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24.06.2016

16:01 Uhr

Finanzplätze nach Brexit-Votum

Frankfurt wartet auf seine Chance

Die deutsche Finanzmetropole Frankfurt könnte zum Krisengewinner des britischen Austritts aus der EU werden. Gleichzeitig sorgt der Brexit aber auch dort für Sorgenfalten. Denn die Schwächung der EU wiegt schwer.

Kapitalmarktexperte zum Brexit-Votum

„Das ist es noch nicht gewesen“

Kapitalmarktexperte zum Brexit-Votum: „Das ist es noch nicht gewesen“

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FrankfurtWenn ein Konkurrent eine strategisch fragwürdige Entscheidung trifft, ist das normalerweise ein Grund, die Korken knallen zu lassen. Auch bei konkurrierenden Finanzstandorten ist das normalerweise so – doch die mögliche Schwächung der Londoner City sorgt in Frankfurt am Main, Kontinentaleuropas Bankenplatz Nummer eins, am Freitag eher für Sorgenfalten.

„Natürlich glauben wir, dass Frankfurt als Finanzplatz durch den Brexit gestärkt wird“, sagt Thomas Schlüter, Sprecher des Bundesverbands deutscher Banken. Anlass zum Jubeln biete das aber keineswegs, denn die Schwächung der EU wiege für die Branche deutlich schwerer als mögliche Zugewinne in Frankfurt. „Es ist insgesamt ein schwarzer Tag für Europa“, stellt Schlüter fest.

Dabei sei noch völlig unklar, in welchem Ausmaß sich der Brexit in Frankfurt auswirken wird. „Im Moment haben wir nur das Votum“, sagt der Banken-Sprecher. Es gelte nun, möglichst bald Klarheit über die künftigen Beziehungen zwischen der EU und dem Königreich zu schaffen. Denn „eine jahrelange Hängepartie wäre das Schlimmste“.

Der Fahrplan nach dem Brexit-Votum

Freitag, 24. Juni

- Brüssel: Die Fraktionsvorsitzenden im Europaparlament tagen (08.00 Uhr).

- Brüssel: Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) gibt eine Erklärung ab (09.30 Uhr).

- Brüssel: Spitzentreffen von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker, Ratspräsident Donald Tusk, Parlamentspräsident Schulz sowie dem niederländischen

- Regierungschef Mark Rutte, dessen Land derzeit den EU-Vorsitz innehat (10.30 Uhr).

- Luxemburg: Treffen sozialdemokratischer Außenminister der EU, darunter Frank-Walter Steinmeier und sein französischer Kollege Jean-Marc Ayrault (11.30 Uhr).

- Luxemburg: Rat für allgemeine EU-Angelegenheiten, der den EU-Gipfel in der kommenden Woche vorbereitet (14.30 Uhr).

Samstag, 25. Juni

- In Berlin beraten die Außenminister der EU-Gründerstaaten über die Lage (Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Belgien, Niederlande und Italien)

Montag, 27. Juni

- Brüssel: Sitzung der EU-Kommission

- Brüssel: Mögliche Sondersitzung des Europaparlaments (oder Dienstag)

Dienstag, 28. Juni

- Brüssel: Die EU-Staats- und Regierungschefs kommen zu einem zweitägigen Gipfel zusammen

Zugleich rüsten sie sich aber für die tektonischen Verschiebungen in der europäischen Banken-Landschaft. „Die Konsequenzen lassen sich noch nicht vollständig absehen. Sie werden aber für alle Seiten negativ sein“, sagte der Vorstandschef der Deutschen Bank, John Cryan. Der Brite fügte hinzu: „Sicherlich sind wir als Bank mit Sitz in Deutschland und einem starken Geschäft in Großbritannien gut darauf vorbereitet, die Folgen des Austritts zu mildern.“

Der Finanzhauptstadt London droht ein Bedeutungsverlust. Sie profitiert stark von der engen Anbindung an die Märkte im Euro-Raum. Die Erlaubnis, Finanzprodukte in allen EU-Ländern zu vertreiben, dürfte aber nach einem Austritt wegfallen. Teile von Banken, die etwa mit der Entwicklung von Produkten oder mit der Abwicklung von Derivaten zu tun hätten, könnten nach Frankfurt ziehen. Die Standort-Lobby „Frankfurt Main Finance“ erwartet in fünf Jahren 10.000 zusätzliche Arbeitsplätze in der Metropole.

Die Deutsche Bank überlegt Finanzkreisen zufolge, Bereiche wie den Devisenhandel von London nach Frankfurt zu verlagern. Sie beschäftigt in London über 8000 Mitarbeiter, vor allem im Investmentbanking. Cryan hat vor dem Referendum angekündigt, die Bank werde nach einem Brexit den Handel mit Euro-Staatsanleihen aus London abziehen. Dagegen erwartet der Vize-Chef der HypoVereinsbank-Mutter UniCredit, Gianni Franco Papa, dass sich London als Finanzmetropole behauptet: „Es würde Jahre dauern, ein neues Finanzzentrum in Europa aufzubauen, das sich mit London vergleichen könnte. Deshalb haben wir keine Pläne, in naher Zukunft Wesentliches zu ändern.“

Internationale Großbanken gaben sich gelassen. „Goldman Sachs hat sich in seiner Geschichte immer wieder an den Wandel angepasst“, sagte der Chef der US-Investmentbank, Lloyd Blankfein. Sein Kollege Jes Staley von der britischen Bank Barclays verwies darauf, dass sein Haus sich schon vor dem Referendum als „transatlantische Bank“ mit Verankerung in Großbritannien und den USA aufgestellt habe – „unabhängig davon, ob das Vereinigte Königreich in der EU bleiben würde“. Die US-Investmentbank Morgan Stanley hat einem Insider zufolge Pläne, 1000 ihrer 6000 Beschäftigten in London nach Dublin oder Frankfurt zu versetzen.

Der Chef des deutschen Privatbanken-Verbandes, Hans-Walter Peters, sieht den Brexit mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Die Finanzplätze auf dem Kontinent würden mittelfristig an Bedeutung gewinnen. „Auch wenn Frankfurt zu Lasten der City Marktanteile gewinnen würde, so wäre mir ein politisch geeintes Europa mit dem Vereinigten Königreich weitaus lieber“, sagte der Chef der Hamburger Privatbank Berenberg, die in den vergangenen Jahren stark in London expandiert hat.

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