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13.07.2000

14:37 Uhr

vwd TOKIO. Die japanische Kaufhaus Sogo Co-Kette hat am Donnerstag drei von landesweit 26 betriebenen Warenhäusern geschlossen, nachdem sie am Vortag Konkurs anmelden musste. Sogo hinterlässt Verbindlichkeiten von 1,870 Bill Yen und hat nach Meinung von Analysten damit eine der folgenreichsten Insolvenzen in der Geschichte Japans verursacht. Ob und in welcher Form Filialen in Japan weiter existieren werden, sei bisher noch unklar.

Die Vorgeschichte dieses Konkurses zeige, dass die Auseinandersetzung zwischen traditionellen und reformorientierten Kräften um den richtigen wirtschaftlichen und politischen Kurs in Japan noch nicht abgeschlossen ist, schreibt dazu das Asian Wall Street Journal (AWSJ). Das sogenannte "Alte Japan" befürworte eine enge Verflechtung von Politik und Wirtschaft. So würden Unternehmen, die im Markt nicht überlebensfähig sind, staatlich subventioniert. Kritiker werfen der Politik vor, diese Praxis sei für die Öffentlichkeit nicht transparent und fördere die Korruption. Sie träten für eine marktorientierte Wirtschaftspolitik nach US-Vorbild ein.

Vor diesem Hintergrund könne der Sogo-Konkurs als ein Barometer für die Machtverhältnisse in Japan angesehen werden. Dass Funktionäre der regierenden Liberaldemokratische Partei (LDP) und Vertreter der Banken an einem solchen Fall beteiligt sind, sei nicht ungewöhnlich. Entscheidend für den Konkurs der schon seit einigen Jahren kriselnden Einzelhandelskette, sei das Verhalten der japanischen Öffentlichkeit gewesen.

Nachdem bekannt wurde, dass die Regierung durch das staatseigene Versicherungsunternehmen Deposit Insurance Corp eine Stützungsaktion für den angeschlagenen Einzelhandelskonzern starten wollte, blieben die Kunden den Filialen von Sogo fern. Dies müsse als eindeutige Botschaft an die Adresse der Regierung interpretiert werden, Steuergelder nicht länger für die Sanierung maroder Unternehmen zu verwenden.

Die seit Jahren in Japan regierende LDP hatte Sogo ursprünglich mit einer Stützungsaktion von insgesamt sechs Mrd $ retten wollen. Davon sollten 905,2 Mrd $ durch Kredite der öffentlichen Hand abgedeckt werden. Bereits seit 1994 war der Rechtsprofessor Hiroo Mizushima, der praktisch die Geschäftspolitik von Sogo bestimmte, in die Kritik geraten. Mizushima wurde eine planlose Expansionsstrategie vorgeworfen. Er glaubte, durch Gründung einer Filiale steige der Wert der benachbarten Flächen und erwarb deshalb in Erwartung der Steigerung des Wiederverkaufswertes zahlreiche Immobilien.

Diese Zukäufe rentierten sich jedoch nicht. Auch den Vertretern der beiden Hauptgläubigerbanken, der Industrial Bank of Japan sowie der Long-Term Credit Bank of Japan, die seit 1994 beratend im Vorstand saßen gelang es nicht, eine Wende herbeizuführen. Anfang April gab Sogo Präsident Kyoichi Yamada bekannt, die Verbindlichkeiten der Gruppe seien auf 1,7 Bill Yen aufgelaufen. Bei 73 Banken bat der Konzern daraufhin um Schuldenerlass. Die Industrial Bank of Japan, der ehemalige Arbeitgeber von Geschäftsführer Hiroo Mizushima, willigte umgehend ein.

Die Long Credit Bank, -Term die nach ihrem Zusammenbruch 1998 von US-Investoren übernommen worden war, weigerte sich dagegen zuzustimmen. Sie machte von dem in Japan geltenden Recht Gebrauch, uneinbringliche Kredite an die Regierung abzutreten. So lag es bei der Regierung, ein Entscheidung über die weitere Existenz von Sogo zu treffen. Die Liberaldemokraten beschlossen, das Unternehmen zu retten und entwarfen einen Stützungsplan, der auch die Vergabe öffentlicher Kredite vorsah. Jedoch gipfelte diese Politik in einem Kundenboykott, der die Umsätze rapide sinken ließ. Daraufhin zog die LDP, die um ihr Wählerpotenzial fürchtete, die Zusage zurück, Sogo zu stützen.

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