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21.06.2016

11:31 Uhr

Brexit und EM

Das zerrissene Fußball-Land

VonDiana Fröhlich

Fußball ist weit mehr als nur ein Sport. Eigene Identität und die Zugehörigkeit zu einer größeren Gemeinschaft spielen dabei zusammen. Doch Engländer, Waliser und Nordiren stecken derzeit im Zwiespalt.

Fußball und Politik lassen sich in diesen Tagen kaum trennen. Reuters

Englands Kapitän Wayne Rooney

Fußball und Politik lassen sich in diesen Tagen kaum trennen.

London90 Minuten lang einem Ball hinterherlaufen, ein Tor schießen – oder eines zu verhindern. Dieser Sport heißt Fußball und doch ist es weitaus mehr als nur ein Spiel. Experten wissen längst, wie groß seine Integrationskraft ist. Hier werden die Werte einer Gesellschaft vermittelt. Wer sich durchsetzt und seinen Platz in der Mannschaft findet, der findet ihn auch in der Gemeinschaft. Fußball ist identitätsstiftend.

Während der Fußball-Europameisterschaft, die gerade in Frankreich stattfindet, kann man genau das beobachten. Hier zeigt sich, wie sich die Nationen selbst feiern. Jede kämpft um das Weiterkommen im Turnier. Emotionen spielen eine große Rolle. Überschwängliche Freude über den Sieg, große Trauer über die Niederlage. Wer will, dass sein Land erfolgreich ist, der unterstützt es.

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Come on, England!

Nach der Gruppenphase muss sich England bei der Fußball-EM mit dem zweiten Platz begnügen. Die Spiele am Montagabend standen ganz im Schatten des EU-Referendums. Doch der Fußball kann die Politik durchaus beeinflussen.

In Großbritannien ist das derzeit gar nicht so einfach. Zum einen haben sich gerade die Waliser und Engländer für das Achtelfinale qualifiziert. So weit, so erfreulich. Doch bereits am Donnerstag stimmt das Land darüber ab, ob es Teil der EU bleiben will.

Es ist eine schwierige Aufgabe, vor der die Menschen stehen. Sie lieben ihre Fußballer, lieben die jeweilige Nation, die sie vertreten und die um den Titel kämpft. Mit ihr identifizieren sie sich. Und sie müssen sich entscheiden, ob sie gleichzeitig ihren Platz in dieser europäischen Gemeinschaft aufgeben wollen.

Wer mit den Menschen auf Londons Straßen spricht, der merkt, wie kompliziert das alles ist. Wie die Briten versuchen, den Fußball aus der Politik herauszuhalten. Doch in diesen Tagen geht das kaum. Wie stolz bin ich auf meine Nation, die in Frankreich Europameister werden kann? Und wie wichtig sind mir die Werte, die Brüssel vertritt?

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Die englische Premier League hat sich bereits für einen Verbleib des Vereinigten Königreichs in der EU ausgesprochen. Nationalstolz und Zusammenhalt schließen sich nicht aus. „Die Liga steht für Offenheit. Es wäre komplett unpassend, wenn wir eine dazu völlig andere Position vertreten würden", sagte Liga-Boss Richard Scudamore in einem Interview mit der BBC Radio. Man sei überall auf der Welt willkommen und anerkannt, weil man immer eine globale Zusammenarbeit angestrebt habe.

Auch wenn Herr Scudamore mehr die wirtschaftlichen Vorteile sehen mag, liegt er dennoch nicht ganz falsch. Die eigene Identität und die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft müssen sich ja nicht ausschließen.

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