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11.11.2011

17:09 Uhr

Zeitgenössische Kunst

Reihenweise Rekorde bei Sotheby's

VonBarbara Kutscher

Nie waren sie begehrter: Die abstrakten Bilder von Gerhard Richter und Clyfford Still. Die Auktionen von Phillips, Christe's und Sotheby's zeigen nachdrücklich was gefragt ist: höchste Qualität und prominente Proveninez.

Bieter bei Christie's: Die mäßig angesetzten Taxen animierten zu Verteilungskämpfen um die frühen Arbeiten heutiger Stars.

Bieter bei Christie's: Die mäßig angesetzten Taxen animierten zu Verteilungskämpfen um die frühen Arbeiten heutiger Stars.

New YorkDass Sammler, wenn es um die Wirtschaft nicht so rosig bestellt ist, Geld gerne in die Blue Chips der Kunst anlegen, ist fast schon eine Binsenweisheit. Die Zeitgenossenauktionen dieser Woche in New York bewiesen es wieder: Schlüsselwerke der Pop Art und des Abstrakten Expressionismus sind sichere Verkaufsschlager. Aber um sie anbieten zu können, mussten die drei Versteigerer wieder in die Garantiekiste greifen. Phillips garantierte 18 von 44 Losen, Sotheby’s Katalog markiert zehn Lose als von Außenstehenden garantiert (2010: nur drei), bei Christie’s waren es schon 15 Werke, acht mehr als im letzten Jahr. Christie’s setzte bei einigen Losen auch eigenes Geld ein.

Der Akquise-Coup der Woche war Sotheby’s gelungen. Das Haus konnte gegen eine Garantiesumme von 25 Millionen Dollar vier Bilder von Clyfford Still (1904-1980) versteigern, die von der Stadt Denver zum Unterhalt des neuen Clyfford-Still-Museums verkauft wurden. Der abgehängte Konkurrent Christie’s erwies sich als schlechter Verlierer. Wie die „Denver Post“ ausplauderte, schaltete Christie’s vergeblich Anwälte und Lobbyisten ein, um den Vertrag anzufechten. Bilder des wegweisenden Abstrakten, der allein mit Farbe und Textur fasziniert, kommen äußerst selten auf den Markt. Der Eigenbrötler verweigerte sich dem Ausstellungs- und Galeriebetrieb.

Am 9. November brachen Stills riesige, visuell aggressive Gemälde mit der typischen krustigen Oberfläche in Sotheby’s Abendauktion alle Rekorde. Für „1949-A-No.1“ in Dunkelrot und Schwarz mit weißen Akzenten wurden 25 bis 35 Millionen Dollar erwartet. Aber drei Telefonbieter und Privathändler Chris Eykyn stritten sich ausgiebig bis zum Zuschlag bei 61,7 Millionen Dollar. Der siegreiche Telefonkunde bewarb sich noch um zwei weitere Werke, ergatterte aber nur „PH 1033“ aus dem Jahr 1976 mit rotflammigen, lodernden Formen zu 19,7 Millionen Dollar. Sotheby’s hämmerte verblüffend hohe 114 Millionen Dollar für die Gruppe ein. Sie trugen beträchtlich zu den Abendeinnahmen von 315,8 Millionen Dollar bei, dem besten Ergebnis seit Mai 2008.

Außer den Stills konnte Sotheby’s acht ungegenständliche Bilder von Gerhard Richter aufbieten. Sie stammen aus einer großen anonymen Sammlung. Bis etwa 2008 wurden Richters Farbspielereien vom Markt vernachlässigt. Aber zahlreiche neu einsteigende Sammler, auch solche aus dem muslimischen Kulturkreis, bevorzugen offenbar Richters dekorative Abstraktionen der 1990er-Jahre. Über 25 lange Minuten hinweg wurden Richters Abstraktionen in alle Himmelrichtungen verteilt.

Eine über drei Meter lange Farborgie in Violett- und Rottönen „Abstraktes Bild 849-3“ setzte bei überraschend starken 20,8 Millionen Dollar den neuen Richter-Rekord.

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