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01.07.2016

18:15 Uhr

Liveblog nach dem Brexit-Votum

EZB fordert klaren Zeitplan für britischen EU-Austritt

Die möglichen Cameron-Nachfolger Michael Gove und Theresa May lehnen baldige Neuwahlen ab. Von Seiten der EZB wird inzwischen ein konkreter Zeitplan für den EU-Austritt der Briten gefordert. Der Tag im Liveblog.

Sandra Navidi über das EU-Referendum

„Brexit als Konjunkturbremse“

Sandra Navidi über das EU-Referendum: „Brexit als Konjunkturbremse“

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In London werden bei den Konservativen und in der Labour-Partei die Karten neu gemischt. Bei den Tories bewerben sich fünf Politiker um den Chefposten - bei Labour wagt noch niemand, Jeremy Corbyn herauszufordern. Der Tag im Liveblog.

  • Gove würde Brexit nicht mehr in diesem Jahr einleiten
  • Osborne kippt Ziel eines Haushaltsüberschusses im Jahr 2020
  • IWF stimmt nach Brexit auf ungünstigere Wachstumsprognosen ein
  • Easyjet will Firmensitz vorerst nicht in anderes EU-Land verlegen
  • Die EZB-Notenbanker fordern einen klaren Zeitplan zum Austritt

+++ Die EZB will Klarheit ++

Führende EZB-Notenbanker fordern rasch Klarheit über den Zeitplan zum EU-Austritt Großbritanniens. „Denn lange Unsicherheit wäre mit wirtschaftlichen Kosten verbunden, vor allem für Großbritannien, aber auch für die Europäische Union“, sagte EZB-Direktor Benoit Coeure in einem am Freitag veröffentlichten Interview der französischen Zeitung „Le Monde“. EZB-Chefvolkswirt Peter Praet betonte auf einer Veranstaltung in London: „Es ist sehr wichtig, dass wir sehr rasch einen Brexit-Zeitplan erhalten.“

+++ London warnt vor Brexit-Schock +++

Der britische Finanzminister George Osborne erwartet nach dem Brexit-Votum einen „erheblichen negativen Schock“ für die Wirtschaft seines Landes. Das Sparziel, 2020 erstmals einen Haushalt mit einem Überschuss zu präsentieren, lasse sich realistischerweise nicht einhalten. Der Sender BBC wertete die Aufgabe des Sparziels als eine entscheidende Wende in der Finanzpolitik der Regierung von Premierminister David Cameron. Das Office for Budget Responsibility (OBR) hatte für das Etatjahr 2019/220 rund 10,4 Milliarden Pfund (12,4 Milliarden Euro) Überschuss vorgesehen.

+++ Tschechische Regierung gegen EU- und Nato-Referenden +++

Die tschechische Regierung hat einen Vorstoß von Präsident Milos Zeman zu Referenden über die Mitgliedschaft des Landes in der EU und der Nato zurückgewiesen. Man habe nicht die Absicht, irgendeine Volksbefragung abzuhalten, hieß es am Freitag.
Zeman hat sich am Donnerstagabend für die Abstimmungen ausgesprochen. Er selbst sei zwar gegen einen Austritt, sagte er dem tschechischen Hörfunk. Aber er werde alles tun, damit die Anhänger eines Austritts ihrer Meinung Ausdruck verleihen könnten.

+++ Easyjet will Firmensitz vorerst nicht verlegen +++

Der britische Billigflieger EasyJet will vorerst nicht über eine Verlegung seines Firmensitzes von Luton ins Ausland entscheiden. Erst müsse klar sein, wie die künftigen Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU aussehen, sagte ein Unternehmenssprecher am Freitag. Nach dem Votum der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union wolle die Airline aber auf alles vorbereitet sein. Der Sender Sky News hatte zuvor gemeldet, dass EasyJet mit Luftfahrtbehörden mehrerer Länder bereits Sondierungsgespräche führe. Er berief sich dabei auf firmennahe Quellen.

+++Mögliche Cameron-Nachfolger lehnen baldige Neuwahlen ab+++

Die beiden Favoriten für die Nachfolge von Premierminister David Cameron wollen keine baldigen Neuwahlen in Großbritannien. Justizminister Michael Gove, der als Mitfavorit gilt, sagte, er wolle vor dem regulären Termin 2020 keine Wahlen ausrufen.

Auch Innenministerin Theresa May, die Medien als klare Favoritin für den Einzug in Downing Street 10 ansehen, habe sich bereits am Donnerstag in diesem Sinne geäußert, berichtete die Nachrichtenagentur PA am Freitag.

+++Gove würde Brexit nicht mehr dieses Jahr einleiten+++

Der britische Justizminister Michael Gove würde im Fall seiner Wahl zum Regierungschef das Ausscheiden seines Landes aus der EU nicht mehr in diesem Jahr einleiten. Er würde mit dem Antrag an Brüssel noch abwarten, sagte Gove am Freitag.

Gove und Innenministerin Theresa May gelten nach dem Brexit-Votum und der Rücktrittsankündigung des konservativen Parteichefs und Premiers David Cameron als Favoriten für dessen Nachfolge. Die EU-Spitze und Regierungschefs aus anderen Mitgliedsstaaten haben die Briten zur Eile bei der Umsetzung der Wählerentscheidung gedrängt.

+++Britische Notenbank nach Brexit als Feuerwehr gefragt++

Nach dem Brexit-Votum werden die Währungshüter in London im Hochsommer voraussichtlich zu einem Feuerwehreinsatz ausrücken müssen. Mit niedrigeren Leitzinsen und womöglich einer noch größeren Geldflut könnte sich die Bank of England (BoE) gegen eine drohende Rezession in Großbritannien stemmen. BoE-Chef Mark Carney hat bereits einen Zeitplan vorgegeben: Der Führungsstab will am 14. Juli die Lage beurteilen, am 4. August sollen dann konkrete Löschmaßnahmen ins Auge gefasst werden.

+++Osborne kippt angepeilten Budgetüberschuss nach Brexit-Votum+++

Der britische Finanzminister George Osborne erwartet nach dem Brexit-Votum einen „erheblichen negativen Schock“ für die Wirtschaft seines Landes. Das Sparziel, 2020 erstmals einen Haushalt mit einem Überschuss zu präsentieren, lasse sich realistischerweise nicht einhalten.
Der Sender BBC wertete die Aufgabe des Sparziels als eine entscheidende Wende in der Finanzpolitik der Regierung von Premierminister David Cameron. Das Office for Budget Responsibility (OBR) hatte für das Etatjahr 2019/220 rund 10,4 Milliarden Pfund (12,4 Milliarden Euro) Überschuss vorgesehen.

Auch Mark Carney, der Chef der britischen Notenbank Bank of England, hat bereits gewarnt, der Brexit werde sich negativ auf die britische Wirtschaft auswirken. Die konservative Regierung von Noch-Premierminister David Cameron hatte Staatsausgaben in Milliardenhöhe gekürzt, um das Defizit zu verringern.

+++Gove: Cameron-Nachfolger muss aus Brexit-Lager kommen+++

Einer der Bewerber um die Nachfolge von Premierminister David Cameron, Justizminister Michael Gove, fordert, der neue Regierungschef müsse aus dem Brexit-Lager kommen.

+++EZB-Ratsmitglied: Es ist zu früh, um über Änderungen der Geldpolitik zu diskutieren+++

Österreichs Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny zufolge ist nach dem Brexit-Votum noch zu wenig Zeit verstrichen, um über Änderungen an der EZB-Geldpolitik zu diskutieren. „Es ist noch viel zu früh, hier detaillierte Perspektiven zu geben“, sagte das Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) am Freitag in Wien. Großbritannien sei nach wie vor vollumfänglich Mitglied der EU.

+++Finnland fordert von Großbritannien volle Freizügigkeit+++

Finnlands Ministerpräsident Juha Sipilä fordert, dass Großbritannien nach dem Brexit-Referendum bei einem Abkommen mit der Europäischen Union keine Sonderrechte eingeräumt werden. Der Zugang zum EU-Binnenmarkt solle an die Verpflichtung zur Freizügigkeit von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Personen gekoppelt sein, sagte Sipilä am Freitag. EU-Ratspräsident Donald Tusk hatte zuvor angekündigt, für den Zugang zum EU-Binnenmarkt müssten alle Grundprinzipien der EU respektiert werden, auch die Personenfreizügigkeit. „Einen Binnenmarkt à la carte wird es nicht geben“, so Tusk.

+++Umfrage: Deutsche lehnen weitere Vertiefung der EU ab+++

Die Deutschen sind einer Umfrage zufolge mehrheitlich gegen eine tiefere Integration der EU. 64 Prozent der Befragten wünschen sich stattdessen mehr Befugnisse für die Nationalstaaten, wie aus einer am Freitag vorab veröffentlichten Umfrage des Instituts TNS Forschung für das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ hervorgeht. Lediglich 27 Prozent befürworteten mehr Aufgaben für Brüssel. Gleichzeitig ist auch nach dem Brexit-Votum eine klare Mehrheit der Deutschen für einen Verbleib in der EU. In der Umfrage sprachen sich 87 Prozent für eine EU-Mitgliedschaft aus und lediglich zehn Prozent für einen Austritt. In einer Befragung Anfang Juni waren 83 Prozent für einen Verbleib und 13 Prozent dagegen. Für die aktuelle Erhebung wurden 1014 Personen am 28. und 29. Juni befragt.

Wegmarken für das künftige Verhältnis von EU und Großbritannien

Mittwoch, 29. Juni

Erstmals seit dem Referendum treffen sich die EU-Staats- und Regierungschefs ohne den britischen Premier David Cameron. Die Runde will über die Zukunft ohne das Vereinigte Königreich im Staatenbund beraten. Zeitgleich beginnt in Großbritannien die konservative Partei mit der Kandidatennominierung für die Nachfolge von David Cameron. Der Premier hat angekündigt zurückzutreten. Die Nominierungsphase endet schon am Donnerstag.

1. Juli

Die Slowakei übernimmt turnusgemäß von den Niederlanden die rotierende EU-Ratspräsidentschaft. Das Land übernimmt damit eine besondere Verantwortung bei der Vorbereitung der nächsten Minister- und Gipfeltreffen. Zudem werden die Slowaken für die Dauer der Präsidentschaft „Gesicht und Stimme“ der Europäischen Union sein.

8. und 9. Juli

In Warschau kommen die Staats- und Regierungschefs der Nato-Staaten zusammen. Spätestens dann sitzen 21 der EU-Chefs wieder mit Cameron zusammen. Auch bei diesem ersten großen Treffen nach dem EU-Gipfel wird das Brexit-Votum zumindest am Rande besprochen werden.

9. September

Spätestens bis zu diesem Tag soll in Großbritannien feststehen, wer der nächste Chef der Konservativen – und damit wohl auch neuer Premier – wird. Ihm dürfte es obliegen, über den Austritt zu entscheiden und den Wunsch der EU offiziell zu verkünden.

September

Für diesen Monat will EU-Ratspräsident Donald Tusk zum nächsten informellen EU-Gipfel einladen – wieder im 27er-Format ohne Großbritannien.

+++Suche nach Flügen Richtung Großbritannien sprunghaft gestiegen+++

Kaum war das Ergebnis der Brexit-Abstimmung bekannt, sind die Suchanfragen bei den Online-Reiseportalen nach Flügen Richtung Großbritannien sprunghaft angestiegen. Am Freitag nach dem Referendum verzeichnete etwa der Anbieter Kayak in Deutschland einen Anstieg um 46 Prozent im Vergleich zum Vortag. In Frankreich waren es sogar 130 Prozent mehr. Auch in Spanien und Finnland gingen die Suchanfragen bei Kayak nach Flügen auf die Insel steil nach oben.

+++Umfrage: Parteibasis wendet sich von Corbyn ab+++

Die Mitglieder der britischen Labour-Partei wenden sich nach einer Umfrage von ihrem unter Druck geratenen Vorsitzenden Jeremy Corbyn ab. Nur noch 51 Prozent der Befragten meinten, Corbyn mache einen guten Job, 48 Prozent waren gegenteiliger Ansicht. Noch Anfang Mai lag das Resultat der Befragung bei 72:27 Prozent, wie das Institut YouGov mitteilte. Trotz massiven Drucks seiner Abgeordneten im Unterhaus weigert sich Corbyn zurückzutreten. Seine Kritiker fürchten, mit Corbyn an der Spitze eine mögliche Neuwahl zu verlieren. Zudem werfen sie ihm vor, er habe sich beim EU-Referendum nicht mit genügend Nachdruck für einen Verbleib Großbritanniens in der Gemeinschaft eingesetzt.

Wenn das Volk über die Politik der EU abstimmt

Niederlande

Im April 2016 votieren die Wähler in einer Volksabstimmung gegen ein Partnerschaftsabkommen der EU mit der Ukraine, das die übrigen 27 EU-Mitgliedstaaten schon ratifiziert haben. Europakritische Initiativen in den Niederlanden hatten das rechtlich nicht bindende Referendum erzwungen. Schon 2005 hatten die Niederländer einem ersten Entwurf für den EU-Vertrag von Lissabon ihre Zustimmung verweigert. 2008 billigte das Parlament dann den Reformvertrag, ohne das Volk erneut abstimmen zu lassen.

Frankreich

Wenige Tage vor dem Nein der Niederländer hatten Ende Mai 2005 bereits die Franzosen den Entwurf für eine EU-Verfassung scheitern lassen. Knapp drei Jahre später stimmte das Parlament für den Lissabon-Vertrag – ohne einen weiteren Volksentscheid.

Irland

Die Iren stimmen dem Vertrag von Lissabon im Oktober 2009 mit überraschend großer Mehrheit zu – allerdings erst im zweiten Anlauf. Vierzehn Monate zuvor hatte eine Mehrheit dagegen votiert und die EU in eine politische Krise gestürzt. Bereits im Juni 2001 hatten die Iren den Vertrag von Nizza abgelehnt, der den Weg für die Erweiterung der EU ebnen sollte. Im Oktober 2002 sprachen sich dann in einem zweiten Referendum 62,9 Prozent doch noch für die Annahme aus.

Griechenland

Inmitten der Schuldenkrise erteilen die Griechen den Sparvorgaben der internationalen Gläubiger im Juli 2015 eine klare Absage. Regierungschef Alexis Tsipras hatte für ein negatives Votum bei dem Referendum geworben. Die Euro-Finanzminister erklären die Verhandlungen für gescheitert. Ein Krisengipfel in Brüssel kann den Austritt Griechenlands aus der Eurozone in letzter Minute verhindern.

Dänemark

Aus Sorge um den Erhalt ihrer nationalen Identität lehnen die Dänen den Euro bei einer Volksabstimmung im Jahr 2000 mit knapper Mehrheit ab. Auch beim ersten Referendum über den Maastrichter Vertrag hatten sie im Juni 1992 mit Nein votiert. Erst nach der Vereinbarung weitgehender Ausnahmeregelungen stimmten die Dänen zu.

Grönland

1982 votiert Grönland – als autonomer Teil Dänemarks Mitglied der Europäischen Gemeinschaft – in einem Referendum für den Austritt. 1985 verlassen die Grönländer die Union, bleiben aber assoziiert.

Schweden

Mit 56,2 Prozent lehnen die Schweden den Euro 2003 in einem Referendum ab. Wie die Dänen behalten sie ihre Landeswährung, die Krone.

Norwegen

Bereits in zwei Volksentscheiden haben sich die Norweger gegen einen Beitritt zur Europäischen Union entschieden – 1972 und 1994. Ein weiteres Referendum ist bisher nicht in Sicht: Bis heute lehnen mehr als 80 Prozent der Bevölkerung einen EU-Beitritt ab.

Schweiz

Mit großer Mehrheit stimmen die Schweizer 2001 in einem Volksentscheid gegen den Antrag einer Bürgerinitiative, „unverzüglich“ Verhandlungen über einen EU-Beitritt aufzunehmen. Die Schweiz hatte die EU-Mitgliedschaft schon 1992 beantragt. Das Beitrittsgesuch wurde aber auf Eis gelegt, nachdem das Volk eine Annäherung an die EU kurz darauf abgelehnt hatte.

Großbritannien

Erst nach Nachverhandlungen der Vertragsbedingungen durch Premier Harold Wilson sprechen sich die Briten in einem Referendum 1975 mehrheitlich für einen Verbleib in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft aus. London war der EWG 1973 beigetreten.

+++„Duma“: Erweitung der Eurozone keine Lösung nach einem Brexit+++

Mit einer möglichen Einführung des Euro in allen EU-Staaten nach einem Austritt Großbritanniens aus der EU befasst sich am Freitag die sozialistische Oppositionszeitung „Duma“ in Bulgarien:
„Die EU-Kommission plant die Einführung des Euro in allen EU-Mitgliedstaaten, einschließlich Bulgarien (...). Motor der Idee ist EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker. Ihre Umsetzung wird wegen eines (EU-)Austritts von Großbritannien beschleunigt. (...) Trotz aller Beteuerungen von „Experten“, dass der Beitritt zur Eurozone Vorteile bringt, sprechen die Fakten klar für das Gegenteil. Was geschah mit Italien und Griechenland nach dem Beitritt (zur Eurozone)? - Die (...) versanken in ihre schwerste Krise. (...) Die Nachteile werden bequem heruntergespielt, können aber fatal für einen Großteil der Menschen in Bulgarien sein. Bulgarien ist jetzt der ärmste EU-Staat und wird das auch in der Eurozone bleiben, dann allerdings noch ärmer.“

+++IWF stimmt nach Brexit auf ungünstigere Wachstumsprognosen ein+++

Der IWF bewertet die Wachstumsaussichten für die Eurozone und Großbritannien nach dem Brexit-Votum der Briten ungünstiger als noch vor wenigen Monaten. Der Chefvolkswirt des Fonds, Maurice Moses Obstfeld, sagte der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“ am Freitag, die anstehende Revision der IWF-Schätzzahlen werde „nicht positiv“ für die Euroländer und das Vereinigte Königreich ausfallen. Schon bei Vorlage des jüngsten Deutschland-Berichts hatten die Fonds-Experten angekündigt, sie würden mit ihrer gerade leicht geänderten Deutschland-Wachstumsschätzung im Rahmen der Aktualisierung ihres Weltwirtschaftsausblicks Mitte Juli wegen des Brexit wohl nach unten gehen.

Drohendes Rechts-Chaos bei einem Brexit

Was passiert bei einem Brexit?

Ein Mitgliedsstaat muss seinen Austrittswunsch an die EU melden. Dies könnte einige Wochen dauern. Dann würde eine Periode von zwei Jahren beginnen, in denen zunächst über die Austrittsmodalitäten und dann über das neue rechtliche Verhältnis mit der EU verhandelt wird. Artikel 50 sieht die Möglichkeit einer Verlängerung vor. Zumindest Lidington bezweifelt aber, dass alle 27 EU-Staaten dem auch zustimmen würden. Denn die Briten wären in dieser Zeit weiter im EU-Rat mit allen Rechten vertreten, obwohl sie gar nicht mehr dazugehören wollen. Zudem werde in einigen EU-Regierungen diskutiert, ob man einem austretenden Land wirklich entgegenkommen solle, meint auch der SWP-Experte. Die Überlegung dahinter: Weitere EU-Staaten sollten von einem solchen Schritt abgeschreckt werden. Lidington wies darauf hin, dass selbst Grönland bei seiner Abspaltung vom EU-Land Dänemark drei Jahre brauchte, um die Beziehungen mit der EU neu zu regeln - und da sei es fast nur um Fisch gegangen.

Freihandel

Durch den Brexit würde Großbritannien aus rund 50 EU-Freihandelsverträgen mit Drittstaaten fliegen – und müsste diese neu verhandeln. US-Präsident Barack Obama hat bereits angekündigt, dass sich die Briten bei bilateralen Neuverhandlungen „hinten anstellen müssten“.

Binnenmarkt

Großbritannien müsste neu klären, wie sein Zugang zum EU-Binnenmarkt aussehen könnte. Dafür gibt es Vorbilder. Allerdings weist das Land einen Überschuss bei Finanzdienstleistungen mit dem Rest der EU auf. EU-Staaten könnten deshalb auf einen eingeschränkten Zugang in diesem Bereich pochen. Was geschieht, wenn die Unternehmen nach zwei Jahren zunächst keinen Zugang mehr zum Binnenmarkt hätten, ist unklar.

Personen

Es muss geklärt werden, wie der Rechtsstatus von Briten in EU-Ländern und der von Kontinental-Europäern in Großbritannien ist. Wer braucht künftig eine Aufenthaltserlaubnis oder sogar ein Visum?

EU-Finanzen

Die Entkoppelung der britischen Finanzströme von der EU wäre sehr kompliziert. Die EU-Staaten müssten klären, wer die wegfallenden britischen Beiträge im EU-Haushalt übernimmt. Gleichzeitig würden viele Projekte auf der Insel ins Trudeln geraten, weil EU-Zahlungen wegfielen.

EU-Beamte und britische EP-Abgeordnete

In Brüssel gilt bereits ein Stopp für wichtige Personalentscheidungen bis zum 23. Juni. Die britischen Mitarbeiter in der EU-Kommission könnten wohl auch nach dem Ausscheiden des Landes bleiben. Aber Aufstiegschancen dürfte es für sie nicht mehr geben. Die britischen Abgeordneten im Europäischen Parlament würden laut SWP-Experte von Ondarza wohl erst bei der nächsten Europawahl ausscheiden. Aber schon zuvor müsste geklärt werden, bei welchen Entscheidungen sie noch mitstimmen sollen.

EU-Gesetzgebung

Kein Probleme dürfte es bei jenen EU-Rechtsakten geben, die Großbritannien bereits in nationales Recht umgesetzt hat. Schwieriger wäre dies bei Themen, in denen die britische Regierung gerade EU-Recht umsetzt. Brexit-Befürworter fordern, dass sich das Land auch nicht mehr nach der EU-Menschenrechtskonvention richten sollte.

Außen- und Sicherheitspolitik

Die Briten leiten derzeit den Antipiraterie-Einsatz „Atalanta“, sie sind auch mit Soldaten in EU-Kampfeinheiten vertreten. Eine Neuordnung in diesem Bereich gilt als relativ unproblematisch.

+++Gabriel: Kluft zu Großbritannien darf nicht wachsen+++

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel will nach eigenen Worten alles dafür tun, dass die Kluft zwischen der EU und Großbritannien nach der Brexit-Entscheidung nicht weiter wächst. In einem Brief an seine Mitarbeiter macht er aber auch klar, dass das Vereinigte Königreich nach seinen Ausscheiden aus der Union nicht mehr deren Vorteile in Anspruch nehmen kann.

+++The Times“: May und Gove könnten Großbritannien führen+++

„May ist bekannt für ihre Standfestigkeit, die ebenso wie ihr Geschlecht am Margaret Thatcher erinnert. Sie wird wegen ihrer Beständigkeit mit Angela Merkel verglichen. Das würde ihr in der Downing Street zugute kommen, aber sie müsste größeres Talent für strategisches Denken zeigen als die deutsche Kanzlerin, deren Bilanz in den vergangenen zwei Jahren von kurzfristigen Erwägungen getrübt wurde.

+++Söder möchte Europäische Bankenaufsicht von London nach München holen+++

Bayern möchte nach einem Bericht die Europäische Bankenaufsicht (EBA) von London nach München holen. Das habe Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) in einem Brief an Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) vorgeschlagen, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ (Freitag). Söder bitte die Bundesregierung in dem Schreiben, sich auf europäischer Ebene für die Verlagerung der EBA mit ihren 160 Mitarbeitern einzusetzen. Ziel müsse sein, München als wichtigsten deutschen Finanzplatz nach Frankfurt am Main nachhaltig zu stärken, sagte Söder der Zeitung.


+++007-Experte: Brexit wäre gutes Bond-Thema+++

James Bond steht für das Vereinigte Königreich wie kaum eine Filmfigur - was Agent 007 wohl zum Brexit sagen würde? Der Bond-Experte Joachim Frenk, Anglist von der Universität des Saarlandes, kann sich den Austritt der Briten aus der Europäischen Union (Brexit) gut in einer Kinogeschichte vorstellen. „Das ist ein so großes Thema und berührt derart Bonds typische „Britishness“, dass das thematisiert werden wird“, meint er. Für Bond selbst sei die EU-Frage wohl zu gewöhnlich. Aber: „Der aktuelle Bond-Darsteller Daniel Craig hat gegen den Austritt gestimmt - so viel wissen wir.“

+++Slowakei übernimmt EU-Ratspräsidentschaft+++

Vor dem Hintergrund von Brexit und Meinungsverschiedenheiten über die Flüchtlingskrise hat die Slowakei von den Niederlanden die EU-Ratspräsidentschaft übernommen. Das erst seit 1993 unabhängige Land, das auch zur Eurozone gehört, wird den Vorsitz vom 1. Juli bis zum Jahresende 2016 führen. Aus diesem Anlass tritt am Freitag die EU-Kommission in der slowakischen Hauptstadt Bratislava zusammen.

+++Wall Street im Plus - Brexit rückt in Hintergrund+++

Eine Woche nach dem Brexit-Votum ist von dem Schock an den US-Börsen kaum noch etwas zu spüren. Investoren richteten ihre Aufmerksamkeit wieder mehr auf die Weltkonjunktur, sagte Peter Cardillo von First Standard Financial. Für Wirbel sorgten zudem Pläne für eine 23 Milliarden Dollar schwere Übernahme des Schokoladen-Herstellers Hershey durch den Nahrungsmittel-Giganten Mondelez. Die Hershey-Aktie schoss fast 17 Prozent in die Höhe. Mondelez tendierte rund sechs Prozent fester. Gefragt waren zudem Finanztitel, nachdem die großen Banken den Stresstest der US-Notenbank (Fed) bestanden hatten.

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