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25.01.2001

17:00 Uhr

dpa BERLIN. NATO-Generalsekretär Lord George Robertson hat erneut einen Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Uran-Munition im Kosovo und Erkrankungen von Soldaten bestritten. Es gebe keine Beweise für eine Verbindung, sagte Robertson am Donnerstag in Berlin bei einem Treffen mit Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD). Der Chef des Deutschen Bundeswehr-Verbandes, Bernhard Gertz, warf Scharping unterdessen erneut vor, die deutschen Soldaten im Kosovo- Einsatz nicht umfassend über Uran-Munition informiert zu haben.

Die PDS-Bundestagsfraktion will in der nächsten Bundestagssitzung einen Untersuchungsausschusses beantragen, da Scharping bislang nicht bereit gewesen sei, Widersprüche in seiner Amtszeit aufzuklären. Der Antrag hat nach dem jetzigen Stand der Dinge aber keine Chance auf Annahme, da ein Viertel der Bundestagsabgeordneten dafür stimmen müssten. Die PDS stellt 36 der 669 Abgeordneten. Andere Fraktionen wollen den Antrag bislang nicht unterstützen.

Der Europarat hat inzwischen ein Verbot von uran- und plutoniumhaltiger Munition gefordert. Herstellung, Tests, Gebrauch und Verkauf müssten geächtet werden. Robertson verteidigte den Einsatz von Uran-Munition. Alle Waffen seien konstruiert worden, um "Tötungsmaschinen zu stoppen". Die NATO habe nichts zu verbergen.

Gertz sagte, es sei eine Schutzbehauptung von Scharping, er habe die Soldaten schon zu Beginn des Kosovo-Einsatzes im Juni 1999 auf mögliche Gefahren durch Uran-Munition hingewiesen. Der 17-seitige Befehl sei «völlig unverständlich» gewesen, sagte Gertz im Südwestrundfunk SWR1 Rheinland-Pfalz.

Der Homöopath George Vithoulkas, Träger des Alternativen Nobelpreises, sagte den "Aachener Nachrichten" (Freitag), Tausende von Soldaten, die mit uranhaltiger Munition im Golfkrieg in Berührung gekommen seien, seien ernsthaft erkrankt. Viele seien gestorben. Als Folge des Kosovo-Krieges erwarte er eine ähnliche Entwicklung. Die Strahlung durch Uran-Munition rufe nicht sofort und ausschließlich Leukämie hervor. Sie schade dem gesamten Organismus, beeinträchtige das zentrale Nervensystem und die Nieren. Um endgültige Ergebnisse zu bekommen, "müssen wir fünf oder zehn Jahre warten".

Mehr als 13 Jahre nach dem Unfall mit Uran-Munition auf dem US- Truppenübungsplatz im oberpfälzischen Grafenwöhr haben die deutschen Behörden keine erhöhte Strahlung im Umfeld des Militärareals festgestellt. Allerdings wurde nur an der Grenze zum Übungsplatz gemessen, da die Behörden für das US-Militärgelände eine Genehmigung brauchen. Ein Sprecher der US-Armee hatte erklärt, nach dem irrtümlichen Abschuss von Uran-Munition 1987 sei das Geschoss samt dem umliegenden Erdreich sofort entfernt worden.

Als Reaktion auf die Krebserkrankungen bei Radartechnikern der Bundeswehr will Niedersachsen mögliche Gefahren durch militärische und zivile Sendeanlagen untersuchen. Zwar habe könne bislang kein direkter Zusammenhang zwischen solchen Anlagen und Krebserkrankungen in der Bevölkerung nachgewiesen werden, sagte Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD). "Trotzdem sehen wir weiteren Klärungsbedarf." Zunächst werden alle Standorte militärischer und ziviler Sendeanlagen und deren technische Daten ermittelt. In Zusammenarbeit mit Ärzten sollen dann die Krebserkrankungen der vergangenen Jahren festgestellt werden.

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