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13.02.2004

08:31 Uhr

Zusammenhänge werden sichtbar

Im Disparaten das Gemeinsame finden

VonChristian Herchenroeder (Handelsblatt)

Die 3. Berlin Biennale zeigt, wie sich aus dem Cross-over von Themen und Sparten Funken schlagen lassen.

BERLIN. Die 3. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst zeigt Gesicht. Obwohl auch sie mit ihren 50 künstlerischen Produktionen, die vorwiegend in Werkserien vertreten sind, auf den ersten Blick ein eher disparates Gesamtbild bietet, ist es durch eine intellektuelle Verzahnung der einzelnen Komplexe gelungen, die dramaturgische Spannung zu halten. Das hat diese von Ute Meta-Bauer betreute Schau ihren zwei Vorläuferinnen voraus. Die erste war in Berlin arbeitenden Künstlern gewidmet, die zweite versuchte, ohne einen roten Faden zu finden, internationale Positionen junger Kunst vorzustellen.

Diese dritte Biennale war immer wieder von Geldnöten bedroht. Dass sie dennoch in relativ kurzer Zeit realisiert werden konnte, ist der Allianz Kulturstiftung und dem Hauptstadtkulturfonds zu verdanken, dessen Leiterin Adrienne Goehler in ihr ein „identitätsstiftendes Projekt“ für die Kunststadt Berlin sieht. Die vierte Biennale wird in die Obhut der Kulturstiftung des Bundes überführt, die die Privatinitiative mit 2,5 Millionen Euro unterstützt.

An zwei Ausstellungsorten, den Kunst-Werken (KW) in der Auguststraße in Berlin-Mitte und dem Martin-Gropius-Bau, und ab 18. Februar im Kino Arsenal, werden die Exponate und ausgewählten Filme so vernetzt, dass Zusammenhänge sichtbar werden. Der geistige Rahmen ist die Heterogenität der Stadt Berlin, 15 Jahre nach dem Fall der Mauer, ihre städtebaulichen, ökonomischen, politischen und ästhetischen Positionen. Viele der ausgestellten Werke haben die Wandlungen Berlins im Auge, andere suchen Querbezüge zu Stadträumen in den USA, in Japan und Skandinavien.

Fünf zentrale Themenkreise verbinden die Schau: „Migration“, „Urbane Konditionen“, „Sonische Landschaften“, „Moden und Szenen“ und „Anderes Kino“. Im Martin-Gropius-Bau wird das Thema Migration mit der Geschichte dieses historischen Baus verknüpft, der in unmittelbarer Nachbarschaft des für Deportationen und Zwangsarbeiter zuständigen Reichssicherheitshauptamts und der Mauer lag. Im Parcours des ersten Stockwerks hat der Stadtraum ein besonders starkes Gewicht, auch das offizielle Stadtmarketing wird in den Blick genommen. Aus der Verbindung von Zeitschriftencovern und Stadtmodellen, die Veränderungen der Galerielandschaft oder anderer Gewerbegebiete aufzeigen, wächst kritische Distanz.

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