Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.01.2006

10:39 Uhr

Er gibt alten Autos, was sie verdienen, streichelt einen bordeauxroten Mercedes-Benz 200 (W 21) mit besonders weichen Lappen, bringt einen Austin Healey von 1962 auf Hochglanz und auch den Jaguar XK 140 Baujahr 1955.

In den ehemaligen Stallungen von Gut Stachenburg in Merzenich- Golzheim führt Hans Schnock seine Firma DES-Tuning & Classic. Er und seine Mitarbeiter haben sich auf die Pflege und Restaurierung automobiler Klassiker spezialisiert. Und sie haben gut zu tun, denn die Eigentümer alter Autos wollen, dass ihr bestes Stück in Topform ist. Hans Schnock hat viel nachgedacht über die Beziehung zwischen Blech und Mensch: "Für die Besitzer ist der Oldtimer Teil des Egos."

Die Pflege von Ego und Auto kostet viel Geld, selbst wenn der Fan klein anfängt. Wer sich etwa einen alten Austin Healey für 10 000 Euro zulegt, muss anschließend unter Umständen ein Mehrfaches in die Restaurierung stecken. Nicht für alle Teile findet man Ersatz. Dann muss der Restaurator zeigen, was er kann. Häufig baut er Teile nach und berät sich mit Zahnrad- und Getriebeteileherstellern.

Bei der Restaurierung erfüllen die Experten auch Extrawünsche der Kunden. In der Regel dauert es sieben Monate, bis ein Oldie generalüberholt ist. Doch ganz fertig ist so ein Ausnahmeauto eigentlich nie.

"Für Wartungen müssen Oldtimer-Besitzer ungefähr 400 bis 450 Euro im Jahr einrechnen", sagt Oldie-Experte Schnock. Wer regelmäßig mit seinem Alten fahre, solle häufiger als bei einem normalen Auto die Zündkerzen auswechseln und den Vergaser einstellen lassen. Der Fachmann rät auch, das Öl in kürzeren Abständen zu wechseln. Da die Verbrennung der Motoren schlechter ist, könnten sich sonst Rückstände im Öl ablagern.

Der heute 67-Jährige preschte schon vor rund 40 Jahren mit seinem Glas X1 1304 TS über die Rennstrecken im In- und Ausland. Sein Auto machte er damals in der eigenen Kfz-Werkstatt fit und reparierte es selber, wenn etwas nicht funktionierte. Vor 15 Jahren schließlich machte er aus dieser Werkstatt einen Spezialbetrieb für Oldtimer. Er hat sogar einmal einen Ford Escort TC aus den 60ern für Walter Röhrl zusammengebaut, mit dem der mehrfache Rallye-Weltmeister dann 1994 die Rallye Köln-Ahrweiler gewann.

Schnock pflegt auch seinen eigenen Austin Healey 100-6 BN4 Baujahr 1959 liebevoll. Er poliert akribisch Chrom-, Messing- oder die Nickelteile, behandelt das feine Leder der Sitze mit Lederpaste, damit es im Innern nicht bröckelt. Einige Hersteller böten spezielle Pflegemittel für Oldtimer an, aber auch Produkte für ganz normale Autos seien oft nicht zu verachten, sagt der leidenschaftliche Oldie-Liebhaber - und wischt noch mal mit dem weichen Lappen über die Motorhaube.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×