Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.06.2016

13:45 Uhr

Brexit-Referendum läuft

Ein Kreuz, das Geschichte schreibt

Remain oder Leave? Die Brexit-Abstimmung läuft, erwartet wird eine eher hohe Wahlbeteiligung. Wie das Referendum über den Verbleib in der EU ausgehen wird, ist völlig offen. Unsere Reporter berichten aus Großbritannien.

Handelsblatt Live

Independence Day? Unterwegs am Tag des Referendums

Handelsblatt Live: Independence Day? Unterwegs am Tag des Referendums

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

London/Edinburgh/ManchesterWahllokalleiter Brian hat einen langen Tag vor sich. In seiner „Polling Station“ im Gemeindezentrum des ehemaligen Arbeiterviertels Haggerston im Osten Londons können heute rund 1000 Briten abstimmen. Bis um 22 Uhr abends können sie entscheiden, ob ihr Land weiter Mitglied der Europäischen Union bleiben soll oder nicht. Es ist eine historische Abstimmung, dieses dritte Referendum in der Geschichte Großbritanniens. Für die Briten, aber auch für ganz Europa.

Brian hat sich schon längst per Briefwahl entschieden: „Wir können nicht austreten“, sagt der 59-Jährige. „Sicher, es läuft nicht alles wie es sollte. Aber genau deswegen können wir nicht einfach gehen: Wir müssen das in Ordnung bringen. Europa ist wichtig.“ Schon früh am Morgen sind die ersten zum Wahllokal gekommen. Trotz des Wetters. Es regnet in Strömen nach einer Nacht mit heftigen Gewittern. Züge fallen aus, Taxen sind schwer zu bekommen. Doch über den Vormittag klart der Himmel auf.

Bereits um neun Uhr morgens gibt David Cameron im Zentrum Londons seine Stimme zusammen mit seiner Frau Samantha ab. Hand in Hand gehen beide ins Wahllokal – Cameron wirkt angespannt. Auch seine politische Zukunft hängt an der Entscheidung dieses Tages. Vier Monate lang hat er gekämpft, um seine Landsleute von einem Verbleib in der EU zu überzeugen.

In London überwiegt die Zahl derer, die in Camerons Sinn stimmen werden. Viele Menschen arbeiten bei Banken, Versicherungen, im IT-Bereich. Sie sehen vor allem die ökonomischen Vorzüge der EU und wollen bleiben. Wie der Banker Sumi Ariaraj, der im Wahllokal Artizan Street Library in der Nähe der Station Liverpool Street für den Verbleib gestimmt hat.

Im Stadtteil Islington, in dem beispielsweise Greenpeace seinen Sitz hat, gehen die Menschen meist noch vor der Arbeit ins Wahllokal. Sie haben hier eine Meinung, wollen mitentscheiden, ihren Beitrag leisten. Es sind Menschen wie Phil Gardener, die am Bahnhof King’s Cross stehen – den Regenschirm in der rechten Hand, das „Vote Remain“-Schild in der linken – und trotz des schlechten Wetters lächeln. Viele hier fühlen sich als Europäer, reden offen darüber, wo sie ihr Kreuz gemacht haben.

Auch in Brians Wahllokal überwiegen am Morgen die Anhänger eines Verbleibs in der EU. So wie Darran, Anzug, Anfang 30, der gerade mit einer Frühstücksbanane in der Hand aus Brians Wahllokal kommt. Er ist auf dem Weg ins Büro in die Londoner City und hat sein Kreuz bei „Bleiben“ gesetzt. Er glaubt, dass es besser ist für Großbritannien, in der Europäischen Union zu sein.

Brexit-Referendum: Der Zeitplan

Donnerstag 8.00 Uhr

Die Wahllokale öffnen.

Donnerstag 23.00 Uhr

Die letzten Wahllokale schließen. Die Auszählung beginnt. Hochrechnungen gibt es nicht.

Nacht zum Freitag

Ergebnisse der 382 Wahlbezirken werden nach und nach bekannt gegeben. Sie sind nicht repräsentativ.

Freitagmorgen

Die Wahlkommission veröffentlicht ein vorläufiges Endergebnis.

Freitag 11.00 Uhr

In Brüssel treffen sich die Spitzen der EU, um über den Ausgang des Referendums und die Folgen zu beraten.

Doch es gibt auch andere Stimmen: Patrick etwa hat den Austritt angekreuzt. Warum? „Weil ich es will“, sagt er und lacht. Man sieht dem 62-Jährigen an, dass er hart gearbeitet hat im Leben. Der Mann in grauer Jogginghose und Kapuzenpullover sieht vor allem in der Zuwanderung ein Problem. Einer seiner Söhne ist Arbeiter und hat schon seit eineinhalb Jahren keinen Job mehr. „Die Rumänen bekommen die Jobs“, sagt er. Er hofft, dass sich die Brexit-Befürworter durchsetzen. „Mir reicht's.“

Kommentare (11)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

franz meersdonk

23.06.2016, 14:07 Uhr

nix ist offen, die bleiben sowieso drinnen. eingentlich schade, denn ich hätte mir was mehr stimmung und hektik in der eu gewünscht. leider tut ja selbst griechenland uns nicht den gefallen.
ich würde uns allen mal einen 2-3 tägigen internetausfall weltweit gönnen, eine geschenkte auszeit für alle und welch überraschung die welt gibts danach immer noch, aber vielleicht keine banken, konzerne, oder überflüssige beamte mit pensionsansprüchen. die/den eine/anderen davon soll es in europa ja geben :-)

Account gelöscht!

23.06.2016, 14:14 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

Herr Thomas Becker

23.06.2016, 14:20 Uhr

Allerköstlichst wie man mit der Hilfe von Junk Medien, die's auf der Insel ja zu Hauf gibt
die einfachen Leute für ne Abstimmung gehirnwäschen kann.
Tatsächlich glauben fast 50% der Briten die beiden dreistesten Lügen:
- UK zahlt jede Woche 350Mio. Pfund an die EU (tatsächlich sinds vergleichsweise niedrige 110)
- Die Türkei wird demnächst EU Mitglied und dann dürfen 75Mio. Türken ungehindert auf die Insel auswandern.
Pruuuust, loooool
Dann käme endlich mal Leben auf die Insel.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×