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22.06.2016

10:58 Uhr

Brexit

Britische Fonds müssten mit höheren Kosten rechnen

Wenn die Briten aus der EU austreten, würden britische Fonds ihre Zulassung verlieren – und müssten umziehen. Das dürfte für die Branche und ihre Kunden teuer werden.

Bei einem Brexit dürfte es zu Abwanderungen der Fondsgesellschaften kommen. dpa

Londons Finanzzentrum

Bei einem Brexit dürfte es zu Abwanderungen der Fondsgesellschaften kommen.

Frankfurt/LondonMehr Bürokratie, höhere Kosten, steigende Gebühren - Ein „No“ der Briten zur Europäischen Union könnte für Fondsanbieter und ihre Kunden teuer werden. Nach einem Brexit wäre es Investmentgesellschaften mit Sitz in Großbritannien Fachleuten zufolge nicht mehr erlaubt, ihre Fonds in der EU zu verkaufen.

Sie müssten neue Gesellschaften gründen oder sich eine Art Vertriebszulassung kaufen, um weiterhin Zugang zum EU-Markt zu haben. Profitieren könnten vor allem die Fondszentren Dublin und Luxemburg, die schon jetzt den Markt beherrschen. Deutschland spielt dagegen nur eine untergeordnete Rolle.

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Im Kern der Diskussion steht der "EU-Pass" - im Fachjargon für die Fondsbranche auch UCITS ("Undertakings for Collective Investments in Transferable Securities") genannt. Mit ihm können Investmentfirmen aus einem EU-Land ihre Fonds in allen anderen EU-Ländern vertreiben. Es gilt nur eine Meldepflicht, aufwendige Zulassungsverfahren sind seit Inkrafttreten der Regeln vor ein paar Jahren nicht mehr nötig. Steigen die Briten nun aus der EU aus, fällt Experten zufolge die Zulassung weg.

Betroffen wären neben britischen Häusern Fondsgesellschaften aus den USA und Asien, die London als ihren Europa-Standort gewählt haben. "Die Briten werden dann erst einmal ein Drittstaat per Definition", sagt Finanzaufsichtsexperte Bernd Geier von der Anwaltskanzlei Dentons. "Sie müssten bilateral mit der EU verhandeln, um den EU-Pass für den Fondsvertrieb wieder zu erlangen."

Um wieder an eine Vertriebszulassung zu kommen, müssten die Fondsanbieter zum Beispiel neue Gesellschaften in einem EU-Land gründen, sagt Julie Patterson, Leiterin des Bereichs Investment Management bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG.

Möglich sei auch, Fonds über einen Drittanbieter zu verkaufen und diesem dafür eine Gebühr zu zahlen. Viele Hedgefonds von der anderen Seite des Atlantiks machten das bereits. "Die Frage ist, ob man erst einmal nur den rechtlichen Sitz der Firma verlegt, oder ob auch die Abwicklung von Fonds vom neuen Standort aus betrieben wird", sagt Wirtschaftsprofessor Martin Hellmich von der Frankfurt School of Finance & Management.

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