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19.01.2001

18:38 Uhr

Parlament soll nun Geld zum Ankauf von Strom bereitstellen.

Kein Ende des Strommangels in Kalifornien in Sicht

In Kalifornien ist am Donnerstag am zweiten Tag in Folge vorübergehend der Strom in Haushalten, Büros und Fabriken abgeschaltet worden. Von der rund zweistündigen Abschaltung seien Hunderttausende Verbraucher im Norden und Landesinnern des US-Bundesstaates betroffen gewesen, teilte die kalifornische Energieüberwachungsbehörde ISO mit. Eine Lösung des Versorgungsproblems ist nicht in Sicht.

Reuters SAN FRANCISCO. Am Mittwoch war erstmals in dem Staat mit 34 Millionen Einwohnern der Strom zeitweise abgeschaltet worden. In Kalifornien herrscht Strommangel, da die beiden größten Energieverteiler nach einem starken Anstieg der Strompreise durch die Erzeuger verschuldet sind und kein Geld mehr zum Ankauf weiteren Stroms haben.

Kaliforniens Gouverneur Gray Davis hatte am Mittwoch den Notstand ausgerufen. Das Parlament soll nunmehr mehr Geld aus dem Haushalt zum Ankauf von Strom bereitstellen. Dies könnte nach Einschätzung von Experten den Steuerzahler rund 900 Millionen Dollar kosten. Davis wies zudem nach eigenen Angaben die Wasserbehörde des Staates an, zusätzlichen Strom zu kaufen. Sie ist die größte öffentliche Stromverbraucherin in Kalifornien.

Die Menschen waren erneut unmittelbar von den Folgen der Stromabschaltung betroffen. Ampeln fielen aus, Computer stürzten ab, Rolltreppen blieben stehen, Aufzüge stecken und Kühlschränke tauten ab. "Es war beängstigend", sagte eine Frau, die zusammen mit ihren beiden kleinen Kindern nach fast anderthalb Stunden aus einem Auzug befreit wurde.

Die Bundesregierung wies die Stromversorger an, vorübergehend die kalifornischen Versorger weiter mit Strom zu beliefern. US-Energieminister Bill Richardson drohte am Donnerstag, Elektrizitäts- und Gasproduzenten zu verklagen, sollten diese sich weigern, Strom an Kalifornien zu verkaufen. Diese Drohung hat indes wenig Wirkung, da Richardsons Amtszeit am Samstag endet. Sein Nachfolger Spencer Abraham lehnte es bereits ab, in die kalifornische Stromkrise einzugreifen. Auch der künftige Präsident George W. Bush machte Kalifornien wenig Hoffnung auf schnelle Bundeshilfen. In einem Reuters-Interview sagte er, Kalifornien zahle jetzt den Preis für ein schlechtes Deregulierungsgesetz.

Ausgelöst wurde die Stromkrise dadurch, dass die beiden größten Stromversorger des Staates, Pacific Gas and Electric und Southern California Edison, nach eigenen Angaben ihre Kredite bei den Stromerzeugern nicht mehr bezahlen konnten. Davis sagte, die Erzeuger hätten damit gedroht, die Schulden der Versorger bis Donnerstag einzufordern und sie damit in den Konkurs zu treiben. Seit der Liberalisierung des Strommarktes in Kalifornien 1996 sind die Strompreise stark gestiegen. Den Versorgern ist es jedoch per Gesetz verboten, die höheren Preise an die Verbraucher weiter zu geben. Die beiden Stromversorger haben etwa zwölf Milliarden Dollar (rund 24 Milliarden Mark) Schulden. Die Krise hatte sich in den vergangenen Tagen verschärft, da durch die Winterkälte der Heizbedarf stieg und wegen Reparatur- und Wartungsarbeiten an Kraftwerken noch weniger Strom zur Verfügung stand.

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