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15.06.2016

13:24 Uhr

Furcht vor dem Brexit

„Heulen und Zähneklappern“

VonJens Hagen

An den Märkten geht derzeit die Angst um. Die Sorge um den Brexit vernichtet weltweit ein immenses Anlegervermögen. Fondsmanager schichten ihre Portfolios um. Was Privatanleger von den Profis lernen können.

Viele Anleger erleben derzeit, wie der Wert ihres Depots schwindet. Getty Images

Viele Anleger erleben derzeit, wie der Wert ihres Depots schwindet.

FrankfurtWie sich die Briten beim nahenden Votum über den Verbleib in der Europäischen Union entscheiden werden, das steht noch nicht fest. Klar ist aber jetzt schon: Der Volksentscheid führt zu einer globalen Geldvernichtung.

Seit in der vergangenen Woche die Umfrage-Trends in Richtung Brexit gingen, tanzt der Bär an den Börsen. Mehr als zwei Billionen US-Dollar verloren die weltweiten Aktieninvestments an Wert, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Und Profi-Investoren schlagen Alarm.

Vom „Heulen und Zähneklappern angesichts des britischen Referendums“, berichtet etwa John Hardy, Devisenstratege bei der Saxo Bank. „Ein Mehrheitsvotum für den Austritt hätte Chaos zur Folge”, konstatiert Lukas Daalder, Chief Investment Officer von Robeco. Und auch der deutsche Vertreter des weltgrößten Vermögensverwalter meldet sich zu Wort. „Das Brexit-Referendum wird für Anleger zum Vabanquespiel“, sagt Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie für Blackrock Deutschland.

Die schwärzesten Tage des Dax: 1989-2001

Was zeichnet einen Crash aus?

Eindeutige Kriterien für einen Crash gibt es nicht - außer Panik, hohe Umsätze und hohe Verluste. Beim bislang größten Börsenkrach der Nachkriegszeit am 19. Oktober 1987, als Spekulationen auf Zinserhöhungen den Dow-Jones-Index an der Wall Street um 23 Prozent einbrechen ließ, gab es den Dax noch nicht. Er wurde erst am 1. Juli 1988 erstmals berechnet. Die höchsten Verluste des Dax seither:

16. Oktober 1989

Der Dax fällt um rund 13 Prozent und folgt damit der Wall Street, wo Finanzierungs-Schwierigkeiten bei einem Unternehmensverkauf einen Ausverkauf auslösten.

19. August 1991

Ein später gescheiterten Putsch gegen den damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow drückt den Dax um gut neun Prozent ins Minus.

28. Oktober 1997

Im Sog der Asienkrise sackt der Dax im Handelsverlauf um bis zu 13 Prozent ab und schließt mit 3567 Punkten acht Prozent niedriger.

1. Oktober 1998

Die Angst vor einem Flächenbrand im Bankenwesen nach der Schieflage eines Hedgefonds in den USA und einer Eskalation der Krisen in Asien, Japan, Lateinamerika und Russland drücken den Dax um acht Prozent ins Minus.

11. September 2001

Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um neun Prozent.

In dieser Situation gehen Großanleger auf Nummer sicher. Das zeigt die wichtigste monatliche Umfrage unter internationalen Fondsmanagern von der Bank of America Merrill Lynch. Die Geld-Verwalter halten mit 5,7 Prozent ihres Fondsvermögens so viel Liquidität wie zuletzt vor 15 Jahren. Der Appetit auf Risiko ist ihnen vergangen. Der Index, der die Neigung zu riskanten Investments anzeigt, ist auf ein Vier-Jahres-Tief gefallen.

„Es gibt keine Bullen auf dem Berg der Bären“, so titeln die US-Banker die Zusammenfassung der wichtigsten Daten ihrer Studie. Die Allokation bei weltweiten Aktien befindet sich auf einem Vier-Jahres-Tief. Die Skepsis hat vor allem einen Grund: Einen möglichen Brexit sehen die Fondsmanager derzeit als das größte Risiko für die Börsen an. „Für mich ist das größte Risiko, mit der die Welt derzeit konfrontiert ist, der Aufstieg von Populismus und Ultra-Nationalismus”, sagt Michael Hasenstab, Portfoliomanager bei der Fondsgesellschaft Franklin.

Die Schwärzesten Tage des Dax: 2008-2015

06. Oktober 2008

Für den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate muss binnen einer Woche ein zweites Rettungspaket geschnürt werden. Der Dax verliert sieben Prozent.

08. Oktober 2008

Im Sog der Finanzkrise stürzt der Nikkei -Index um über neun Prozent ab. Der Dax verliert bis zu neun Prozent. Nach einer konzertierten Zinssenkungsrunde der großen Notenbanken erholen sich die Kurse nur leicht. Der Dax schließt mit einem Minus von sechs Prozent.

10. Oktober 2008

Rezessionsängste angesichts der Finanzkrise drücken den Nikkei-Index um zehn Prozent. Der Dax verliert ebenfalls sieben Prozent.

24. Oktober 2008

Ein erneuter Absturz der Tokioter Börse drückt den Dax in der Spitze um über elf Prozent.

8. August 2011

Nachdem die USA bei der Ratingagentur Standard & Poor's ihre Bestnote als Kreditnehmer verlieren, brechen die Kurse ein: Der Dax verliert rund fünf Prozent.

5. September 2011

Die Furcht der Anleger vor einer weltweiten Rezession und einer Ausweitung der Schuldenkrise in der Euro-Zone drückt den Dax um 5,3 Prozent ins Minus.

1. November 2011

Der Dax verliert rund fünf Prozent. Auslöser ist die überraschende Ankündigung einer Volksabstimmung in Griechenland über ein Rettungspaket.

29. Juni 2015

Das Scheitern der Gespräche zur Lösung der Schuldenkrise in Griechenland und die überraschende Ansetzung einer Volksabstimmung über die Forderungen der Gläubiger drückt den Dax gleich im frühen Handel um 4,6 Prozent auf 10.964,24 Punkte.

24. August 2015

Die Furcht vor einem deutlichen Konjunktureinbruch in China drückt den Dax erstmals seit Mitte Januar wieder unter die Marke 10.000 Punkten. Der Leitindex fällt um bis zu 3,6 Prozent auf 9760 Zähler.

Der Blick auf die weltweiten Märkte zeigt, wie beliebt derzeit die „sicheren Häfen“ unter den Anlageklassen sind. Dazu zählt etwa die zehnjährige Bundesanleihe, bei der die Rendite auch wegen der großen Nachfrage am Dienstag erstmals ins Minus fiel. Die „Zehnjährige“ gilt als der Gral sicherheitsbewusster Anleger, in Deutschland ist sie die wichtigste Referenz für langfristige Kapitalmarktzinsen.

Aufgelegt wurde eine zehnjährige Bundesanleihe erstmals im Jahr 1960. Die Rendite lag damals bei 6,34 Prozent. Im Jahr 1974 stieg sie sogar auf Monatssicht auf 10,8 Prozent. Seit der letzten Finanzkrise ging es bergab. Im Jahr 2008 gab es noch gut vier Prozent, heute rentiert sie mit 0,007 Prozent.

Kommentare (68)

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Herr Friedhelm Krakowka

15.06.2016, 13:37 Uhr



𝐄𝐔 = 𝐄𝐮𝐫𝐨𝐩𝐚𝐬 𝐔𝐧𝐭𝐞𝐫𝐠𝐚𝐧𝐠

Herr Nehal Devanowitch

15.06.2016, 13:38 Uhr

das vernichtete Geld ist ohnehin das der arbeitenden Geselslchaft. Und wenn die so dumm sind dafür aufzukommen dann ist das deren Problem. Mich freuts wenn UK austritt und ist aus meiner Sicht das ende der Scharade. Und wenn es dabei mal richtig knallt, und nicht nur wie 2008 ein paar Monate düstere Luft wäre dies noch viel besser. Der Krug geht halt solange zum Brunnen bis er bricht, das war schon eh und je so. Eine französische Revolution werden wir leider nicht erleben.

Herr Alex Lehmann

15.06.2016, 13:40 Uhr

So wie ich den Westen und seine Politiker kenn, wollen se England wahrscheinlich von der EM ausschließen, dieser Abschaum der Welt!

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