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06.10.2017

13:45 Uhr

Zeitgenössische Kunst

Solide Preise für die Altstars

VonSusanne Schreiber

In London wird gerade viel zeitgenössische Kunst versteigert. Sotheby’s macht den Auftakt. Hier liegen Altstars mit einstelligen Millionenpreisen ganz vorn. Einen dramatischen Einbruch verzeichnen die Italiener.

Susanne Schreiber

DüsseldorfDie VIP-Tage der beiden Frieze-Messen sind vorüber. Im Anschluss können sich betuchte Sammler bei Sotheby’s, Christie’s und Phillips das Beste aus dem Versteigerungsreigen zeitgenössischer Kunst herauspicken. Den Anfang machte gestern Abend Sotheby’s. Nicht nur numerisch auch qualitativ hinkt die Sotheby’s Offerte mit 43 angebotenen Kunstwerken hinter der von Christie’s her. Die britischen Rivalen versteigern am heutigen Freitagabend 64 Arbeiten mit höheren Taxen. Christie’s musste auch mehr und besseres Material zusammentragen, hatte man doch die Londoner Sommerauktion gekippt. 172,4 Millionen Pfund ist der obere Schätzwert der Christie’s-Auktion.

Sotheby’s Gesamtumsatz für 38 verkaufte Werke liegt bei 50,3 Millionen Dollar. Die obere Gesamttaxe hatte hier sehr viel höher, bei 92 Millionen Pfund gelegen. Vier Werke wurden vor der Auktion zurückgezogen. Die Pressemitteilung verkündet gleichwohl „den höchsten Umsatz für eine Abendauktion zeitgenössischer Kunst im Oktober“. Die zeitliche Einschränkung ist wichtig, denn absolut gesehen ist es „nur“ eine den Einlieferungen entsprechende, solide Auktion gewesen, die aber oftmals nur ein einziges Gebot sah. Sie musste ohne alles überstrahlende Meisterwerke auskommen. Man denke nur an Sotheby’s New Yorker Rekordpreis für einen Scull von Jean-Michel Basquiat im Mai d. J. von über 110 Millionen Dollar (alle Preise mit Aufgeld).

Das 15-teilige Landschaftsbild des Grand Canyon übernahm ein Privatsammler bei 6 Millionen Pfund. Sotheby's London

David Hockney

Das 15-teilige Landschaftsbild des Grand Canyon übernahm ein Privatsammler bei 6 Millionen Pfund.

Auch wenn der „Remote Commander“ von Basquiat in London nur 3 Millionen Pfund eingespielt hat, und „Bronze“ unverkauft blieb, einige andere Zuschläge können sich sehen lassen. Das höchstbezahlte Los des Abends war das marktfrische, unbetitelte Großformat von Cy Twombly aus Rom von 1962. Nach einigem Zögern im Saal übernahm ein Händlerduo das Werk zum Bruttopreis von 6,4 Millionen Pfund. Die optimistische obere Schätzung hatte bei 7,5 Millionen Pfund gelegen. Über die Taxe ließ sich indes David Hockneys 15-teiliges Landschaftsbild des Grand Canyon heben. Ein Privatsammler übernahm es bei 6 Millionen Pfund. Hier sieht man, welchen Schub große Museumsausstellungen einzelnen Künstlern geben können. Hockney wurde kürzlich von der Tate Britain geehrt und avancierte zum Lieblingsmaler des Publikums. Philip Gustons Gemälde „Odessa“ von 1977 fand für 3,8 Millionen Pfund einen Käufer.

Die Tendenz zu Bewährtem und Etabliertem, die die Handelsblatt-Korrespondentin Stephanie Dieckvoss bereits auf den beiden Frieze-Messen (Handelsblatt vom heutigen 6. Oktober 2017 und online) beobachtet hat, setzt sich in Sotheby’s Abendauktion fort.

Die frühe, farbglühende Mischtechnik konnte ihre Taxe verdreifachen und kam auf 236.750 Pfund. Sotheby's; VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Joseph Beuys: Die Intelligenz des Wasservogels

Die frühe, farbglühende Mischtechnik konnte ihre Taxe verdreifachen und kam auf 236.750 Pfund.

Joseph Beuys frühe, farbglühende Mischtechnik „Die Intelligenz des Wasservogel“ konnte ihre Taxe verdreifachen und kam auf 236.750 Pfund. Ein kühles „Homage tot he Square“ von Josef Albers fuhr mit 2,3 Millionen Pfund einen Auktionsrekord ein. Bei Gerhard Richter hingegen scheint die Abkühlung weiter zu bestehen. Ein 70 x 70 cm großes rasterartiges Stadtbild von 1969 fand für vernünftige 2,5 Millionen Pfund einen neuen Besitzer.

Dem Evening Sale vorgeschaltet war der Italian Sale. Zuschläge nicht über 2,2 Millionen Pfund (für eine Stickerei von Alighiero Boetti) und ein Drittel Rückgänge lehrten Sotheby’s Mitarbeiter das Fürchten, die Stimmung sank, die Nervosität stieg. Unübersehbar ist die Übersättigung in diesem Marktsegment; und dass vielfach zu hohe Preiserwartungen das Geschäft ruinieren. Die Stars der 1960er- bis 1980er-Jahre hatten bis 2014 Höhenflüge zu verzeichnen. Da konnte ein „Achrome“ von Piero Manzoni mit 12,6 Millionen Pfund einen Rekordpreis einspielen (Sotheby’s 17.10.2014), die beliebten Schlitzbilder von Lucio Fontana gar noch mehr. So gesehen nehmen sich die 18,4 Millionen Pfund Gesamtresultat für 31 verkaufte von 45 angebotenen Werken außerordentlich mager aus. Bezeichnend war schon der Titel der Auktion „In Context Italian Art“. Die inhaltliche Erweiterung erlaubte den Marktstrategen dann auch ein Nagelbild von Günther Uecker von 1964 (848.750 Pfund) miteinzubinden oder ein Stillleben von Giorgio Morandi (1,4 Millionen Pfund).

Ein Gesamtbild der Auktionsserie zeitgenössischer Kunst lesen Sie am 13. Oktober in der Printausgabe des Handelsblattes. Da werden Sotheby’s Ergebnisse mit denen von Phillips und Christie’s in Relation gesetzt.

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