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09.06.2000

15:43 Uhr

Reuters JOLO. Ins Geiseldrama auf der philippinischen Insel Jolo kommt offenbar Bewegung. Die Unterhändler der Regierung trafen am Freitag mit den Chefs der Separatistengruppe Abu Sayyaf zusammen. Der philippinische Präsidentensprecher Mike Toledo sagte danach zu Journalisten, die Unterhändler seien jetzt zuversichtlich, dass sich bis Montag, einem National-Feiertag auf den Philippinen, "etwas Substanzielles ereignet". Der auf Jolo eingetroffene deutsche Arzt Horst Heydlauf wollte sich am Samstag mit neuen Medikamenten auf den Weg zu den 21 Geiseln machen, die seit Ostern auf Jolo festgehalten werden. Vier der Geiseln, darunter die Deutsche Renate Wallert, gelten als ernsthaft krank.

"Sie können schreiben, wir bewegen uns", teilte Toledo in einer in Manila veröffentlichten Erklärung mit. Vielleicht gehe es langsam voran, aber die Situation sei auch sehr kompliziert. Zwei der vier Regierungsunterhändler hätten mit dem als "Kommandeur Robot" bekannten Chef der Gruppe Abu Sayyaf und vier weiteren Rebellenchefs gesprochen, deren Namen lediglich mit Kommandeur Global, Dr. Abu, Kommandeur T-40 und Kommandeur Mujid angegeben wurden. Die Gruppe Abu Sayyaf ist die kleinere von zwei Separatistenorganisationen, die die Regierung in Manila zwingen wollen, einen unabhängigen Moslem- Staat für den moslemischen Bevölkerungsteil im Süden zuzulassen.

Die philippinische Regierung hatte die sofortige Freilassung von vier nach ärztlichen Angaben ernsthaft erkrankten Geiseln verlangt, darunter Renate Wallert, die offenbar an Magen-Darm- Beschwerden und Arthritis leidet. Die Südafrikanerin Monique Strydom ist den Angaben zufolge schwanger und muss sich dringend medizinischen Tests unterziehen. Gefordert wird außerdem die schnelle Freilassung des Franzosen Stephane Loisy wegen besonders schwerer emotionaler Schwierigkeiten und der Malaysierin Zulkarnain Haschim, die mehrere Stiche von Skorpionen erlitten habe. Der Besuch einer Ärzte- und Helfergruppe, der für Donnerstag angekündigt war, wurde aus logistischen Gründen auf Samstag verschoben. "Ich bin hier, um zu helfen", sagte der deutsche Arzt Heydlauf vor Journalisten bei der Ankunft auf der Insel Jolo am Freitag.

Insgesamt haben die Geiselnehmer seit Ostern neun Malaysier, drei Deutsche, je zwei Franzosen, Finnen, Südafrikaner und Philippiner sowie einen Libanesen in ihrer Gewalt. Die philippinische Regierung hat wiederholt erklärt, dass sie der politischen Forderung der Rebellen nicht nachkommen will, aber möglicherweise zu wirtschaftlichen Zugeständnissen bereit ist.

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