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29.01.2003

17:40 Uhr

Partner für Systemhaussparte gesucht

Telekom will sich nicht von T-Systems trennen

Die Deutsche Telekom will sich nicht von ihrer unter dem Namen T-Systems operierenden Systemhaussparte trennen, prüft jedoch Kaufangebote für Teile des Geschäfts.

Reuters BERLIN. Telekom-Vorstandschef Kai-Uwe Ricke sagte am Mittwoch auf einer Veranstaltung des Unternehmens in Berlin, "erwarten Sie nicht, dass wir T-Systems verkaufen und uns in eine Minderheitsposition begeben." Er bekräftigte jedoch, für die Systemhaussparte würden Partner gesucht, um die Geschäftsbasis zu erweitern. Für die 1999 übernommene und auf dem französischen Geschäftskunden-Markt mit Festnetz-Dienstleistungen aktive Tochter T-Systems Siris liegen der Telekom nach Rickes Worten mehrere Kaufangebot vor. Im Jahresverlauf würden sich Details der weiteren Entwicklung bei T-Systems klären.

Der Vorstandschef der mit 64 Milliarden Euro verschuldeten Telekom nannte zudem weitere Konzerntöchter, die zum Abbau der Verschuldung von zuletzt 64 Milliarden Euro veräußert werden könnten. Dazu gehören seinen Worten zufolge die Beteiligung an dem russischen Mobilfunknetzbetreiber MTS, die Telefonbuch-Tochter DeTeMedien und die Deutsche Funkturm, in der die Mobilfunkmasten gebündelt sind. Am Dienstag erst hatte die Telekom den Verkauf ihres Kabelgeschäfts für bis zu 2,1 Milliarden Euro angekündigt.

Ricke äußerte sich zuversichtlich, den Plan des Konzerns einhalten und bis Jahresende die Verschuldung auf rund 50 bis knapp 53 Milliarden Euro senken zu können. Die Entschuldung des Konzerns stehe derzeit im Mittelpunkt, sagte Ricke. Ihre Verbindlichkeiten will die Telekom durch Kosteneinsparungen und Beteiligungsverkäufe reduzieren. Bis Ende 2003 sollen die Schulden dadurch auf maximal das Dreifache des für das laufende Jahr erwarteten operativen Ergebnisses (Ebitda) begrenzt werden.

Die Erfüllung dieser Quote gilt als eine wichtige Bedingung dafür, dass die Bonität der Telekom mittelfristig stabil bleibt, nachdem diese zuletzt mehrfach von den Rating-Agenturen gesenkt worden war. Bei schlechterer Bonität steigen die Ausgaben der Telekom für den Schuldendienst. Zur Umschuldung ihrer bestehenden Verbindlichkeiten begab die Telekom am Mittwoch eine an Kleinanleger gerichtete fünfjährige Anleihe mit einem Volumen von einer Milliarde Euro. Das Papier hat einen Zins-Kupon von 5,75 Prozent.

Die neue Mobilfunktechnik UMTS will die Telekom erstmals im dritten Quartal kommerziell anbieten. Zum Netzstart werde UMTS in rund 200 deutschen Städten zur Verfügung stehen. Damit werde die Technik mehr Menschen angeboten, als es in den Betriebslizenzen vorgesehen sei. Die Lizenzbedingungen schreiben vor, dass bis Ende 2003 ein Viertel der Bevölkerung in Deutschland UMTS-Mobilfunkdienste nutzen können muss.

Die Markteinführung der neuen Mobilfunktechnik UMTS, die neben die gegenwärtige Technik GSM treten soll, war mehrfach von den Unternehmen wegen technischer Schwierigkeiten verschoben worden. Die Telekom hatte bislang angekündigt, über ihre Mobilfunktochter T-Mobile zur Jahresmitte 2003 mit der Markteinführung von UMTS zu beginnen. Der größte Konkurrent von T Deutschland, -Mobile die deutsche Tochter des größten europäischen Mobilfunkunternehmens Vodafone, bekräftigte zu Wochenbeginn, das Unternehmen wolle im Frühjahr mit UMTS starten. Das Frühjahr ende am 21. Juni, hatte Vodafone-D2-Chef Jürgen von Kuczkowski ergänzt.

Die von VoiceStream in T USA-Mobile umbenannte US-Mobilfunktochter der Telekom entwickelte sich zuletzt nach Rickes Angaben zufrieden stellend. "Die Zahlen werden Sie nicht enttäuschen", sagte Ricke mit Blick auf die jüngsten Geschäftsdaten der US-Tochter. Details wollte er jedoch nicht nennen und verwies auf die geplante Veröffentlichung von Geschäftszahlen des Konzerns am 10. März. Am Dienstag hatte T-Mobile bekannt gegeben, dass im vierten Quartal 2002 rund eine Million neue Kunden gewonnen wurden. Dies war das bislang höchste Quartalswachstum. Damit zählt T USA-Mobile nun über 9,9 Millionen Kunden, ist jedoch weiterhin der kleinste der sechs landesweiten Mobilfunkanbieter. Der Anteil der umsatzstarken Kunden mit Laufzeitverträgen stieg binnen Jahresfrist auf 86 von 74 Prozent. Ricke bekräftigte den Willen, T USA-Mobile vorerst nicht veräußern zu wollen.

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