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02.02.2012

17:29 Uhr

Zeitgenössische Kunst

Unbürokratische Co-Existenz

Düsseldorf entwickelt neue Anziehungskraft für Galeristen. Besonders attraktiv ist der Stadtteil Flingern. Viele Gespräche untereinander sorgen für ein gutes Klima. Davon profitieren auch gemeinsame Veranstaltungen wie das letzte Eröffnungswochenende im Januar.

Blick in die Ausstellung "Album" mit jüngsten Objekten von Viktoria Wehrmeister, Petra Rinck Galerie, Düsseldorf. W. White, Achim Kukulies

Blick in die Ausstellung "Album" mit jüngsten Objekten von Viktoria Wehrmeister, Petra Rinck Galerie, Düsseldorf.

DüsseldorfSkeptiker lästern seit einer Weile, der Stadtteil sei zum Prenzlauer Berg von Düsseldorf geworden. Gentrifizierung nennt der Stadtsoziologe den Prozess des Wandels eines ehemaligen Arbeiter- und Multikulti-Viertels zum Kreativ-Standort, der sich derzeit in Flingern geradezu lehrbuchartig vollzieht. Wie überall kamen zuerst die Künstler, die damals noch preiswerte Atelier- und Probenräume schätzten. Nun bieten – im immer noch durchmischten Umfeld – sanierte Altbauten und ehemalige Ladenlokale ideale Bedingungen für die Präsentation von Kunst.

Vorreiter des heutigen Galerien-Booms in Flingern ist die Galerie Konrad Fischer, die bereits 1974 ihre großzügigen Räume mit dem „Yellow Room“ von Bruce Nauman eröffnete. Nun präsentiert Fischer eine beeindruckende und von den Ausmaßen her museumsreife Schau bedeutender Vertreter der Düsseldorfer Fotokunst. Darunter eine Fotoserie von Bernd und Hilla Becher mit Stadtansichten zu je 20.000 Euro, frühe und überraschend karge Arbeiten von Andreas Gursky, faszinierend verfremdete Großformate von Thomas Ruff, die 50.000 bis 60.000 Euro kosten sollen, und eine Fotoserie von Ursula Schulz-Dornburg. Die Aufnahmen einsamer, wie vom Himmel gefallener Bushaltestellen in Armenien sind mit 2.800 Euro ausgepreist (bis 10. März).

Im ständigen Austausch mit den Kollegen

Erst im vergangen September dagegen hat die Galerie Linn Lühn in Flingern eröffnet. Die Galeristin ist nach acht erfolgreichen Jahren in Köln bewusst nach Düsseldorf gezogen. „Die Kunstakademie hat eine große Ausstrahlung, das macht die Szene hier lebendiger als anderswo, vor allem jünger. In Köln fehlt in der Galerienszene die jüngere Generation.“ Lühn schätzt in Flingern auch die unkomplizierte Kooperation der Galerien untereinander. „Man ist hier ständig im Austausch und im Gespräch. So kommen auch die gemeinsamen Eröffnungen ganz unbürokratisch zustande.“

Lühn zeigt sieben Kohlezeichnungen des amerikanischen abstrakten Expressionisten William N. Copley. Mit einem witzigen Trick hat der Künstler sie als zusammengehörenden Satz markiert, indem er sie als überdimensionierte Briefmarken anlegte und mit gemalten, typisch runden Zacken und krummen Nennwerten versah. Die Serie wirkt leicht hingeworfen und spielt ironisch und anspielungsreich mit Geschlechterrollen und Konventionen. Das Konvolut wurde bereits an eine Privatsammlung verkauft (bis 3. März).

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