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15.07.2012

14:21 Uhr

Züricher Auktionshaus Koller

Nur das Beste erzielt hohe Preise

VonChristian von Faber-Castell

Das Züricher Auktionshaus Koller hat sein Ergebnis auf 22 Millionen Schweizer Franken steigern können. Doch die Käufer sind sehr wählerisch und lassen viel zurückgehen.

Albert Anker: Das „Strickendes Mädchen“ wurde mit 3,4 Millionen sfr der Höchstzuschlag bei Koller. Koller Auktionen

Albert Anker: Das „Strickendes Mädchen“ wurde mit 3,4 Millionen sfr der Höchstzuschlag bei Koller.

ZürichDie Zurückhaltung der Käufer ist inzwischen deutlicher spürbar", kommentiert Cyril Koller vom größten Schweizer Auktionshaus Koller Auktionen in Zürich seine Juniversteigerungen. Zwar liegt der Gesamtumsatz dieser gemischten Versteigerungen mit rund 22 Millionen Schweizer Franken noch zehn Prozent über dem Vergleichsergebnis von 2011. Unvermindert hohe, zum Teil sogar deutlich über den Taxen liegende Preise erzielen derzeit nur Kunstwerke der obersten Qualitäts- und Seltenheitsklasse, die man eben dann kaufen muss, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet.

Gute, aber kurante Objekte, die in ähnlicher Form immer wieder einmal auf dem Markt auftauchen, sind derzeit in vielen Fällen nur über den Preis zu verkaufen - wenn sich überhaupt Interesse für sie regt. Dementsprechend entfällt gut ein Drittel des Gesamtumsatzes auf die vier Toplose unter den Gemälden, angeführt von Albert Ankers Kinderbild "Strickendes Mädchen" aus der Zeit um 1883 bis 1884, das ein Schweizer Privatsammler für schätzungsgemäße 3,4 Millionen Franken ersteigerte.

Die Schatulle "À la Gothique" im Neo-Renaissance-Stil kostete 38400 Sfr. Koller Auktionen

Die Schatulle "À la Gothique" im Neo-Renaissance-Stil kostete 38400 Sfr.

Salvador Dalis kleine, frühe Arbeit "Venus und Amoretten" aus dem Jahr 1925 ging laut Koller für gut zwei Millionen Franken an einen griechischen Reeder. Eine deutsche Sammlerin kaufte für 1,8 Millionen Franken Paul Signacs farbenfrohe bretonische Marine "Bateaux au Mouillage à Locmalo" von 1922.

Ein amerikanischer Käufer sicherte sich Fernando Boteros monumentale "Mrs. Rubens Nr. 3" von 1964 für 825 000 Franken. Felix Vallottons 1915 gemalte schöne abendliche Marine "Le phare, soir" und seine Flusslandschaft "La Seine à Mantes" kosteten 526 000 und 336 000 Franken. Zwei Gartenlandschaften in der Oschwand von Cuno Amiet aus den Jahren 1934 und 1947 waren für 216 000 und 288 000 Franken zu haben. Zu den interessantesten Skulpturen gehört sodann Alexander Archipenkos Bronze "Seated Black Concave" aus dem Jahre 1915 mit einem Preis von 198 000 Franken.

Auffallend lebhaft war die Nachfrage nach moderner und zeitgenössischer Graphik. Picassos Aquatintaradierung "Minotaure aveugle guidé par une fillette" von 1934 führt deren Feld mit 72 000 Franken an, gefolgt von Roy Lichtensteins 1993 in einer 100er-Auflage gedrucktem Farblinolschnitt "Le nymphéas" für 22 800 Franken. Das von Cyril Koller erwähnte wählerische Käuferverhalten spiegelt sich tatsächlich weniger in den erzielten Einzelpreisen als vielmehr in den Verkaufsquoten.

Im Bereich der Schweizer Kunst etwa konnten von den angebotenen 161 Losen nur 93 oder 58 Prozent zugeschlagen werden und von den 112 Losen Moderne & Zeitgenössische Kunst sogar nur 66 Lose oder 50 Prozent. Zähflüssig lief der Verkauf auch im Bereich der Möbel und der klassischen Antiquitäten und Zierobjekte. Hier konzentriert sich die Nachfrage immer mehr auf Prunkobjekte für den nah- bis fernöstlichen Geschmack. So zahlte ein griechischer Käufer für eine um 1880 in Birmingham entstandene und durchaus marktgerecht auf 4 000 bis 7 000 Franken angesetzte Schatulle im Renaissance-Stil der Zeit um 1880 38 400 Franken.

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Eine ähnlich üppige und späte Napoleon-III-Lackschatulle von A. Giroux ging gar für 72 000 Franken ins kunsthungrige Emirat Katar und erzielte damit zugleich einen der höchsten Preise dieses Möbel- und Dekorationsangebots. Dass von den 588 Losen der Lagerräumungsversteigerung der Basler Antiquitätenhandlung Georges Ségal 383 Lose oder 65 Prozent einen neuen Besitzer fanden, spricht für den zeitlosen Qualitätssinn dieses führenden Schweizer Porzellan- und Silberspezialisten.

Eine große Meissen-Porzellanplatte des Services "Gelber Löwe" aus dem Japanischen Palais bestätigte hier mit ihrem Preis von 36 000 Franken, dass wirklich museumswürdiges Porzellan durchaus auch heute noch solide Preise bringt. Solide Preise, wenn auch erwartungsge mäß keine Sensationen zeitigte schließlich auch das gemeinsam mit der Zürcher Afrikagalerie Walu aufbereitete Afrikana-Angebot. Als dessen Toplos erwies sich eine vermutlich im 19. Jahrhundert entstandene totempfahlähnliche Ahnenfigur der nigerianischen Volksgruppe der Oron, die für schätzungsgemäße 45 600 Franken verkauft werden konnte.

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