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14.02.2002

18:53 Uhr

Pharmahersteller bleibt zuversichtlich für Krebsmedikament C225

Durststrecke bei Merck verstimmt die Börse

Starke Nachahmer-Konkurrenz für sein bisher wichtigstes Pharmaprodukt belastet den Darmstädter Merck-Konzern im laufenden Jahr. Das Management rechnet mit einem Rückgang des Betriebsgewinns. Zusätzliche Finanzressourcen soll der Börsengang des Laborhändlers VWR erschließen.

p>shf HB FRANKFURT/M. Nach einem Rekordgewinn 2001 richtet sich der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck KGaA auf eine Durststrecke von möglicherweise mehreren Jahren ein. Vorstandschef Bernhard Scheuble prognostiziert für 2002 ein einstelliges Umsatzwachstum und einen Rückgang beim Betriebsergebnis.

Diese Aussicht sowie ein unerwartet schwaches Ergebnis im 4. Quartal bescherten der Merck-Aktie am Donnerstag ein Minus von gut 8 %. Die Schwächephase kommt dabei im Prinzip nicht überraschend. Merck leidet zum einen unter einer schwachen Chemiekonjunktur, insbesondere bei Chemikalien für die Elektronik-Industrie. Zum anderen hat der Konzern für sein wichtigstes Pharmaprodukt, das Diabetesmedikament Glucophage, Ende Januar den Patentschutz in den USA verloren. Vertriebspartner Bristol-Myers-Squibb, der das Mittel in den USA vermarktet, rechnet nun mit einem Umsatzrückgang von bis zu 80 %, was durch die Nachfolgepräparate Glucovance und Glucophage XR allenfalls teilweise aufgefangen werden kann. Die Produktgruppe erzielte im vergangenen Jahr Umsätze von weltweit 3,2 Mrd Euro, wovon 605 Mill. Euro (+48 %) bei Merck verbucht wurden.

Ähnlich wie einige andere Pharmakonzerne steht auch Merck vor dem Problem, dass kurzfristig kaum marktreife Neuentwicklungen zur Verfügung stehen. Für die große Mehrzahl von 19 Produkten in klinischer Entwicklung ist eine Markteinführung frühestens ab 2005 in Sicht. Gleichzeitig ist das bisher am weitesten vorangeschrittene Präparat, das Krebsmedikament C225, in die Schlagzeilen geraten. Für C225 hat Merck vom US-Partner Imclone Systems alle Vertriebsrechte außerhalb der USA erworben. Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat jedoch einen Zulassungsantrag von Imclone für das Medikament zurückgewiesen.

Merck-Chef Scheuble bekräftigte am Donnerstag jedoch, dass die eigenen klinischen Studien davon nicht betroffen seien. Mercks Zulassungsantrag sei unabhängig von den Imclone-Studien in Übereinstimmung mit den Richtlinien der europäischen Arzneimittelbehörde EMEA gestaltet. Man sei nach wie vor zuversichtlich für die Substanz und rechne nicht mit Verzögerungen. Merck will eine Zulassung für C225 in der zweiten Jahreshälfte stellen und hofft, das Produkt 2003 auf den europäischen Markt zu bringen. Seine bisher rund 3-prozentige Beteiligung an Imclone hat der Konzern allerdings bereits im vergangenen Jahr verkauft.

Der resultierende Sondergewinn von 134 Mill. Euro sowie weitere außerordentliche Erträge aus dem Verkauf des US-Generikaherstellers PAR haben maßgeblich dazu beigetragen, dass sich der Nettogewinn von Merck 2001 mehr als verdoppelte, während der Betriebsgewinn nur um 17 % zulegte. Weitere Mittel für die Finanzierung seiner Pharmaprogramme erwartet der Konzern aus dem geplanten Börsengang seiner Laborhandelstochter VWR.

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