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25.03.2003

09:17 Uhr

Personalveränderung bei Bertelsmann

Schulte-Hillen vor dem Abgang

VonG. Lipinski (A. Postinett und H.-P. Siebenhaar, Handelsblatt)

Die Neuausrichtung der Gütersloher Bertelsmann AG steht vor ihrem Abschluss. Offenbar soll der langjährige Aufsichtsratsvorsitzende Gerd Schulte-Hillen den Vorsitz des Kontrollgremiums nun abgeben. Grund hierfür ist eine heftige Auseinandersetzung um die Zukunft des Medienkonzerns.

Die Bertelsmann-Zentrale in Gütersloh, Foto: dpa

Die Bertelsmann-Zentrale in Gütersloh, Foto: dpa

HB HAMBURG/DÜSSELDORF. Der Machtkampf im Aufsichtsrat des Gütersloher Medienriesen Bertelsmann AG spitzt sich zu. Nach Informationen des Handelsblatts könnte Aufsichtsratschef Gerd Schulte-Hillen den Vorsitz im Kontrollgremium möglicherweise schon bald abgeben. Dies könnte bereits im Umfeld der Bilanzpressekonferenz der Verlagstochter Gruner + Jahr (G+J) am Donnerstag geschehen. Das erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen der Bertelsmann AG sowie der Hamburger Verlagstochter G + J.

Schulte Hillen, seit Ende 2000 Aufsichtsratschef, wollte sich auf Anfrage zu den Informationen nicht äußern. Er sagte: "Fragen Sie den Konzern in Gütersloh." Ein Sprecher von Bertelsmann wiederum erklärte, er wisse nichts von Veränderungen im Aufsichtsrat.

Schulte-Hillen gilt als scharfer Kritiker des neuen Managementstils bei Bertelsmann, der geprägt wird durch Liz Mohn, Ehefrau des Firmenpatriarchen Reinhard Mohn. Frau Mohn ist Mitglied des Aufsichtsrates und Vorsitzende der mächtigen Bertelsmann-Verwaltungsgesellschaft, die 75 % der Anteile des Medienkonzern kontrolliert.

Die Trennung von Schulte-Hillen steht seit längerem zur Debatte. "Er und die Mohns hatten nie ein persönliches Verhältnis besessen", weiß ein ehemaliger Vertrauter von Reinhard Mohn. Das Verhältnis zwischen Schulte-Hillen und dem jetzigen Vorstandschef Gunter Thielen gilt zwar noch als intakt, aber das reicht offenbar nicht mehr. "Mit dem Wechsel des Aufsichtsratsvorsitzes wäre der Umbau des Unternehmens abgeschlossen", sagt ein Firmeninsider.

Begonnen hatte der Managementumbau mit dem Rauswurf von Vorstandschef Thomas Middelhoff im vergangenen Jahr. Damals hatte Schulte-Hillen noch an der Ablösung Middelhoffs mitgewirkt. In der Folge mussten weitere Top-Manager gehen, und das Internet-Geschäft wurde radikal abgebaut.

Der Fachverlag steht zum Verkauf

Der Fachverlag steht zum Verkauf und hartnäckig halten sich Gerüchte, dass auch für die Musiktochter BMG eine Lösung irgendwo zwischen Verkauf und Fusion gesucht wird. BMG machte 2002 zwar einen Gewinn, trägt aber schwer an Altlasten: Nach Informationen aus Firmenkreisen hat Bertelsmann für das zugekaufte Musiklabel Zomba Records im Geschäftsjahr 2002 mehr als 1,3 Mrd. Euro auf den Firmenwert abgeschrieben. Ein Sprecher des Konzerns wollte dies nicht kommentieren und verwies auf die heutige Bilanzpressekonferenz.

Innerhalb von Bertelsmann wächst seit Monaten die Kritik an der gestärkten Rolle der Familie Mohn. Schulte-Hillen hat erst vor wenigen Wochen in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" Bedenken gegen einen Machtzuwachs von Mohns Ehefrau Liz geäußert. "Aus Sicht des Aufsichtsrats muss ich ihm (Mohn) raten, bei den großen strategischen Fragen immer unternehmerischer Erfahrung und Kompetenz entscheidendes Gewicht zu geben", sagte Schulte-Hillen. "Wenn die Familie nun ein derart starkes Gewicht bekommen soll, wie Mohn es jetzt beabsichtigt, wird das Risiko von Fehlentscheidungen keineswegs kleiner", warnte der Kritiker von Liz Mohn. Vorstandschef Thielen sah sich zwischenzeitlich genötigt, in einem Brief an die Mitarbeiter festzustellen, dass bei Bertelsmann noch immer klar der Vorstand das Sagen habe.

Liz Mohn versucht Wogen zu glätten

Unterdessen versucht auch Liz Mohn die Wogen zu glätten: Sie soll jetzt die Trennung von dem Unternehmensberater Fredmund Malik angeordnet haben, hieß es gestern in Unternehmenskreisen. Der Managementberater saß zuletzt in der Kommission für den angesehenen Carl- Bertelsmann-Preis. Erst im Februar hatte er im Auftrag von Liz Mohn die Bertelsmann-Geschäftspolitik der Neunziger Jahre anlässlich einer Buchvorstellung in Grund und Boden gestampft. Dies hatte die anwesenden Bertelsmann-Manager massiv verstimmt.

Doch für Schulte-Hillen scheint trotzdem kein Platz mehr zu sein. Allerdings gestalte sich die Suche nach einem Nachfolger schwierig, weiß ein Insider. Ein kurzfristiger Abgang Schulte-Hillens geriete damit zu einem Problem.

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