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30.01.2002

16:36 Uhr

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Plädoyer für Deregulierung

VonDietrich Creutzburg

Im Ringen um das Bündnis für Arbeit werfen die Gewerkschaften den Arbeitgebern stets vor, diese hätten nichts für einen Abbau der Überstunden getan.

DÜSSELDORF. Der Befund ist umstritten. Doch selbst wenn er stimmen sollte, hätte dies dem Arbeitsmarkt nach Ansicht der deutschen Führungskräfte kaum geschadet: Mit einer Mehrheit von 84 % halten sie den Ansatz des Überstundenabbaus für ungeeignet, um neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Viel wichtiger, so die Meinung der überwältigenden Mehrheit, wäre eine Deregulierung des Arbeitsmarkts. Vier von fünf Führungskräften sehen darin den Weg, der wahrscheinlich oder gar mit Sicherheit zu nennenswert mehr Arbeitsplätzen führt. Überdurchschnittlich hoch ist der Anteil in den mittleren und großen Unternehmen. Im Osten ist die Mehrheit derer, die darin einen wichtigen Ansatz der Arbeitsmarktpolitik sehen, mit 70 % etwas geringer als im Westen.

Fragt man weiter, welche Vorschriften gelockert werden müssten, zeigt sich wiederum eine recht klare Präferenz: Der Abschluss befristeter Arbeitsverhältnisse müsste erleichtert werden (72 %), der Kündigungsschutz gelockert werden (68 %). Jeweils gut 40 % fordern, den Rechtsanspruch der Beschäftigten auf Teilzeitarbeit zu streichen und die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall einzuschränken. Tatsächlich hat die rot-grüne Koalition seit 1998 auf allen vier Feldern etwas getan: Sie hat die Lohnfortzahlung wieder erhöht, den Teilzeitanspruch neu eingeführt, befristete Arbeitsverhältnisse erschwert und den Kündigungsschutz verschärft.

Von April an soll nun die bundesweite Einführung von Kombilöhnen nach dem "Mainzer Modell" für Bewegung am Arbeitsmarkt sorgen. Diesem Vorhaben stehen nicht nur die Gewerkschaften skeptisch gegenüber. Mit 52 % gegen 46 % hält auch eine knappe Mehrheit der Führungskräfte die Ausweitung staatlicher Zuschüsse im Niedriglohnsektor für falsch.

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