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31.07.2000

15:23 Uhr

afp KAPSTADT. Die südafrikanische Börse in Johannesburg (JSE) will in diesem Jahr einfach nicht richtig in Gang kommen. Gerade wenn der Motor ein wenig zu laufen scheint, gerät gleich wieder Sand ins Getriebe. Nachdem es Mitte Juli zunächst den Anschein hatte, als ob sich die JSE von dem Rückschlag der fehlgeschlagenen Fußball-WM Bewerbung Südafrikas erholen könne, büßte die Börse in den letzten fünf Handelstagen fast alle Zugewinne gleich wieder ein. Während der Gesamt- und Industrieindex letzte Woche rund 3% einbüßten, tendierte der Goldindex seitwärts.

Platinwerte auf höchstem Stand seit 11 Jahren

Für Lichtblicke sorgten indes einige Rohstoff- und Technologietitel. Beosnders gut entwickelten sich zuletzt die Platinwerte, die wegen der anhaltend hohen Nachfrage nach dem weißen Metall und der noch immer nur sporadischen russischen Lieferungen im Juli auf ihren höchsten Stand in 11 Jahren schnellten. Besonders stark profitierte hier mit Anglo American Platinum (Amplats) der weltweit größte Platinproduzent, der mit 218 Rand auf ein neues Jahreshoch stieg. Händler warnen nun jedoch vor Profitmitnahmen: Die Platinaktien, so heisst es, seien dem Preisanstieg des weißen Metalls inzwischen weit vorausgeeilt und bräuchten eine Atempause.

Didata, Südafrikas größte IT-Firma, legte 10 Prozent zu

Dassselbe gilt auch für Didata, Südafrikas größte IT-Firma, die Mitte Juli in London mit großem Erfolg an die Börse ging und gleich in den ersten drei Handelstagen 10% zulegen konnte. Durch die Aufnahme frischen Kapitals in Höhe von 801,4 Mill. britischen Pfund erhöhte sich der Börsenwert des südafrikanischen Hightech-Unternehmens auf 5,9 Mrd. Pfund. Ein Großteil der aufgenommenen Gelder soll zum Ausbau seiner globalen Präsenz, vor allem in den USA, verwendet werden.

Während Afrika, Europa und Asien gegenwärtig jeweils rund ein Viertel des Umsatzes von Didata ausmachen, steuert der amerikanische Kontinent erst knapp 4% bei. Das Unternehmen ist auf Netzwerke und E-Commerce spezialisiert, die 85% bzw. 15% zum Umsatz in Höhe von 4,6 Mrd. Rand (1,4 Mrd. DM) beitragen. Bei dem Börsengang von Didata in London handelte es sich um die bislang größte Notierung in der britischen Finanzmetropole in diesem Jahr.

Am Kap wurde die Übersiedlung mit gemischten Gefühlen verfolgt. Einige Beobachter befürchten, dass der Umzug von Didata eine neue Abwanderungswelle vom Kap einläuten könnte. Seit dem Übergang Südafrikas von der Apartheid zur schwarzen Mehrheitsherrschaft und der damit verbundenen wirtschaftlichen Öffnung des Landes haben mit den Bergbauhäusern Billiton und Anglo American, dem Bierkonzern SAB sowie dem Versicherer Old Mutual bereits vier Großkonzerne ihre Erstnotierung von Johannesburg nach London verlegt. Die Gesellschaften hoffen, auf diese Weise Kapital zu international wettbewerbsfähigen Bedingungen zu erhalten.

Daneben sind IT-Firmen besonders stark darauf angewiesen, international Fachkräfte anzuwerben, denen sie als Anstellungsanreiz für gewöhnlich Optionen offerieren. Optionen von Firmen aus Schwellenländern sind bei potentiellen Mitarbeitern hingegen weniger gefragt.

Diamantenmarkt

Die weltweit größte Diamantenfirma De Beers litt zeitweise unter der Ankündigung des russischen Diamantenriesen Alrosa, seine Lieferverträge mit dem südafrikanischen Monopolisten zu überdenken. De Beers hat einen Dreijahresvertrag mit Alrosa, der Ende nächsten Jahres ausläuft. Darin verpflichten sich die Russen, Rohdiamanten im Wert von mindestens 550 Mill. $ an De Beers zu verkaufen. Zukünftig wollen die Russen ihre Produktion verdoppeln.

Positiv dürfte sich für De Beers auswirken, dass sich die Diamantenindustrie auf ihrem Weltkongreß in Antwerpen darauf einigte, strikt gegen den Handel mit so genannten 'Bluttdiamanten" vorzugehen, die zur Finanzierzung von Bürgerkriegen in Afrika dienen. Um den Handel zu unterbinden, sollen mit sofortiger Wirkung alle legalen Schlupflöcher geschlossen werden, durch welche die Diamanten bislang in den Markt gelangen. Ein Zertifikationssystem über die Herkunft der Steine und harte Strafen gegen Sanktionenbrecher gehören ebenfalls dazu.

De Beers Schwesterfirma Anglo American machte zuletzt mit einem Angebot für den australischen Eisenerzförderer North in die Schlagzeilen. Sollte Anglo den Übernahmekampf gegen den britischaustralischen Rivalen Rio Tinto gewinnen, würde dies der Gruppe eine Einstiegsluke in den Eisenerzmarkt eröffnen.

Regierungsanleihe R 150 und Rand

Die richtungsweisende Regierungsanleihe R 150 bewegte sich im Juli fast durchweg in einer Spanne zwischen 13,1 und 13,3 %. Der Rand verzeichnete hingegen zuletzt sowohl gegenüber dem Dollar als auch dem Euro leichte Verluste.

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