 8 x 8 cm großes Quadrat, das Richter durch Zerschneiden einer Abstraktion von 1992 in 64 einzeln verkaufte Quadrate schuf. Der Preis verdoppelte mit 55.250 Pfund die Schätzung. Ein Blick auf den Taschenrechner zeigt, dass der Quadratzentimeter bei diesem kleinen Bildchen mit 863,28 Pfund bald doppelt so viel kostete wie bei dem 225 x 200 cm großen Clapton-Bild, bei dem der Quadratzentimeter für 437,80 Pfund zu haben war.

„Wegen der hohen Preise kommen nun sehr viele Richter in die Auktionen. Aber es kommt sehr drauf an, was angeboten wird. Wir werden in New York sehen, was der Markt aufnehmen kann“, wägte Auktionator Francis Outred nach der Christie’s Auktion den Markt ab. Vier bedeutendere Werke kommen dort Anfang November auf den Block. Sotheby’s Richter-Expertin Cheyenne Westphal dagegen scheint keine Angst vor einer Überflutung des Marktes zu haben. „Die Nachfrage nach Richter ist ungeheuer stark“, konstatierte sie und sieht keine Probleme.

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