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10.07.2000

16:12 Uhr

Per Mausklick zu neuen Aktien

Virtuelle Emissionshäuser bieten Neuemissionen im Internet an.

Zu Beginn der Zeichnungsfrist bricht eine Welle von Buchungen über uns herein", berichtet Karsten Haesen, Projektmanager Corporate Finance bei der Berliner Effektenbank. "Bei unserer jüngsten Emission, der Umweltkontor Renewable Energy AG, waren bereits nach einem Tag die 1,8 Millionen verfügbaren Stücke vergriffen."

Aktien online zu zeichnen wird immer beliebter. Neu ist das Verfahren zwar nicht - die meisten Direktbanken bieten diesen Service auch schon seit längerem im Netz an. Die Großbanken ziehen mittlerweile nach. Allerdings stellen sich diese Online-Buchungsverfahren bislang nur als technische Alternative gegenüber dem Griff zum Telefon oder dem Gang in die Filiale dar. Eigene Tranchen werden bei den Finanzinstituten in der Regel nicht für die Internet-Freaks reserviert.

Die wahren Pioniere aber sind die Häuser, die als Konsortialbanken einen Teil des emittierten Volumens über das Netz vertreiben (>>Tabelle ); die meisten bezeichnen sich als virtuelle Emissionshäuser. Die Zeichnungsverfahren der Anbieter weichen jedoch voneinander ab. Der Trend geht weg von der Zuteilung per Los oder Quote hin zur Entwicklung von Fragebögen. Dabei müssen Anleger entweder Testfragen zum emittierenden Unternehmen richtig beantworten oder - freiwillig - Angaben zur eigenen Person machen, um gute Chancen auf eine Zuteilung zu bekommen. Im ersten Fall sollen diejenigen Investoren ausgesucht werden, die sich bereits über die Firma informiert haben, was als starkes Interesse an der Aktie interpretiert wird. Im zweiten Fall sollen damit Anleger ausgewählt werden, die sich auf Grund ihres Berufs oder ihrer Hobbys mit dem Unternehmen identifizieren können. Wie beispielsweise Fußballbegeisterte mit Fußballaktien. Die Unternehmen hoffen, dass diese Aktionäre ihnen die Treue halten; in Konsortialkreisen macht der Begriff "smart capital" die Runde.

Darüber hinaus gibt es auch das - wenig clevere - Zeichnungsverfahren "first come, first serve". Wer zuerst zeichnet, hat gewonnen. Dieses Procedere wird von KJD aktien.online, einer Tochter des Wertpapierhauses Kling, Jelko, Dr. Dehmel, praktiziert. "Nach zehn Minuten ist in der Regel alles weg", berichtet Expertin Veronica Malasomma-Jelko.

Einer der Hauptkritikpunkte des Börsengangs per Internet ist jedoch die eingeschränkte Auswahl angebotener Aktien. Oft kommen Aktien von kleineren Firmen - meist Technologietitel - an den Markt, die nur Branchenkennern ein Begriff sind. Beispiele dafür sind On Track Innovations oder Think Tools, die net.IPO platzierte. Der Sprecher des Emissionshauses, Ralf Droz, sagt: "Wir sind eben die natürlichen Partner der Technologieunternehmen auf der Bankenseite."

Als ihre Stärke sehen die Häuser die Unabhängigkeit von großen Banken an. Anleger benötigen kein Konto bei einer Konsortialbank, um zum Zuge zu kommen. Eine Sonderstellung nimmt der Neuemissionsdienst Publity der Firma Akon AG aus Berlin ein: Das Unternehmen ist keine Bank, sondern eine Plattform, über die man die Emissionen der Partnerbanken - die Sachsen LB, die Landesbank Baden-Württemberg und die Nord/LB - zeichnen kann. KJD fungiert zwar als Konsortialbank, die Kunden müssen aber über ihre Hausbank ordern.

Für sich reklamieren können die Häuser auch, im Kostenvergleich mit den normalen Banken gut abzuschneiden. Dort wird bei der Zuteilung ein Prozent vom Kurswert einbehalten. Dagegen verlangen viele virtuelle Emissionshäuser einen geringen Pauschalbetrag - das lohnt sich insbesondere bei Großaufträgen.

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