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22.06.2016

17:14 Uhr

Brexit-Angst

Briten wollen ihre Pfunde loswerden

VonMichael Maisch

Die Briten haben Angst vor einem Brexit und tauschen kurz vor dem Referendum noch schnell die eigene Währung gegen Euro und Dollar. Aber es sind nicht nur die Sparer, die die Turbulenzen am Devisenmarkt fürchten.

Wie hier in London herrschte am Mittwoch großer Ansturm an den Wechselstuben. Reuters

Schlange stehen für Dollar und Euro

Wie hier in London herrschte am Mittwoch großer Ansturm an den Wechselstuben.

London„Wer weiß, vielleicht wachen wir am Freitagmorgen auf, und sind plötzlich um 20 Prozent ärmer.“ Der Satz stammt von einem hochrangigen Banker aus der Londoner City. Dass das nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt sich ein paar Schritte um die Ecke bei einer der vielen Wechselstuben in der Londoner City. Eine lange Schlange zieht sich bis nach draußen auf den Bürgersteig, und das nicht, weil die Briten eben gerne Schlange stehen, sondern weil sie Angst vor einem Brexit haben.

Einen Tag vor der entscheidenden Volksabstimmung treibt die Menschen die Furcht um, dass ein Ja zum EU-Ausstieg einen Absturz des Pfundes auslöst, und der Urlaub im Ausland plötzlich sehr viel teurer wird. Also stellen sie sich brav an, um ein paar hundert Pfund in Euro oder Dollar umzutauschen. Die britische Post meldet seit dem Wochenende einen Anstieg im Devisenhandel von 74 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auf dem Onlineportal des UK Post Office ist die Nachfrage nach Fremdwährungen sogar um mehr als 380 Prozent gestiegen.

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Was den Märkten nach dem Brexit-Referendum droht

Sagen die Briten der EU „Bye Bye“, droht an den Finanzmärkten der Absturz. Eine Abwertung des Pfund Sterling sowie Kursverluste an den Börsen wären die Folge. Aber auch ein Verbleib in der Union wird Spuren hinterlassen.

Seit Tagen schwankt das Pfund heftig im Rhythmus der Meinungsumfragen. Gewinnen die Brexit-Fans an Boden, gerät die Währung ins Rutschen, holen die EU-Freunde auf, legt der Wechselkurs zu. Anfang der Woche erlebte das Pfund die größten Gewinne seit acht Jahren. Sollte es allerdings doch zum Abschied aus der EU kommen, sagen Analysten mittelfristig ein Abrutschen des Wechselkurses um bis zu 25 Prozent voraus.

Die Devisenhändler in der City bereiten sich auf eine nervenaufreibende Nachtschicht von Donnerstag auf Freitag vor, denn das Abstimmungsergebnis könnte so knapp werden, dass sich erst im Morgengrauen absehen lässt wie sich die Briten entschieden haben. Einige Banken haben ihre Großkunden bereits darauf vorbereitet, dass ihre Systeme dem Ansturm nicht gewachsen sein und Orders sich verzögern könnten.

Wie groß die Angst vor den Turbulenzen am Devisenmarkt ist, zeigt die Reaktion des prominenten Fintech-Unternehmens Transferwise, das billige Auslandsüberweisungen ermöglicht. Normalerweise zumindest – denn Transferwise fordert seine Kunden auf, alle Pfund-Transfers noch am heutigen Mittwoch auf den Weg zu bringen, oder bis Freitag zu warten.

Auch die britischen Investmentfonds werden wegen des Referendums immer nervöser und horten im großen Stil Bargeld, um bei einem Brexit gegen Geldabflüsse gewappnet zu sein. Im Schnitt hielten die Fonds Ende Mai sechs Prozent Bargeld und damit so viel wie seit November 2011 nicht mehr, wie aus Daten von Thomson Reuters Lipper hervorgeht.

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