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22.06.2016

14:20 Uhr

James Dyson und Boris Johnson

Mit dem Staubsaugerkönig auf Stimmenfang

VonKatharina Slodczyk

Londons Ex-Bürgermeister Boris Johnson stützt sich im Endspurt des Brexit-Wahlkampfs immer stärker auf James Dyson. Doch der Staubsauger-Hersteller ist in der britischen Wirtschaft isoliert.

Die Glaubwürdigkeit des Ex-Bürgermeisters von London hat in den vergangenen Monaten im Zuge der Brexit-Debatte gelitten. AP

Boris Johnson

Die Glaubwürdigkeit des Ex-Bürgermeisters von London hat in den vergangenen Monaten im Zuge der Brexit-Debatte gelitten.

LondonAcht Jahre lang war Boris Johnson Bürgermeister Londons, einer der größten Finanzmetropolen der Welt. Er hat seine Banker stets gegen Anfeindungen verteidigt und diese ihn. In den vergangenen Monaten ist die Beziehung allerdings komplett abgekühlt. Seitdem Johnson sich für einen Abschied Großbritanniens aus der Europäischen Union einsetzt, kann er auf die Unterstützung der Londoner Banker nicht mehr hoffen. Er greift jetzt auf den Staubsaugerkönig James Dyson zurück.

Es wäre eine „ökonomische Selbstverletzung“, beim Status quo zu bleiben, sagte Johnson in einer prominent besetzten Debatte über die Vor- und Nachteile der EU-Zugehörigkeit am Dienstagabend und zitierte damit Dyson. Der Gründer des gleichnamigen Unternehmens, das neben beutellosen Staubsaugern auch Händetrockner und andere elektrische Geräte herstellt, macht bereits seit Monaten Front gegen Brüssel und begründet das vor allem mit einem Übermaß an Regulierung.

Grundsätzlich scheint ihn das bisher aber nicht im Geschäft eingeschränkt zu haben. Dyson hatte laut der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im vergangenen Jahr einen Marktanteil von 19 Prozent in Deutschland und stieg damit zum Marktführer auf. Es hält ihn aber nicht davon ab, bei jeder Gelegenheit in lautes Wehklagen über die EU zu verfallen.

So schrieb er jüngst in einem Gastbeitrag für die britische Tageszeitung „The Times“: 25 Jahre lang habe er sich inzwischen mit europäischen Behörden herumärgern müssen. „Und ich kann bestätigen, dass wir keinen wie auch immer gearteten Einfluss haben, wenn es darum geht, protektionistische Gesetze oder Regulierung in Europa zu gestalten. Glaubt mir, wir haben es versucht.“

Experten widersprechen dieser Sicht teilweise, die eine ganze Reihe von Brexit-Befürwortern in den vergangenen Monaten wiederholt haben. So kommen die beiden Politikwissenschaftler Simon Hix und Sara Hagemann von der London School of Economics in einer Studie zwar zu dem Schluss, dass Großbritannien in den Jahren 2009 und 2015 bei EU-Beschlüssen häufig überstimmt wurde – in etwa zwölf Prozent der Fälle. Doch es sei davon auszugehen, dass Großbritannien bei allen für das Land wichtigen Angelegenheiten auf der Gewinnerseite gestanden habe.

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