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30.01.2003

21:57 Uhr

Plüschkatzen fühlen Kinderhände

Elektronik in Spielwaren wird immer ausgefeilter

VonJoachim Hofer

In den USA waren elektronische Katzen im Weihnachtsgeschäft der Hit bei den Kindern. Jetzt kommen die Hightech-Tiere auch nach Deutschland. Und nicht nur das: Auch Brettspiele und Puppen werden nun mit Chips gesteuert.

NÜRNBERG. Die kleinen Plüschkatzen sehen aus wie echt. Nur: Die Viecher stinken nicht, pinkeln nicht in die Ecke und müssen auch nicht geimpft werden. Zudem gibt es keinerlei Allergiegefahr. Ideale Spielgefährten für Kinder also. Einen Nachteil haben die knuffigen Kätzchen des amerikanischen Spielzeug-Konzerns Hasbro allerdings: Sie sind ganz und gar künstlich. Doch ausgefeilte Elektronik garantiert, dass Geräusche, Bewegungen und Mimik der Katzen den lebenden Originalen nahe kommen. Sechs unter dem Fell versteckte Sensoren sorgen dafür, dass das Plüschtier, wenn es Berührungen spürt, anfängt zu schnurren. Außerdem registriert ein weiterer Sensor Lichtveränderungen.

Hasbro liegt mit seinen elektronischen Katzenbabys voll im Trend. Selbst traditionsreiche Spieleverlage wie die Ravensburger AG setzen in ihren Brettspielen mittlerweile auf Elektronik. "Das gab?s noch nie", freut sich Ravensburger-Chef Karsten Schmidt auf der derzeit laufenden Nürnberger Spielwarenmesse über den nach seinen Angaben ersten elektronisch gesteuerten Spielplan. Schmidt: "Wir bringen die Technologie des Computers ins Brettspiel."

Der Spielplan des neuen Spiels "King Arthur" ist mit leitender Farbe überzogen, die den Standort der Spielfiguren erfasst und weitergibt. Ein Chip steuert das Spiel, und über Lautsprecher bekommen die Mitspieler Anweisungen. So lässt sich das Ritterspiel sogar alleine bestreiten. 15 Monate haben die Schwaben an ihrer Neuheit getüftelt, die von Herbst an für 55 Euro im Handel sein soll. Falls "King Arthur" bei den Kunden gut ankommt, sollen weitere elektronische Brettspiele folgen, verspricht Ravensburger.

Der Siegeszug der Elektronik beschränkt sich nicht auf Brettspiele und Plüschtiere. Inzwischen sind auch Puppen verkabelt. "Die Funktionalität unserer Puppen wird technisch immer ausgefeilter", sagt Thomas Eichhorn, Chef der Zapf Creation AG, des Marktführers. Schon seit einigen Jahren reagiert Zapfs "Baby Annabell" auf Berührungen und Geräusche. Das ist aber nicht alles: Jetzt wurde die Puppe um Gesichtsbewegungen ergänzt. Die kleine Annabell gähnt, und beim Schlafen atmet sie gleichmäßig. Durch Lärm wird die kleine Spielgefährtin wieder wach. Trotz des Computerchips im Inneren verspricht Eichhorn, dass aus den Puppen keine Roboter werden sollen: "Das wird immer etwas zum Liebhaben sein."

So wie kleine Mädchen an ihren Puppen hängen, kümmern sich erwachsene Männer seit Jahrzehnten innig um ihre Modelleisenbahn. Gewiss, die Lokomotiven und Waggons waren schon immer etwas für Technik-Fans. Doch die Miniaturisierung eröffnet jetzt ganz neue Möglichkeiten. Die Tüftler von Marktführer Märklin haben nun sogar in Lokomotiven winzige Motoren eingebaut, mit denen Modellbahner die Dachstromabnehmer in vorbildgetreuer Geschwindigkeit ein- und ausfahren können. Hinter der Neuheit steht ein so genanntes Piezo-Element. Die Schwingung des Elementes wird auf ein Triebrad übertragen. Mit jeder Bewegung wandert das Rad um einige Mikrometer hoch oder runter.

Die Digitalisierung eröffnet zudem ganz neue Möglichkeiten: Vom Computer aus können die Hobby-Bahner Anfahr- und Bremsverzögerung steuern sowie verschiedene Töne ihrer Lokomotiven einstellen.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung möchte die Faszination von Kinder und Jugendlichen für elektronisches Spielzeug jetzt gezielt nutzen. In den kommenden drei Jahren steckt die Behörde eine Million Euro in ein Roboterprojekt für Mädchen. Weil sich Mädchen im Gegensatz zu Jungen stark für Umweltthemen interessieren, sollen die Roboter für naturwissenschaftliche Themen eingesetzt werden.

Ob die Mädchen sich damit so begeistern lassen wie das Publikum auf der Spielwarenmesse? Dort sorgen Indoor-Fluggeräte, die aussehen wie fliegende Untertassen für riesiges Interesse.

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