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22.06.2016

14:03 Uhr

Hedgefonds und der Brexit

Kampf der Spekulanten

VonMichael Maisch

Das EU-Referendum in Großbritannien polarisiert die Londoner Hedgefonds-Gemeinde. Die Herren über Milliarden beziehen Stellung – politisch und an den Märkten. Die Kurse könnten am Donnerstag und Freitag verrückt spielen.

Das Pfund ist seit Monaten auf Achterbahnfahrt - die Finanzgemeinde aufgeschreckt. Reuters

Diskussionen im Finanzdistrikt

Das Pfund ist seit Monaten auf Achterbahnfahrt - die Finanzgemeinde aufgeschreckt.

LondonDiskretion ist hier Ehrensache. An den schmucken Stadthäusern im edlen Stadtteil Mayfair künden nur die blankgeputzten Messingschilder davon, dass hinter den honorigen Fassaden milliardenschwere Finanzfirmen residieren. Mayfair ist das Zentrum der Londoner Hedgefonds-Gemeinde, und normalerweise halten sich die Herren des Geldes vornehm zurück, wenn es um Politik geht.

Aber die Brexit-Frage spaltet auch die Hedgefonds, genau wie das ganze Land. David Harding der Chef des 30 Milliarden Dollar schweren Fonds Winton Capital zählt zu den prominentesten Spendern für die EU-Freunde. Seine 750.000 Pfund verblassen allerdings gegen die 3,2 Millionen Pfund, die Peter Hargreaves, Gründer von Hargreaves Lansdown für das Brexit-Camp locker machte.

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Das Gedenken an Jo Cox am Nachmittag bildete einen Gegenpol zum Wahlkampfgetöse und den Sorgen um einen Einbruch des Pfunds. Am Abend zog sich der Ukip-Chef von der TV-Debatte zurück. Der Tag aus London im Rückblick.

Eigentlich haben sich die Granden der Finanzbranche in der Londoner City mehr oder weniger einheitlich auf die Seite des Pro-EU-Camps geschlagen, aber in der Hedgefonds-Szene ist das anders, hier prallen Meinungen und Egos aufeinander. Die Europa-Freunde wie Harding glauben, dass man einen möglichst großen Markt braucht, um große Geschäfte aufzuziehen, die Skeptiker hoffen, dass man mit der EU auch einen Teil der lästigen Regulierung los wird. Es steht viel auf dem Spiel: 80 Prozent aller Gelder die Hedge-Fonds in Europa managen werden von London aus gesteuert, auf 400 Milliarden Dollar schätzen Experten dieses Vermögen.

„Aber man sollte nicht den Fehler machen, zu glauben, dass es den Spendern bei der Frage pro oder contra Brexit nur um geschäftliche Interessen geht. Die ideologischen Debatten, die das Land spalten, beschäftigen auch unsere Branche“, heißt es bei einem Londoner Hedgefonds. Je nachdem ob man die EU als Friedensgarant nach den Katastrophen des 20. Jahrhunderts sieht oder als bürokratisches, antiliberales Monster, das die unternehmerische Initiative lähmt.

Aber wetten die Hedgefonds-Manager mit ihren Milliarden auch auf das Brexit-Votum - und wenn ja, dann auf die Seite, die sie auch politisch unterstützen? Harding hat mehrfach versichert, dass seine Spenden nichts mit den Handelspositionen von Winton zu tun haben. Damit dürfte er Recht haben, denn Hardings Fonds wird nicht von menschlichen Händlern gesteuert, sondern von Computern, die mit ausgefeilten Algorithmen rund um den Globus investieren und versuchen an den Märkten Trends aufzuspüren.

Kommentare (10)

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Herr Heinz Keizer

22.06.2016, 14:13 Uhr

Dr Vertrieb von Hedgefonds war in Deutschland aus gutem Grund lange Zeit verboten. Aber damals gab es auch noch eine Notenbank, die den Namen "unabhängig" verdiente.

Herr J.-Fr. Pella

22.06.2016, 14:23 Uhr

Ein solcher Markt für Spekulanten, da ist ein Spielcasino Kinderkram.

Herr Peer Kabus

22.06.2016, 14:25 Uhr

Hallo Herr Keizer,

da werden Sie wohl in diesem Forum auf Ihren Kommentar hin ganz sicher einige Kommentare auf GMX-Niveau erhalten :)

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