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24.06.2016

20:27 Uhr

Clinton-Herausforderer in Schottland

Erst Brexit – und dann kam auch noch Trump

VonChristoph Kapalschinski

Es war wie der Fiebertraum eines Brexit-Gegners: Plötzlich stand Donald Trump auf einem schottischen Golfplatz – und fand seine ganz eigene Erklärung für den Austritt der Briten aus der EU: Obama und Hillary sind schuld.

Der US-Präsidentschaftskandidat nutzt den Brexit medial für seine Kampagne: „Make America Great Again“ AP

Donald Trump mit Dudelsackspielern

Der US-Präsidentschaftskandidat nutzt den Brexit medial für seine Kampagne: „Make America Great Again“

TurnberryAlles kündigte sich leise an. Sicherheitsleute in Schwarz sind schon am Vorabend auffällig unauffällig durch das Örtchen Turnberry an der schottischen Westküste geschlichen. Ungewöhnlich auch, dass an diesem Referendums-Abend ein Transporter mit einer Tauchereinheit der Polizei um die Ecke bog.

Und dann, neun Stunden später, ist es, als würde ein Fiebertraum der Brexit-Gegner wahr. Gerade eine Stunde ist das offizielle Referendums-Ergebnis alt. Vor wenigen Minuten hat Premier David Cameron zerknirscht seinen Rücktritt für Oktober angekündigt, da zerreißt am Freitag der Lärm eines Hubschraubers die Stille über dem Strand. Auf der Maschine fünf große Buchstaben: TRUMP.

Der leise Auftritt ist nicht Sache des US-Präsidentschaftskandidaten – auch wenn Donald vorgeblich in seiner Eigenschaft als Immobilienunternehmer einfliegt. Sein Sohn Eric hat in den vergangenen Jahren das Nobelhotel „Trump Turnberry“, 30 Meilen südlich von Ayr, renoviert. Der imposante Bau ist weiß, innen auch golden, und liegt in einer atemberaubenden Landschaft mit Blick auf die Irische See. Der berühmte Vater soll nun den umgestalteten Golfplatz einweihen – ein lang angekündigtes Spektakel. 350 Journalisten, viele davon eigens aus den USA angereist, warten auf Trump und machen aus dessen Europatrip die wohl meistbeachtete Wiedereröffnung eines Golfplatzes.

Der Fahrplan nach dem Brexit-Votum

Freitag, 24. Juni

- Brüssel: Die Fraktionsvorsitzenden im Europaparlament tagen (08.00 Uhr).

- Brüssel: Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) gibt eine Erklärung ab (09.30 Uhr).

- Brüssel: Spitzentreffen von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker, Ratspräsident Donald Tusk, Parlamentspräsident Schulz sowie dem niederländischen

- Regierungschef Mark Rutte, dessen Land derzeit den EU-Vorsitz innehat (10.30 Uhr).

- Luxemburg: Treffen sozialdemokratischer Außenminister der EU, darunter Frank-Walter Steinmeier und sein französischer Kollege Jean-Marc Ayrault (11.30 Uhr).

- Luxemburg: Rat für allgemeine EU-Angelegenheiten, der den EU-Gipfel in der kommenden Woche vorbereitet (14.30 Uhr).

Samstag, 25. Juni

- In Berlin beraten die Außenminister der EU-Gründerstaaten über die Lage (Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Belgien, Niederlande und Italien)

Montag, 27. Juni

- Brüssel: Sitzung der EU-Kommission

- Brüssel: Mögliche Sondersitzung des Europaparlaments (oder Dienstag)

Dienstag, 28. Juni

- Brüssel: Die EU-Staats- und Regierungschefs kommen zu einem zweitägigen Gipfel zusammen

Trump wäre nicht Trump, wenn er den Termin nicht nutzen würde. Sorgfältig ausgesucht der Ort – Loch neun, zwischen einem pittoresken Leuchtturm und den Steilklippen. Eine riesige schottische Flagge weht über der Szenerie. Die Sitzordnung ist klar: ein Rednerpult mit dem goldenen Logo des Resorts. In der ersten Reihe ausgesuchte Hotelmitarbeiter, dann die Journalisten, dahinter die Kameras, dann noch mehr Kameras, sodann die Mitglieder des Golfclubs – meist ältere Herren und sorgfältig ondulierte Damen.

Doch trotz generalstabsmäßiger Planung beginnt die Pressekonferenz mit einem Zwischenfall: Ein Störer will Trump eigens angefertigte Turnberry-Golfbälle überreichen – mit Hakenkreuz auf rotem Grund, eine Provokation. „Get him out“, weist Trump kühl die folgsame Security an.

Dann beginnt die Trump-Show: Lässig plaudert er über seine Mutter aus Schottland, die genau dieses Hotel so geliebt habe, das ihm nun gehört. Über die „wunderbare, wirklich wunderbare“ Ehe dieser Frau. Kurz dürfen auch die Kinder sprechen – und dem Vater danken, der ihnen immer ein guter Mentor gewesen sei. „Wir lieben dich sehr“, sagt Eric. „In einem Familienunternehmen zu arbeiten, gilt als schwer – aber nicht mit dir“, lobt Donald junior. „Dieses Projekt verdeutlicht deine großzügige Vision von Exzellenz“, schwärmt Ivanka.

Nach der Vorrede beginnt das, auf das alle Journalisten – mit Ausnahme der Golfexperten von Sky Sport – gewartet haben: eine der inzwischen legendären Fragestunden mit Trump. In denen redet der Milliardär so frei wie kaum ein Politiker sonst.

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