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01.02.2001

19:00 Uhr

Papas Unverlierbar-Garantie gleicht Fehlstart ins Optionsgeschäft aus

Frank Busemanns besondere Liebe für die Klöckner-Aktie

VonERICH AHLERS

Seitdem Werbeeinnahmen Frank Busemann zum best- verdienenden deutschen Leichtathleten machten, hat sich auch die Anlagestrategie des olympischen Silbermedaillen-Gewinners geändert.

DÜSSELDORF. "Ohne Wert ausgebucht." Drei vernichtende Worte, die bei Frank Busemann noch in schlechter Erinnerung sind. "Das ist mir aber nur einmal passiert, bei einem Call auf den Nikkei-Index", erzählt der Frontmann der deutschen Zehnkampf-Szene im Handelsblatt-Gespräch. Schon in jungen Jahren hat der olympische Silbermedaillen-Gewinner von Atlanta die Börse als faszinierendes Parkett für seine unverkennbare Spielleidenschaft entdeckt. Und sich von Rückschlägen nie entmutigen lassen.

Weder die Japan-Pleite noch Enttäuschungen in der Anfangszeit seiner Anlegerkarriere führten dazu, daß Busemann zu einem typisch deutschen, sprich erzkonservativen Geldanleger wurde. "Das ganze Geld aufs Sparbuch oder in ähnliche Sparformen zu stecken, stand für mich nie zur Debatte. Das Mitmischen an der Börse würde ich auch nie als Zocken bezeichnen", sagt der Vielseitigkeits-Leichtathlet aus Recklinghausen, der in der zurückliegenden Saison von hartnäckigen Verletzungen geplagt wurde.

Wenn er jetzt im Trainingslager auf Lanzarote die Grundlage für ein erfreulicheres Jahr 1999 legen will, gehört das Verfolgen der Börsenentwicklung zur täglichen Ablenkung vom Sport-Trott. Wer weiß, wie alles begann, wundert sich darüber nicht. Als Busemann zwölf Jahre alt war, bekam er von Vater Franz-Josef einen Dollar geschenkt. "Anschließend habe ich stets ein paar Dollar hinzugekauft. Immer wenn der Kurs günstig war", erzählt der 22jährige und lacht: "So kam im Laufe der Zeit ein schöner Packen Geld zusammen".

Die Neugier auf andere Geldanlagen wuchs, und so teilte der kleine Frank dem alten Herrn schon bald mit, daß er Aktien kaufen wolle. Busemann senior klärte den Sohnemann auf, daß dies bei einer Anlagesumme von 200 DM angesichts der hohen Kosten wenig Sinn macht. Sein Alternativvorschlag war ein gemeinsames Engagement. Und da Franz-Josef Busemann gerade plante, einen Benetton-Optionsschein zu kaufen, versuchte sich sein junger Kompagnon auf Anhieb an einem Investment, das eher für erfahrene Anleger geeignet ist.

Von den 200 DM blieben schließlich 10 DM übrig, ein Fehlstart ins Optionsgeschäft. Busemann ließ den Kopf aber nicht hängen und auch nicht die Finger von der Börsenleidenschaft. Wofür sein Vater eine logische Erklärung hat: "Dem Frank konnte nichts passieren. Gewinne waren für ihn, Verluste für mich." Eine Unverlierbar-Garantie aus dem eigenen Hause, die beruhigte und zu weiteren Taten anstachelte. "Ich habe von klein auf alles fein säuberlich aufgeschrieben - alle Käufe und Verkäufe, jedes Plus und jedes Minus", verweist Frank Busemann auf eine gewissenhafte Buchführung.

Kaum war er volljährig, ließ er das Depot auf seinen Namen umschreiben, um ohne den Umweg Papa Geschäfte tätigen zu können. "Als ich erstmals in die Bank marschiert bin, um allein einen Kaufauftrag zu erteilen, hatte ich ganz schönen Schiß. Ich habe mich gefragt: Was denken die eigentlich über diesen 18jährigen Bubi?" Diese Gedanken verschwanden schnell, das Thema Börse wurde zu einem beherrschenden im Leben des Frank B. Er schwänzte schon mal Schulstunden, um Eurogas-Aktien verkaufen zu können. Busemann wäre besser im Unterricht geblieben, denn: "Drei Stunden später war das Papier deutlich gestiegen."

Wer jedoch glaubt, der Zehnkämpfer hätte stets danebengriffen, irrt gewaltig. Seinen größten Gewinn fuhr Busemann mit einem Call auf den Dax ein, der ihm rund 350 % Plus bescherte. Auch einige andere Werte trugen zur Vermögensvermehrung bei. Unterm Strich ist der sportliche Anleger zufrieden: "Viele Sachen haben weh getan, aber von krassen Aussetzern bin ich verschont geblieben." Mittlerweile hat sich seine Einstellung zur Finanzwelt ohnehin geändert: "Wenn man zuviel weiß und zuviel Zeit mit diesem Thema verbringt, hört man überall die Flöhe husten."

Früher war das anders. Als Frank Busemann noch Lehrling bei der Stadtsparkasse Dortmund war, saß er quasi an der Quelle. "Manche Börsenentwicklungen haben mich geradezu in Rage gebracht. Ständig bin ich zum Ticker gerannt, um zu sehen, was die Kurse machen." Dieses Engagement fand schließlich Niederschlag in einer Azubi-Beurteilung. Dort hieß es sinngemäß: "Frank Busemann zeigt reges Interesse, insbesondere an der eigenen Geldanlage." Heute lacht der Student der Wirtschaftswissenschaft an der Universität Bochum darüber, schließlich bestand er die Abschlußprüfung mit einer unverfänglichen Drei.

Gern erinnert er sich auch an jene Zeit in der Filiale Dortmund-Brünninghausen, als er sich donnerstags mit einer - wie Busemann sie nennt - "Zocker-Kollegin" zusammensetzte und über gemeinsame Anlagestrategien plauderte. "In der Mittagspause bei McDonald s wurden beim Hamburger die nächsten Käufe und Verkäufe besprochen. Oft waren es Werte, die kein Kunde der Stadtsparkasse besaß", sagt Busemann. Die wilde Phase ist trotz diverser Optionsscheine im Depot und einiger Auslandsaktien mit dem Schwerpunkt Internet vorbei.

Seit ihm die Silbermedaille von Atlanta Werbeeinnahmen nahe der Millionengrenze bescherte, ist Busemann vorsichtiger geworden. "Die Hälfte meines Vermögens ist in ganz sicheren Sachen angelegt", betont der Recklinghäuser und verweist auf den Erwerb einer Immobilie. Im Aktienbereich ist er verstärkt auf Blue Chips umgestiegen, zudem schließt er Schiffsbeteiligungen nach Rücksprache mit dem Vater grundsätzlich aus. Für ungewöhnliche Transaktionen ist Busemann dennoch zu haben, auch heute noch.

Über viele Jahre hinweg besaß er Klöckner-Aktien. Als nach langer Durststrecke endlich ein leichtes Plus erreicht war, veräußerte Frank Busemann die Papiere. Zwei Tage später kaufte er sie wieder zurück. Eine Art Sehnsucht nach der verflossenen Geldanlage hatte ihn überkommen. "Wenn man so lange eine Aktie besitzt, kann man sie nicht einfach so verkaufen", erklärt Busemann. Man hatte sich aneinander gewöhnt. Jetzt ist wieder beisammen, was zusammen gehört.

Der Sportler des Jahres 1996 ist aber auch zu weniger gefühlsbetonten Entscheidungen fähig. Bisweilen beschäftigt er sich mit Charts, die daraus abgeleiteten Schlüsse führen schon mal zu Kauf oder Verkauf. Vor wichtigen Wettkämpfen legt Franz-Josef Busemann übrigens Wert darauf, daß sein Sohn den Großteil seiner Optionsscheine abstößt. "Er meint, daß ich mich sonst nicht voll auf den Sport konzentrieren kann. Vermutlich hat er recht", gibt der Junior zu und nennt ein Beispiel: "Als der Dax auf 3800 Punkte abstürzte, habe ich es wirklich mit der Angst zu tun bekommen."

Inzwischen sieht die Börsenwelt wieder freundlicher aus, und auch sportlich schaut er optimistisch in die Zukunft. Olympia 2000 in Sydney ist das große Ziel. Frank Busemann träumt von Gold und 9000 Punkten - Zehnkampf-Punkten wohlgemerkt. Gegen 9000 Dax-Punkte hätte er ebensowenig einzuwenden.

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