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14.01.2003

08:36 Uhr

Pharmakonzern sieht bei Spezialmedikamenten große Wachstumschancen

Schering will Krebstherapie stärken

VonVanessa Liertz (Handelsblatt)

Der weltweit größte Hersteller der Anti-Baby-Pille hält Ausschau nach neuen Umsatzbringern. Dies dürften Medikamente gegen schwere Krankheiten sein. So investiert Schering verstärkt in die Krebstherapie.

BERLIN. Die Berliner Schering AG rechnet auf mittlere Sicht besonders bei neuen Spezialmedikamenten mit kräftigem Wachstum. "Ab 2005 bis 2007 sehen wir aus heutiger Perspektive hier das größte Wachstumspotenzial, zum Beispiel in der Krebsbekämpfung", sagte Vorstandsvorsitzender Hubertus Erlen im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Schon jetzt verbuchten die Spezialtherapeutika - der Geschäftsbereich für Medikamente gegen schwere Krankheiten - überdurchschnittliche Zuwächse, ergänzte er. In diesem Segment ist der Umsatz in den ersten neun Monaten 2002 um 10 % gewachsen, "Aber da ist noch viel Spielraum drin", sagte der Chef des Pharmakonzerns, der im Jahr 2001 einen Umsatz von 4,8 Mrd. Euro erwirtschaftet und einen Konzerngewinn von 418 Mill. Euro verbucht hatte. Für 2003 prognostiziert Erlen ein Wachstum im hohen einstelligen Bereich, wobei der Gewinn etwas stärker zulegen werde als der Umsatz.

Allerdings ist das traditionelle Geschäft mit Verhütungspräparaten für Schering immer noch am lukrativsten. Analysten schätzen, dass die zweite der insgesamt drei Konzernsparten, die Hormonprodukte herstellt, zwar nur etwa ein Drittel des Umsatzes bestreitet, dafür aber die Hälfte des Gewinns.

Daran hat auch der Ärger von Schering mit der US-Zulassungsbehörde FDA nichts geändert, weil davon nur die Hormonersatz-Therapie betroffen war. Die FDA hatte den beiden Schering - Produkten Climara Pro und Angeliq vorläufig die Zulassung verweigert und weitere Daten angefordert. Doch Schering plant konservativ und hatte mögliche Erlöse aus diesen Produkten bisher kaum einkalkuliert.

Analysten halten die Sorge um die Folgen der FDA-Entscheidungen für Schering ohnehin für übertrieben. So stufen heute 26 von 33 Analysten das Schering-Papier auf "halten" oder "kaufen". Wegen der starken Produkte rund um die Schwangerschaftsverhütung sieht Schering bei den Hormonprodukten in den nächsten zwei bis vier Jahren für sich auch weiterhin das größte Wachstumspotenzial.

Danach erhofft sich Erlen bei den Spezialmedikamenten die höchsten Zuwächse. Bisher spielen Krebs-Medikamente im Portfolio von Schering nur eine kleine Rolle: der Konzern erwirtschaftet in diesem Segment rund 8 % des Umsatzes. Aber das Management hat stark in die Sparte investiert: So hat es im vorigen Jahr 380 Mill. $ ausgegeben, um sich mit Leukine ein Produkt für die begleitende Krebsbehandlung zu sichern.

Bereits jetzt vertreibt Schering mit Fludara und Campath Mittel gegen Blutkrebs, das Medikament Zevalin zur Behandlung dieser Krankheit soll 2003 in Europa eingeführt werden. Schering habe noch mehrere Produkte im Forschungsprogramm, sagte Erlen - etwa eine Substanz, mit der die Versorgung der Tumorzellen abgeschnitten und der Krebs damit am Wachstum gehindert werden könne. Zudem halte "eine ganze Abteilung von Fachleuten" Ausschau nach Zukäufen zur Stärkung der Sparte Spezialtherapeutika. Momentan sei dabei aber nichts Konkretes in Sicht.

So wie Schering sehen Pharmakonzerne wie etwa die Schweizer Konkurrenten Novartis und Roche in der Krebstherapie große Chancen. Denn die Erfolge der Medizin bei der Behandlung dieser Krankheit sind noch immer gering. Analystin Meng Si von der Bankgesellschaft Berlin zeigte sich allerdings skeptisch: Noch ist keines der viel versprechenden Produkte auf dem Markt. Die Analystin eines Frankfurter Bankhauses fügte hinzu: "Für Schering wird es entscheidend sein, ob der Konzern mit einem der Spezialtherapeutika aus der Forschung in den kommenden fünf Jahren auch Gewinne machen kann."

Schon heute ist ein Spezialtherapeutikum der größte Umsatzträger bei Schering: Betaferon - ein Mittel gegen Multiple Sklerose. Erlen sagte, damit Betaferon seine Bedeutung behalte, sei entscheidend, möglichst vor den Wettbewerbern eine Version des Medikaments zur oralen Einnahme auf den Markt zu bringen. Die Schering-Konkurrenten Serono (Schweiz) und Biogen (USA) arbeiten bereits an entsprechenden Medikamenten.

Längerfristig gelten auch die Hormonprodukte für den Mann als mögliche Wachstumstreiber; doch die Pille für den Mann kalkuliert der konservativ planende Konzern nicht ein. Erlen: "Noch ist unklar, welche Bedeutung diese Produkte erhalten. Sie könnten theoretisch Umsätze von 1 Mrd. Euro generieren oder aber überhaupt nicht ankommen."

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