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08.01.2003

14:09 Uhr

Plan zur Abspaltung von Fiat Auto nimmt konkrete Formen an

Colaninno will Fiat-Steuer übernehmen

Der italienische Unternehmer Roberto Colaninno strebt bei seinem Rettungsplan für den defizitären Auto- und Industriekonzern Fiat auch die Machtübernahme beim Konzern an. Er will außerdem die Partnerschaft mit dem US-Konzern General Motors (GM) auf den Prüfstand stellen.

Reuters MAILAND. In einem Interview mit der Tageszeitung "La Repubblica" sagte Colaninno, er habe das Wissen und das Geld, um seine Pläne zu verwirklichen. "Weil ich derjenige bin, der das Geld gibt, will ich auch der Chief Executive von Fiat werden", sagte Colaninno, der den krisengeschüttelten Autohersteller mit einem milliardenschweren Rettungsplan sanieren will. Der Finanzier sei bereit, einen geringeren Anteil am Konzern als die Gründerfamilie Agnelli hinzunehmen. Dafür wolle er allerdings die unternehmerische Kontrolle über Fiat haben.

Ob Colaninno tatsächlich sein Sanierungskonzept durchsetzen kann dürfte nun vor allem vom Votum der Gläubigerbanken abhängen. Sie hatten sich in der Vergangenheit mehrfach hinter den Restrukturierungsplan von Fiat gestellt, der die Streichung von Tausenden von Stellen und eine Verkaufsoption an General Motors vorsieht. GM hält bereits 20 % an Fiat Auto und könnte gemäß der Vereinbarung dazu gezwungen werden, ab 2004 den Rest ebenfalls zu übernehmen. Der größte private Arbeitgeber Italiens würde dann allerdings aus Detroit kontrolliert. Fiat und GM sind bereits über verschiedene Gemeinschaftsunternehmen verbunden.

Das Bündnis mit GM sei "sehr wichtig und strategisch", aber es sollte "neu verhandelt" werden, sagte Colaninno. Seine Aussagen verhalfen der Fiat-Aktie am Mittwoch zunächst zu einem Kursanstieg. Im Verlauf gab der Kurs um 0,6 % auf 8,97 ? nach.

Unterdessen hieß es aus Finanzkreisen, der Plan zur Abspaltung von Fiat Auto nehme konkrete Formen an. Die Trennung vom Konzern sei Teil eines Kreditabkommens zwischen Fiat und den wichtigsten Gläubigerbanken. Ein Fiat-Sprecher bezeichnete einen Teilungsplan als "Medien-Spekulation".

Die italienische Tageszeitung "Corriere della Sera" hatte berichtet, die Banken wollten bei ihrem Treffen am Mittwoch Vormittag auch über die Möglichkeit einer Abspaltung zu beraten. Nach der Sitzung war allerdings von den Bankenvertretern keine Stellungnahme zu erhalten.

Zugleich berichtete die Finanzzeitung "Il Sole 24 Ore", die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi erwäge eine Beteiligung an Fiat über die staatliche Infrastrukturagentur. Diese dementierte den Bericht aber inzwischen.

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