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06.01.2003

09:05 Uhr

Pechstein verweigert Start mit Verbandssponsor auf dem Anzug

Friesinger feiert mit Plüschtieren und Oranje-Krone

Im Ziel riss sie die Arme in die Luft, umarmte ihren Trainer und nahm dann ein ausgiebiges Bad in der tobenden Menge: Anni Friesinger schwebt nach nervigen Wochen an Krücken auf Grund ihrer Knieoperation wieder auf Wolke sieben. Bei den Eisschnelllauf-Europameisterschaften im vom Konkurs bedrohten Eis-Mekka von Heerenveen erkämpfte die 25-jährige Inzellerin ihren dritten Kontinent-Titel, kassierte 10 000 Dollar Preisgeld und zementierte ihren Ruf als beste Allrounderin der Welt.

Anni Friesinger beherrschte die Konkurrenz. Foto: dpa

Anni Friesinger beherrschte die Konkurrenz. Foto: dpa

HB/dpa HEERENVEEN. Mit dem Riesenvorsprung von 18,11 Sekunden auf ihre härteste Gegnerin Claudia Pechstein hatte Friesinger gestern nach vorangegangenen drei Streckensiegen die ungeliebten 5 000 m in Angriff genommen. Dabei ging sie auf Empfehlung ihres Coaches Markus Eicher im direkten Duell mit Pechstein kein Risiko mehr ein und überließ der Berlinerin in 7:05,23 Minuten den Sieg auf deren Lieblingsstrecke, auf der sie schon dreimal bei Olympia dominiert hatte. Beim 28. Euro-Championat gewann Friesinger den 18. Titel für Deutschland, Kollegin Pechstein komplettierte als Zweitplatzierte den vierten Doppelerfolg in Serie.

"Nie hätte ich auf solch einen Vorsprung zu hoffen gewagt. Ich weiß jetzt wieder, was ich kann. Es ist wundervoll, so in das neue Jahr zu starten", jubelte die Inzellerin. "Das Publikum hat mich nach vorne getrieben. Es war einfach toll", meinte sie, nachdem die 13 000 "Oranjes" in der ausverkauften Thialf-Halle die Deutsche euphorisch gefeiert hatten. Zahlreiche Plüschtiere und eine Oranje-Krone flogen aufs Eis, als der Sieg des Publikumslieblings aus dem Nachbarland perfekt war.

Claudia Pechstein war zufrieden mit dem Ehrenrang, und so kam die freundliche Gratulation nicht überraschend. Genau vor einem Jahr war bei den Titelkämpfen in Erfurt der "Zickenkrieg" entbrannt, den beide Athletinnen mit Beginn dieser Saison demonstrativ zu den Akten gelegt hatten. Für Pechstein war es bereits der vierte zweite EM-Platz nach 1999, 2001 und 2002. "Die 500 m kann ich halt nicht. Aber auch die Niederlage über 3 000 m war nicht schmerzlich. Bis zur WM ist noch Zeit", tröstete sich die Berlinerin. Friesinger bemerkte: "Klar, es war eine Durchgangsstation, aber die hätte Claudia auch gern gewonnen."

Mit starken Leistungen warteten auch die beiden anderen Deutschen auf. Daniela Anschütz verpasste auf Platz vier der Gesamtwertung nur haarscharf ihre erste internationale Medaille. Auch Katrin Kalex aus Berlin verbuchte mit Rang sieben ihr bislang bestes EM-Resultat.

Mit dem Boykott des Verbandssponsors hatte Pechstein zuvor für einen kleinen Eklat gesorgt hatte. Die erfolgreichste deutsche Winter-Olympionikin verzichtete auf das Logo von Mineralien-Produzent "Taxofit" auf der Kappe, da ihr Individualsponsor "Actimeb" auf die Verträge gepocht und gegen die konkurrierende Werbung Einspruch eingelegt hatte. Gerd Zimmermann, der Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft, sah sich von der Situation überrascht. "Wir haben das Problem im Vorfeld offenbar nicht erkannt, müssen uns die Vertragsinhalte noch einmal genau anschauen", erklärte Zimmermann, der alle Verträge der Athleten mit ihren Sponsoren per Unterschrift absegnet.

Bei den Herren landeten die "fliegenden Holländer" erneut einen Dreifacherfolg. Gianni Romme erkämpfte gestern über 10 000 m seinen dritten Streckensieg und sicherte sich vor Rintje Ritsma und Mark Tuitert seinen ersten Europameistertitel.

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