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07.01.2001

14:00 Uhr

Partnerschaft mit der Kirch-Gruppe

EM.TV-Aufsichtsratschef spielt Schlüsselrolle im Einstiegspoker

Im Poker um den Einstieg der Kirch-Gruppe beim angeschlagenen Medienkonzern EM.TV spielt der EM.TV-Aufsichtsratsvorsitzende Nickolaus Becker zunehmend eine Schlüsselrolle. Während die Kirch-Manager angeblich auf eine Ablösung Beckers drängen, lehnt der Aufsichtsratschef dies ab. Er konterte im Gegenzug, es gebe auch Alternativen zum Einstieg Kirchs.

adx HAMBURG. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" genießt Becker bei Kirch einen schlechten Ruf, seitdem er sich nur von April bis Oktober 1984 als Geschäftsführer im Kirch-Konzern halten konnte. EM.TV-Großaktionär Thomas Haffa wolle den geplanten Einstieg Kirchs nicht an der Personalie scheitern lassen. Zudem seien Informationen über eine Geschäftsführer-Tätigkeit Beckers in den Jahren 1988 und 1989 bei der Finanz- und Softwarefirma GFTA aufgetaucht, die zu diesem Zeitpunkt in Devisengeschäfte über die Bahamas verwickelt gewesen sei. Partner waren dem Bericht zufolge der Schweizer Alfred Hartmann, ein Top-Manager der später nach Skandalen geschlossenen Bank of Credit and Commerce International (BCCI), sowie der US-Banker Charles Keating jr. von der später kollabierten Finanzgruppe American Continental Corp. Auch der Tennisstar Boris Becker habe sich inzwischen von seinem Berater Nickolaus Becker getrennt.

Der EM.TV-Aufsichtsratsvorsitzende will hingegen nicht aus seinem Amt weichen: "Ich habe mir nichts vorzuwerfen und deswegen ist für mich Rücktritt kein Thema", sagte er. Der Medienunternehmer Leo Kirch habe ihn "am 3.12. persönlich gebeten, falls die Vereinbarung mit der Kirch-Gruppe zum Tragen kommt, den Aufsichtsratsvorsitz zu behalten". Die Chancen, dass die Kirch-Gruppe wie geplant bei EM.TV einsteigt, schwinden aber angeblich. Becker sagte, zwar sei "Kirch unser natürlicher Partner, man kennt sich seit Jahrzehnten, aber Manager wären schlechte Manager, wenn sie keine Alternativen hätten."

Der Kurs der EM.TV-Aktie war am Freitag erneut unter Druck geraten, nachdem Medien über ein drohendes Scheitern der Partnerschaft mit der Kirch-Gruppe berichtet hatte. Sprecher beider Unternehmen bestritten jedoch einen Abbruch der Verhandlungen. Bis zum Freitagabend konnte der Wert zwar seine Auftaktverluste in Höhe von 20 % verringern, schloss jedoch mit einem deutlichen Minus von 8,41 % auf 5,67 Euro.

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