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13.04.2017

07:21 Uhr

Zum Tod von Michael Ballhaus

Der mit der Kamera tanzte

VonAxel Postinett

Hollywood trauert mit Deutschland. Michael Ballhaus ist tot. Der renommierte deutsche Kameramann starb Dienstagabend nach kurzer Krankheit im Alter von 81 Jahren in seiner Heimatstadt Berlin.

Tod von Michael Ballhaus

Die letzte Aufnahme eines großen Kameramannes

Tod von Michael Ballhaus: Die letzte Aufnahme eines großen Kameramannes

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San FranciscoSeine cineastische Referenzliste lässt Filmfreunde in den USA wie in Deutschland in Ehrfurcht erstarren. Da tauchen Namen auf wie „Die fabelhaften Baker Boys“, das Mafia-Epos „Goodfellas“ oder „Gangs of New York“. Sein Handwerkszeug lernte Michael Ballhaus in den wilden 70er Jahren unter dem eigensinnigen Filmemacher Rainer Werner Faßbinder. Er stand unter anderem bei „Die Ehe der Maria Braun“ oder „Lili Marleen“ hinter der Kamera.

In einem Gespräch mit „Variety“ verriet er, dass die Arbeit mit Faßbinder ihn wahrscheinlich fit für die harte Welt in Hollywood gemacht habe: „Er war nicht einfach, hart zu mir und fordernd. Er wollte nie unnötig Zeit verschwenden.“ Das macht fit für die Arbeit in einem Land, das den Spruch „Time is Money“ erfunden hat.

Aber auch der Patriotismus-Kracher „Air Force One“ mit Harrison Ford unter der Regie von Wolfgang Petersen lernte seine Bildsprache bei Ballhaus. In Deutschland nur mit mäßigem Erfolg gelaufen, war der Streifen, in der der Präsidenten-Jet gekapert wird, in den USA Kult. Er sei vom deutschen Regisseur Tom Tykwer für den Film regelrecht beschimpft worden, erinnerte er sich in einem Namensbeitrag für den Berliner Tagesspiegel. Er habe dann versucht ihm zu erklären, dass es „eben ein amerikanischer Film“ sein.

Der international berühmte Kameramann und Filmkünstler ist im Alter von 81 Jahren gestorben. dpa

Michael Ballhaus

Der international berühmte Kameramann und Filmkünstler ist im Alter von 81 Jahren gestorben.

Ballhaus, am 5. August 1935 geboren, lebte seinen amerikanischen Traum, ohne seine deutschen Wurzeln zu verleugnen. Er wollte nie US-Staatsbürger werden, sagt er, und nach jedem Film ist er mit seiner Frau erst mal wieder für einige Zeit zurück in die Berliner Heimat geflogen. Doch insgesamt hatte er eine hohe Meinung von seiner Wahlheimat USA, mit all ihren Vorteilen und unübersehbaren Problemen.

In Deutschland hätte er wahrscheinlich nie so weit kommen können wie in den USA. In Hollywood war er „Director of Photography“, Bildregisseur, in Deutschland schlicht Kameramann. In Deutschland sei der Regisseur der „Boss“ am Set. In den USA arbeiten alle Beteiligten gleichberechtigt, um ihren gemeinsamen Film zu realisieren. Ballhaus verstand sich als Teamspieler. Diese Arbeitsweise lag ihm, und er kletterte die Erfolgsleiter steil nach oben. Er wurde dreimal für den Oscar nominiert, aber konnte nie eine der begehrten Goldstatuetten in Empfang nehmen. Doch der Karriere schadete das nicht.

Starregisseur Martin Scorsese machte ihn zu seinem Chefkameramann. Die Arbeiten an der 100-Millionen-Dollar-Produktion „Gangs of New York“ mit Leonardo di Caprio bezeichnete er einmal als den Höhepunkt seiner Karriere. Aber, wie er Variety anvertraute, hatte er immer Probleme mit der Gewalt in Scorcese-Filmen. „Goodfellas“ oder „Gangs of New York“ sind getreue Abbilder brutal gewalttätiger Zeitabschnitte in den USA, und Ballhaus lernte damit umzugehen.

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