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08.06.2016

14:07 Uhr

Großbritannien

Möglicher Brexit verunsichert deutsche Firmen

Die Briten stehen vor einer wichtigen Entscheidung. In gut zwei Wochen stimmen sie über den Verbleib in der EU ab. Der mögliche Austritt aus der Union sorgt bei deutschen Unternehmen für Verunsicherung.

Fast die Hälfte der Befragten geht davon aus, dass ursprünglich für Großbritannien gedachte Investitionen im Falle des EU-Austritts stattdessen nach Kontinentaleuropa gingen. dpa

EU und Großbritannien

Fast die Hälfte der Befragten geht davon aus, dass ursprünglich für Großbritannien gedachte Investitionen im Falle des EU-Austritts stattdessen nach Kontinentaleuropa gingen.

BerlinDer mögliche EU-Austritt Großbritanniens sorgt einer Umfrage zufolge bei deutschen Unternehmen für Verunsicherung. Knapp zwei Drittel könnten die Auswirkungen eines Brexits für das eigene Unternehmen nicht einschätzen, fast ein Drittel rechne mit negativen Folgen, hieß es in einer am Mittwoch veröffentlichten Untersuchung des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI) und der Unternehmensberatung Deloitte. Die Ungewissheit über Deutschlands künftige Wirtschaftsbeziehungen zum Vereinigten Königreich sei „mit den Händen zu greifen“, erklärte BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber.

BDI und Deloitte befragten im Mai 215 deutsche Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen nach Großbritannien, welche Folgen sie von einem EU-Austritt Großbritanniens erwarten. 71 Prozent rechnen demnach mit Turbulenzen an den Finanzmärkten, 60 Prozent erwarten Wechselkursschwankungen, bis die Beziehungen zwischen Brüssel und London dann wieder neugeordnet wurden.

Pro und kontra Brexit: So argumentieren die beiden Lager

Argumente in der Brexit-Debatte

Kaum ein Wahlforscher wagt, das Ergebnis des Referendums über Großbritanniens EU-Mitgliedschaft vorherzusagen. Die Umfragen sind halbwegs ausgeglichen, entscheiden könnten Bauchgefühl, Ereignisse in den Tagen vor der Abstimmung oder auch die Wahlbeteiligung. Die Kampagnen für und gegen den Brexit wollen aber auch mit Argumenten überzeugen. Die wichtigsten im Überblick.

Pro: Kontrolle über die Grenzen

Immigration ist mit Abstand das wichtigste Argument der EU-Gegner. Zwar gehören die Briten nicht zum halbwegs grenzenlosen Schengen-Raum, aber EU-Bürgern dürfen sie die Einreise und das Arbeiten nicht verweigern. Vor allem Einwanderer aus Osteuropa, die angeblich wegen der Sozialleistungen kommen, sind bei manchen Briten nicht gut angesehen.

Pro: Kosten

Die Kampagne „Vote Leave“ hat errechnet, dass die EU das Land 350 Millionen Pfund pro Woche koste – mehr als 450 Millionen Euro. Und bis 2020 soll es noch viel teurer werden.

Pro: Eigene Gesetze

Was aus Brüssel kommt, sehen viele Briten traditionell kritisch. Erst recht, wenn es um Regulierung, Standards und Gesetze geht. EU-Gegner wollen, dass London wieder alles selbst entscheidet – von Baurichtlinien bis zum Arbeitsmarkt.

Pro: Handel

Zwar erarbeitet die EU Freihandelsabkommen mit den USA und Kanada – aber eigene Abkommen etwa mit China und Indien seien für das jeweilige EU-Mitglied nicht machbar, kritisieren Brexit-Fürsprecher.

Kontra: Handel

Für EU-Freunde ist die Wirtschaft klar das größte Plus der Union. Drei Millionen Arbeitsplätze hingen am Handel mit der EU, heißt es bei der Kampagne „Britain stronger in Europe“. Dazu kämen täglich Investitionen in Millionenhöhe. Für jedes Pfund, das London nach Brüssel gebe, kämen so beinahe 10 Pfund zurück. Ein Brexit könne etwa Reisen und Lebensmittel deutlich teurer machen.

Kontra: Arbeitsrechte

Mutterschutz, Urlaubstage und mehr - die EU garantiert Arbeitnehmern manches, was sonst vielleicht zur Debatte stünde. Ein wichtiges Argument vor allem für die sozialdemokratische Labour-Partei.

Kontra: Außenpolitik

Eine Gemeinschaft aus 28 Staaten hat mehr Gewicht als ein einzelnes Land. Unter anderem wollen die USA, dass die Briten in der EU bleiben – und die Beziehung zu Washington ist für London traditionell besonders wichtig.

Kontra: Sicherheit

Auch der Kampf gegen den Terror sei in der EU effektiver, sagen viele – sowohl direkt in Syrien als auch zu Hause. Die Geheimdienste MI5 und MI6 sind dafür, in der Staatengemeinschaft zu bleiben. So können sich die Sicherheitsdienste und Polizeibehörden einfacher austauschen.
(Quelle: dpa)

Zugleich geht beinahe die Hälfte der befragten Firmen davon aus, dass ursprünglich für Großbritannien gedachte Investitionen dann stattdessen nach Kontinentaleuropa gingen. Ebenso rechnen aber auch 43 Prozent mit höheren Zöllen für den deutschen Export. „Fast die Hälfte der Unternehmen befürchtet höhere Komplexität und steigende Kosten durch einen Brexit“, erklärte Alexander Börsch von Deloitte. Nur 29 Prozent hätten sich allerdings bislang auf das Szenario vorbereitet.

Von

afp

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