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11.09.2014

21:16 Uhr

Zeitgenössische Kunst

"Schule des Sehens"

VonLucas Elmenhorst

Wo bleibt die revolutionäre Kraft der Kunst? Diese Frage stellt sich nach Besichtigung der Ausstellung „Revolution“ auf Schloss Roskow. Veranstalter ist die vor 20 Jahren begründete Privatinitiative „Rohkunstbau“.

Schloss Roskow ist mit seinem morbiden Charme einen Wochenendausflug wert. Foto: Jan Brockhaus

Schloss Roskow ist mit seinem morbiden Charme einen Wochenendausflug wert. Foto: Jan Brockhaus

Schloss RoskowAngehende Mediziner haben als Autodidakten in Sachen Kunst Anfang der 1990er-Jahre in Berlin und Brandenburg gleich zwei wichtige Kunstprojekte initiiert: Klaus Biesenbach die KW Kunst-Werke Berlin in der Berliner Auguststraße und Arvid Boellert die Sommerausstellungen "Rohkunstbau". Während Biesenbach sich danach allein auf die Kunst konzentrierte und heute Kurator am New Yorker MoMA ist, führt Boellert nach wie vor ein Doppelleben als Augenarzt in Berlin-Stahnsdorf und als ehrenamtlicher Leiter des Rohkunstbaus.

Die Idee zu dieser ungewöhnlichen Wanderausstellung, einer „Schule des Sehens“, wie Boellert einmal seine Passion für die Kunst charakterisierte, hatte er als Medizinstudent; den eigenwilligen Namen gab 1994 der erste Ausstellungsort: eine Betonhalle, die 1989 für die Arbeiterfestspiele der DDR errichtet worden war und als Folge der Wende im Rohbau verblieb. Die Ausstellung zog ab 1999 nacheinander in verschiedene Brandenburgische Schlösser, die für eine temporäre Nutzung zur Verfügung standen. Vom Wasserschloss Groß Leuthen, ging die Reise über Schloss Sacrow und Schloss Marquardt nun vorerst nach Roskow.

Blick in die Ausstellung mit den Gemälden "In der Nacht", 2013, und "State of Flux", 2013,  von Ruprecht von Kaufmann. © R. v. Kaufmann, Foto: Jan Brockhaus

Blick in die Ausstellung mit den Gemälden "In der Nacht", 2013, und "State of Flux", 2013, von Ruprecht von Kaufmann. © R. v. Kaufmann, Foto: Jan Brockhaus

Überladenes Thema

Lohnend sind die Sommerausflüge zu diesen Interimrefugien mit meist morbidem Charme schon deshalb, weil die Orte zu einer künstlerischen Spurensuche anregen. Charakteristisch für die Ausstellungen ist häufig eine ungewöhnliche Kombination aus rund einem Dutzend eingeladener internationaler Künstlerinnen und Künstler. Dabei präsentierten wenig bekannte Künstler ihre Werke gleichberechtigt neben Größen des internationalen Kunstbetriebs wie bislang etwa Norbert Bisky, Louise Bourgeois, Thomas Demand, Shilpa Gupta, Mona Hatoum oder Katharina Sieverding.

Die Ausstellungen lebten von diesen Spannungen. 20 Jahre danach ist diese ursprüngliche Kraft nur noch zu erahnen. Das mag auch an dem Thema „Revolution“ liegen, das unnötig überladen daherkommt. Kurator Mark Gisbourne, der zum zehnten Mal Rohkunstbau künstlerisch betreut, will es als Fortsetzung eines vierjährigen Zyklus im Kontext von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ verstehen. Es geht um nicht weniger als Wagner, Schopenhauer, Nietzsche und ewige Wiederkehr. Die ersten beiden Ausstellungen des Zyklus befassten sich mit „Macht“ (2011) und „Moral“ (2013).

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